Viel Lärm in Chiozza

Viel Lärm in Chiozza

  • Genre Musical
  • Bühne Schauspielbühne
  • Premiere21. Oktober 2006
  • Vorstellungsdauer1:40 hod.
  • Anzahl der Wiederaufführungen59
  • Derniére6. November 2009

Komödie

Es gibt nur wenige Komödien, welche das Niveau dieses Werks erreichen. Aller Spaß, alle Unterhaltung oder aller Humor, wie sie wollen, läuft in allen nach diesem Autor folgenden Lustspielen davon ab, wie es gerade von ihm in dieser Komödie genial gezeigt wurde. Und vielleicht gibt es nichts mehr unterhaltend, als dieses Spiel. Wunderliche Kette von lieblichen Gehässigkeiten und Streiten, von Klatschgeschichten, welche in den Seelen der einfachen Fischer das Drama der Eifersucht entzünden...

Leidenschaftlich erregte Köpfe, stumpfe Wärter der öffentlichen Ordnung...

Liebe und Haß – zwei Gefässe mit demselben Boden...

Und dabei die Welt von ehrlichen, einfachen und gutherzigen Leutchen, welche wir aus dem alltäglichen Leben kennen. Und diese bringt absurde, lächerliche, Vernunft sowie Sinne provozierende Situationen an uns, und es bleibt nichts anderes, als über sie lachen, als sie auslachen.

Autor

  • Carlo Goldoni

Übersetzung

  • Jaroslav Pokorný

Dramaturg

  • Ladislav Stýblo

Szenerie

Musik

Orsetta, děvče, sestra paní Libery

Patron Fortunato, rybář

Patron Vicenzo, obchodník s rybami

Paní Pasqua, žena patrona Toniho

Isidoro, mladý soudce

Komisař

Čahoun, chlapec, prodavač pečených dýní

Toffolo, lodičkář

Lucietta, děvče, sestra patrona Toniho

Checa, jiné děvče, sestra paní Libery

Patron Toni, patron rybářské bárky

Beppo, mladík, bratr patrona Toniho

Titta-Nane, mladý rybář

Viel Lärm im flinken Tempo – kurz und unterhaltend

Petr Christov 27. Dezember 2006 zdroj Theaterzeitung

Auch wenn das Stadttheater Brno in der letzten Zeit versucht, in seiner Dramaturgie überraschend aktuell und modern zu sein, werden in sein Repertoire immer die bewährten, sogar klassischen Titel, vor allem die mit Komödiezügen, gehören, was ohne Zweifel Goldonis Viel Lärm in Chiozza ist. Auf die Schauspielerszene des Stadttheaters Brno setzte ihn in üblicher Übersetzung von Jaroslav Pokorný der Regisseur Zdeněk Černín.

Viel Lärm in Chiozza ist das Spiel, das den Zuschauer nicht überraschen sollte. Die sich streitenden Frauen, Familienprobleme von zwei Nachbarn und einige junge, von der Liebe getrunkene und verblendete Paare. Die Szene von Jan Dušek hält sich auch an übliche Konventionen. Zwei Häuser auf den Seiten der Bühne, hinten ein erhöhter Raum, der das Ufer des Kanals evoziert, auf dem auch ein Boot antreibt. Das Hinterprospekt mit vorgezeichneten Silhouetten der Häuser und der strahlenden Scheibe der (aufgehenden?) Sonne ergänzt gut den Eindruck der Peripherie der nähen Stadt. Und der kleine Fernseher im Vordergrund scheint, einen Altar oder eine Kapelle zu ersetzen. Wir sollten wahrscheinlich irgendwo auf der italienischen Kleinstadt sein (sicher, nach Goldoni sind wir in Chiozza), dennoch, die gelungene und geschmeidige Musik von David Rotter weist doch irgendwohin ferner nach Osten, zu den leicht arabischen oder balkanischen Tanzrhythmen hin – es ist doch nicht nötig, sich den Kopf darüber zu zerbrechen. Das wesentliche ist, dass die Inszenatoren versuchten, die Textvorlage zu erleichtern, und Striche machten. Die resultierende Form weckt dann einen sehr sympathischen Eindruck. Im ersten Teil sind die Striche weniger markant, weil die Frauenentree brauchen eine gewisse Zeit für ihren Anlauf, die Szenen beim Gericht im zweiten Teil sind doch grundsätzlich gekürzt. Das Ergebnis ist flinke, etwa hundert Minuten dauernde Inszenierung ohne Pause, die vor allem mit gelungenen schauspielerischen Leistungen unterhält. Das schauspielerische Ensemble des Stadttheaters Brno ist in dieser Inszenierung sehr verjünget und seine Änderung tat auch den, sagen wir mehr verdienten Schauspielern, gut, was zum Beispiel Erik Pardus in der Rolle des schlecht artikulierenden Patrons Fortunato betrifft. In dieser Rolle gelingt es ihm, die Zuschauer zum Lachen zu bringen, ohne sich zu dem sonst üblichen Chargieren zu wenden. Unsere Beachtung verdient auch Jana Glocová in der Rolle der Frau Libera. Es scheint auch, dass alle mit Lust und Einsatz spielen. Der Regisseur führt die Schauspieler zu einfachen, doch präzisen Charaktertypen, die eindeutig differenziert sind und die die Situationen und Gags zu pointieren wissen.

Die einzelnen Situationen gehen von Goldonis Text aus und sie werden wie Hinweise auf unsere Gegenwart weitergespielt. Deshalb kann sich Toffolo (Alan Novotný) auf der Bühne in einem Fußballdress mit der legendären Zehn auf dem Rücken bewegen, deshalb kann sich der Richter Isiodoro (Lukáš Hejlík) wie ein junger, unerfahrener Rechtsanwalt verhalten und dabei kann er auch mit seinem Arbeitstisch auf einem Siel von oben her wie ein Gott herunterlassen sein, der in die zerrütteten Schicksale von beiden Familien eingreift. Ein ähnliches Funktionselement ist auch gelber Fernseher, der mit seinem Bildschirm zur Bühne gewendet ist und in dem (alle) Anweisende durchlaufend und liebvoll eine gewisse Telenovelle folgen. Im Schluss sind die Untertitel wie ein Überdachungsgag der ganzen Inszenierung verwendet. Die einzelnen komischen Auftritte versuchen gewöhnlich nicht (ausgenommen der erwähnten Ankunft des Richters), markant originell zu sein, in jedem Fall sind sie doch einfallsreich und lebendig.

Trotz den guten schauspielerischen Leistungen kann der Zuschauer manchmal mit der Unverständlichkeit der konkreten Situationen und Beziehungen zwischen Gestalten streiten; es ist vor allem die Schuld der erwähnten Textänderungen, mit denen einige Bedeutungen weggenommen wurden, ohne dass sie von den schauspielerischen Aktionen wieder deutlich benennt würden. Der gute Eindruck aus der bildnerischen Lösung der Szene wird dann ein bisschen von der vielleicht zu viel „modernen“ Auffassung der Kostüme der weiblichen Gestalten gestört. Trotzdem kann Černíns Inszenierung wie eine gelungene Komödienform bezeichnet sein, die das wesentlichste weißt – zu unterhalten, ohne sich für das Niveau ihres Humors und für seine Aufführung schämen zu müssen.

Titel, die sie gut unterhalten werden

Peter Stoličný 11. Dezember 2006 zdroj www.divadlo.sk

Zwei Uraufführungen im Stadttheater Brno

Die wirtschaftlichen Bedingungen eines nur teilweise von der Stadt dotierten Theaters sind nicht einfach. Das Theater kann den Weg der Erhöhung der Zahl der Wiederaufführungen von einzelnen Inszenierungen beschreiten, was den Betrieb billiger macht, aber gleichzeitig die Gefahr ausbildet, dass der Zuschauerraum nicht immer ausverkauft wird. Es kann aber auch einen anderen, mehr mutigen Weg beschreiten, immer neue und neue Inszenierungen vorbereiten, und so sich den immer ausverkauften Zuschauerraum sichern (sicher, wenn die Inszenierungen gut werden) und stets mit dem Budget kämpfen. Es ist interessant, dass im Stadttheater Brno der zweite Weg ausgewählt wurde, auch wenn hier in den vergangenen Jahren die Zuschauer sicher nicht fehlten. Ich erinnere mich nicht, dass es auf dem Plakat vor der Kasse bei einem von den Titeln der Schild AUSVERKAUFT manchmal fehlte. Warum produzieren sie also eine Vorstellung nach der anderen, wenn sie zurzeit im lebendigen Repertoire auf zwei Bühnen vierzig Titel haben? Es geht wirklich um ungewöhnliche und schockierende Nummer. Es sind wirklich lebendige, während der Saison realisierte Titel. Es kann dafür nur ein einziger Grund sein - es macht ihnen Spaß! Es macht ihnen Spaß, gutes Theater zu machen. Am Ende Oktober waren wir Zeugen von zwei Uraufführungen. Auf der Schauspielszene wurde Goldoni aufgeführt, auf der Musikszene das erste Musical von Lloyd Webber. Beide Inszenierungen waren lustig, mit reicher und bunter Ausstattung, zu beiden Inszenierungen kann man den Attribut: "Kasse Stück" beifügen. Aber immer schön der Reihe nach.

Carlo Goldoni (1707–1793) ist für das Theater immer ein denkbarer Autor. Dieser Stürmer und Neuerer der italienischen Dramatik wurde 33 Jahre nach Molieres Tod geboren. Er war Zeitgenosse von Voltaire und Rousseau, des Romantikers Carlo Gozzi und Enzyklopädist Diderot. Aber in dieser Zeit wurden auch viele Entdeckungen realisiert: Carl Schlee entdeckte Sauerstoff, James Watt Dampfmaschine und Montgolfieri fliegt mit einem Luftballon auf. Die Spanier kämpfen mit den Briten, die Russen mit der Türkei, kleine Kriege münden in einen sieben Jahre dauernden Krieg, bis endlich in Paris fällt Bastille und Napoleon besitzt einen Teil von Italien. Und in diesem politischen und militärischen Aufruhr des achtzehnten Jahrhunderts reformiert der Bühnenschaffende Goldoni, von ursprünglicher Profession Rechtsanwalt, die volkstümliche Commedia dell´arte und bringt die italienische Komödie aus der Straße auf die Barockbühnen der Stadtbuden sowie Palästen. Seine disziplinierten Stücke, in denen er die Improvisation mit genauen, aus dem Leben genommenen Dialogen ersetze, wurden zuerst mit Zurückhaltung angenommen. Eigentlich für das ganze Leben des Autors ist das Wechseln von großen Zuschauererfolgen mit Unverständnis charakterisiert. So wurde auch die Komödie Le baruffe Chiozzote (Streitigkeiten in Chiozza), wie dieses Werk ursprünglich bezeichnet wurde, angenommen. Es geht eigentlich um übliche Streitigkeiten, die wegen Kleinigkeitskrämerei (jemand kauft für jemanden gebackene Kürbisse und es ist Eifersucht daraus) entstehen und wegen deren die Familien der einfachen Fischer auch in große Streitigkeiten kommen.

Verhältnisgleich zu der Kleinlichkeit der Konflikte steigen ihre Komik und ihre Gültigkeit während Jahrhunderte auf. Goldoni ist immer aktuell, wir lachen gern zusammen mit ihm über die Dummheit der anderen, weil wir die Zeuge von solchen Sachen jeden Tag sind. Der Regisseur Zdeněk Černín leugnet seine ursprüngliche Profession des Schauspielers in sich nicht. Die Brünner "Viel Lärm in Chiozza" ist ein hoheitliches Schauspieltheater, das mit italienischer Heißblütigkeit und schauspielerischen Bravour eingefüllt ist. Schnelles Tempo, Schlägereien auf der Bühne, oft mit Clownzügen, anschneidend spontane aber genau gemessene Reaktionen auf witzigen Dialogen. Das alles bildet wunderschöne hundertzehn Minuten ohne Pause aus, bei denen die wiederholten Angriffe an Zwerchfelle der Zuschauer einen unvorbereiteten Körper beinahe ganz erschöpfen. In der heutigen Welt treffen wir nämlich so ständiges Lachen nicht zu oft. Auf der Bühne des Stadttheaters Brno doch. Auf der abwechslungsreichen Szene, mit Kostümen von Jan Dušek und mit der Musik von David Rotter sind wir Zeugen solcher schauspielerischen Leistungen, die durch einen markanten Zug charakterisiert sind: den Schauspielern spielt man gut, sie haben an ihren Rollen Freude und sie wissen es übergeben. Es ist schwer zu sagen, wer der Beste ist. Patron von Zdeněk Junák, Beppo von Martin Havelka oder Fischer Fortunato von Erik Pardus? Dieser schaffte mittels Sprachfehler und Ausbleiben von Konsonanten wunderschön unverständliche Repliken und Verstümmelungen der Wörter.

Unterhaltung, nichts anders, nur Unterhaltung. Etwa so kann man diese Vorstellung bezeichnen. Vielleicht nur ein Wort ist dazu zu fügen: sehr gute Unterhaltung...

Joseph and the Amazing Technicolor Dremcoat (im Tschechischen Joseph und sein erstaunlicher buntfarbiger Mantel)

Gleich am Anfang ist ein kleines Missverständnis zu erwähnen. Der ursprüngliche Titel lautet Joseph and the Amazing Technicolor Dremcoat. "Dreamcoat" ist also nicht erstaunlicher, sondern traumhafter, erträumter Mantel. Und "technicolor" ist nicht buntfarbig. 1917 erfand Herbert T. Kalmus einen neuen Prozess der Produktion des Farbfilms und bezeichnete ihn Technicolor. Diese Technologie lebte sich wie der Termin für den Farbfilm ein. Wenn der Librettist Tom Rice das Wort "buntfarbig" verwenden wollte, würde er "Colourful" schreiben. Technicolor ist doch die Metapher, die die Pompöse, Äußerlichkeit, Kitschigkeit der amerikanischen Unterhaltungsindustrie andeuten soll. Glücklicherweise fasste der Regisseur Moša den Joseph auf der Brünner Musikszene gerade auf diese Weise. Wie einen prächtigen, wunderschönen Kitsch. Mit alles was dazu gehört.

Technicolorfarben, helle Hintergründe, auf den der Kinderchor projiziert wird, Animationen von Wüsten, Blüten, Palmen sowie Gräser. Expressive Schauspielkunst und wunderschön rein gesungene Arien und Chors, musikalische Tanzkunst, die dem Protagonisten des Stadttheaters Brno schon seit langer Zeit ein jeder beneiden kann. Das Libretto des ständigen Webbers Mitarbeiters Tim Rice wurde vom Michael Prostějovský nachgedichtet, der an jenes ursprüngliches konsequent hielt. Das erinnere ich deswegen, dass die Dramaturgie (jene in Brno wurde von der erfahrenen Pavlína Hoggard gemacht) meistens nach kleineren oder größeren Bearbeitungen des Originals greift. Die Rices Texte sind nicht besonders genial. Der Autor baut die Geschichte wie ein Leporello aus, es liegt ihm wenig an wirklichen Realien (Che Guevara im Musical Evita - das war der Gipfel der Verdrehung der Geschichte). er ist der Autor von unsinnigen Vorsätzlichkeiten und nicht dramatischen Einschüben. Wenn der geniale Webber nicht wäre, würde er nie auf dem Piedestal des musikalisch-dramatischen Ruhmes stehen. Die Musiknummer des ersten, ursprünglich studentischen Musicals Joseph and the Amazing Technicolor Dremcoat trägen die Züge eines indisziplinierten, bis rezessiven Zutritts. Von Benjamin Calypso bis zum Rock and Roll des Pharaos - das alles ist eine freche, jugendliche Brekzie.

Was also macht aus diesem Musikwerk ein erfolgreiches Musical? Es ist sicher die Musik und die Gesang- und Tanzanforderungen, die nur von den Vorbereiteten bewältigt werden können. Das Orchester in Brno wurde von Karel Cón a Igor Rusinko (diesen habe ich gesehen) dirigiert und es ist zu sagen, dass es auch bei ziemlich kleiner Instrumentalbesetzung eine bravouröse Interpretation war. Die Sänger aus Brno haben auch außergewöhnliche Bewegungsdispositionen, im Gegenteil die Tänzer singen, es sind einfach komplexe Musicalpersönlichkeiten. Auf der Vorstellung, die ich gesehen habe, strahlte über allen Stano Slovák (aus der schauspielerischen Familie der slowakischen Slovákovi) in der Rolle des Pharaos. Zum fehlerlosen Gesang fügte er noch komische Manieren eines Rockstars, wofür er sich einen langen Applaus der Zuschauer verdiente. Seine Partnerin Markétka Sedláčková in der Gestalt der Erzählerin bezauberte mit der Reinheit der Stimme, aber auf diese Weise könnte ich fortsetzen und alle Interpreten nennen. Was also macht aus der Brünner Inszenierung des "Josephs" eine so gute Inszenierung? Realisierung. Von der Szene von Ondřej Zicha und von den Kostümen von Andrea Kučerová, über die Filmanimationen von Černáková und Záhorová bis zur einfallsreichen Choreographie von Igor Barberič. Von der Regie von Stanislav Moša bis zu den Schauspiel-, Gesang- und Bewegungsleistungen von allen.

Es ist gelungen, einen wunderschönen Musicalkitsch zu schaffen. Einen wirklichen Technicolor. Aber so war es ursprünglich auch gedacht. Und Kitsch, das ist keine Beschimpfung. Wenn sich die orangenfarbige Sonne über den ägyptischen Pyramiden neigt und im Vordergrund die Blätter der geneigten Palmen golden glänzen, ist es auch ein Kitsch. Aber wunderschön. Und so ist auch das Musical im Stadttheater Brno. Und das ist gut.

Zeitschrift, Koreanisch, Verführer und Christkind aus Brno

Luboš Mareček 1. November 2006 zdroj MF Dnes

Das Theaterleben in Brno war im Herbst - was das Angebot betrifft - schön buntfärbig. Das ist zwar gut, aber ein Tüftler sucht in diesem Glossar verschiedene Aspekte dieser Farbigkeit. Um Gunst des Publikums kann man auch mit der schon seit Jahrhunderten gespielten Komödie Viel Lärm in Chiozza, die das Stadttheater Brno anbot, bewerben. Zum Glück wurde dieser Evergreen in der Regie von Zdeněk Černín zu keinem obligatorischen Juxposten des Repertoires. Černín ließ hier die Welt von streitsüchtigen Italienern aus einem kleinen Fischerdorf und die unfruchtbare Welt der heutigen Telenovellen an sich stoßen. Goldoni gewann - nicht nur in dieser Optik - mit Sicherheit.

Eine andere Neuheit mit derselben Theatermarke ist auch das Musical Das Zigeunerlager zieht in den Himmel. Der ehemalige Kultfilm der sozialistischen Biographen bietet auf der Musikszene des Stadttheaters eine hinreißende Schau, was Gesang, Musik und Tanz betrifft. Das Orchester und Ensemble pulsieren in hymnischen Tönen, aus der live spielenden Zimbalmusik auf der Bühne sowie aus den in der Zigeunersprache gesungenen Texten ist das Animalische herauszufühlen. Diese Vorstellung ist wirklich gelungen. Vielleicht nur das pompöse und snobistisch glänzende Tor auf dem Horizont widersetzt sich dem einfachen und unbezähmbaren Leben der Zigeuner, für die die Freiheit mehr kostbar ist, als das Leben.

Viel Lärm in Chiozza und auch Telenovelle

Luboš Mareček 26. Oktober 2006 zdroj MF Dnes

Die zweite Komödie von Carlo Goldoni, Viel Lärm in Chiozza, setze in sein Repertoire das Stadttheater Brno. Ein anderes erfolgreiches Stück von Goldoni - Der Diener zweier Herren - wird unter demselben Dach und mit ähnlichem Inszenierungsteam schon seit sechs Jahren gespielt. Der Regisseur Zdeněk Černín zusammen mit dem Bühnenbildner Jan Dušek verwendeten auch diesmal einen ähnlichen Schlüssel. Die klassische Komödie adaptierten sie an die Gegenwart, was Ausstattung, Wörterbuch und Regieelementen betrifft.

Und was blieb aus dem unsterblichen Komödiograf in Brno heute? Die zwei und halb Jahrzehnte alte Geschichte aus einer kleinen Fischerstadt, wo sich zwei Gruppen von Frauen miteinander streichen, wird auf der nicht zu viel schönen Hafenperipherie gespielt. Auf dem Horizont sind schwarze Fabrikschornsteine zu sehen und über diesen scheint die halbtot aussehende Sonne. Alle weiblichen Furien sind billig angezogen, wie Mädchen von Karussellen. Und in ihr Warten auf ihre Fischergegenüber bringen die Telenovellen die Abwechslung. Aus dem Kontrast der unfruchtlosen Unterhaltung der heutigen Zeit mit den vollblutigen Typen des Stücks von Carlo Goldoni erwächst interessante Spannung. Ihren Ort haben hier auch die Anspielungen gegen Korruption.

Viel Lärm in Chiozza in der Darbietung des Brünner Theaters wird also vor allem von rasendem Tempo und wildem Schauspielertemperament charakterisiert. Černín genieß vor allem das Arrangieren von wilden Schlägereien, in demselben Tempo wie die Beleidigungen fliegen auf der Bühne Kunststoffstühle, Gemüse oder Wischtücher. Die Zuschauer wissen den kollektiven Einsatz zu schätzen, aus dem nicht nötig ist, einzelne Namen zu nennen. Aus der Bühne strömt so viele Energie, von der das Publikum sympathisch elektrisiert ist, dass es nicht stört, dass man eineinhalbe Stunde ohne Pause spielt. Es hat Schmiss, Einfälle, gemessene Menge von Witzen, die nicht nur die Zierglasur des leeren Körpers sind. Und so der Endwitz, wann das Ensemble selbst zu den Akteuren der einfältigen Telenovelle wird, kann wie sprichwörtliche Kirsche auf der Torte genommen werden.

Viel Lärm in Chiozza ist eine blitzsaubere Komödie

Jiří P. Kříž 25. Oktober 2006 zdroj Právo

In den Seelen von Tschechen ist Carlo Goldoni der Autor, dem sie gut verstehen. Die Plebejer in seinen Komödien werden weder von Herren noch von Provinzbeamten überwunden. Und wenn seine Komödien an die Zuschauer von Zdeněk Černín serviert werden, ist der Spaß noch größer. Das neueste Beispiel: Viel Lärm in Chiozza im Stadttheater Brno. Der Regisseur Zdeněk Černín ist der Meister der Inszenierungsabkürzungen. In Brno, Opava aber auch z.B. in České Budějovice weißt er die Komödien sowie Tragödien (Goldoni, Stroupežnický, Preissová, Mrštíci, Ostrovský, O‘Neill, Shakespeare...) gewöhnlich unter zwei Stunden zu kürzen, ohne den originellen Text um ein einziges wesentliches Motiv zu betrügen.

Zu Karel von Kainar

Viel Lärm in Chiozza wird sich, wenn alle Gags angepasst werden, die an den Uraufführungen manchmal stolperten, in eineinhalb Stunde hineinpassen. Aber auch wenn es zwei Stunden gespielt würde, werden sich die Zuschauer dabei gut unterhalten. Die aus der ersten Reihe sollten doch den Anspruch auf ermäßigte Eintrittskarten haben. Ihr Leben wird durch Tomaten, Paprikas, Abfälle und alles Kaschiertes bedroht, was die bitterbösen Venedigerinnen aufeinander werfen. Die verrückte Geschichte wird überraschend durch das nostalgische Lied von Checcy (Evelína Jirková) vorgezeichnet. Zusammen mit Josef Kainar ist ihr bange ums Herz - sie sehnt nach Männern, die den Lebensunterhalt auf dem See suchen. Auch die anderen Frauen richten ihre wehmütige Blicke zu den geahnten Barken irgendwohin zum Horizont. Aber nur bis zum Augenblick, wenn der Schiffleinbauer Toffolo (Alan Novotný) unter diesen viel Lärm mit Einkauf der gerösteten Kürbissen verursacht, welche er in der, mit der Vorherbestimmung von Mädchen und Jungen inkompatible Reihenfolge an andere aufteilt. Er beißt an, Herren, er beißt an!

Dann fangen auf dem Plätzchen bei der Lagune die Leidenschaften zu herrschen, die sich nur bei der Verfolgung der verliebten Telenovelle beruhigen. Ja, auf dem Kontrast der heutigen Massenbehexung durch Sendereihen baute Zdeněk Černín die Faszination durch die vielmehr vollblutige und verrückte Geschichte aus, in der die Leidenschaften realistisch und nicht melancholisch und verblödet entflammen.

Toffolo hält auf Nedvěd

Es ist nicht nötig zu sagen, wie die Familien vom Patron Toni, den Zdeněk Junák wie einen richtig eiteln Macher spielt (und manchmal, um die ursprüngliche Profession nicht zu verraten, stellt ihn auch Černín dar), und vom Patron Fortunato - Erik Pardus erntet für seine korsikanische sprachliche Auftritte Applaus bei offener Szene - in der Geschichte von zwei zerrütteten Geschlechter, zum Glück nicht aus Verona, enden werden. Jede junge Frau endet in den durch den Schicksal vorgegeben Armen. Der junge Richter Isidoro (Lukáš Hejlík), behördlicher Halbgott, lässt sich zusammen mit seiner Behörde in jeden Auftritt wirklich direkt aus dem Himmel nieder. Wie die unseren Bürokraten. Für die brillante Bewältigung des Streites nimmt er von dem mafianischen Fischhändler, Patron Vincenzo (Petr Štěpán oder Michal Nevěčný) seine erste Bestechung... Ich habe mir gesagt, dass es nach Lábus und Čtvrtníček ein schon moosiger Witz ist. Die Sammler von Bestechungen kehren doch - rein wie die duftenden Lilien - in den Fußball, und zwar nicht durch Kanäle sondern durch vergoldete Türe. Die Reaktionen der Zuschauer zeugen über ständige Zeitbezogenheit solches Geschehens im Korruptionsherzen von Europa.

Warum nicht, die Venediger sind sympathische Menschen. Auch der Fatzke Toffolo hält doch auf Juventus und trägt einen gestreiften Schwarzweißendress mit der Zehn von Nedvěd. Nennen wir es die Aktualisierung im Geiste einer wahnsinnigen Komödie, die Viel Lärm in Chiozza sicher ist. Und einige Gags, wie der athletische Aufsprung von Titto-Nane auf den Mülleimer, aus dem Frau Libera inzwischen den Deckel entfernte, sind bravourös.

In der Version von Černín funktioniert alles noch hoch zwei. Mit verrückten, temperamentvollen, nur manchmal ein bisschen zu lauten Leistungen von Irena Konvalinová (Pasqua), Tereza Šefrnová oder Lenka Janíková (Lucietta), Patrik Bořecký (Titto-Nane), Martin Havelka (Beppo), Jana Glocová (Frau Libera), Veronika Poláčková oder Marta Ondráčková (Orsetta) und anderen.

Elitäre Schauspielgesellschaft und ebenso elitäre Szene und Kostüme von Jan Dušek (wie in Dem Diener zweier Herren und in vielen weiteren gemeinsamen Arbeiten mit Zdeněk Černín), mit der aufdringlichen, einschmeichelnden Renaissancemusik von David Rotter...

Die hoch gestellte Latte, sehr hoch. Der Erfolg bei den Zuschauern ist garantiert. Wieder werde ich viele Quatschereien über die Kommerz lesen!

Viel Lärm in Chiozza

im 1. Dezember -1 zdroj Kult

Die genial geschriebene Komödie voll von Spaß und Humor, von Gehässigkeit, Streiten und Klatschgeschichten gefüllt, wird an die Zuschauer einen Blick in die Welt der rechtlichen, einfachen und gutherzigen Menschen anbieten. Die Inspiration zu dieser Volkskomödie nahm Carlo Goldoni aus seinem Aufenthalt unter den Fischern, Seemännern und ihren Frauen in der Nähe von seinem heimatlichen Venedig. Die Inszenatoren versprechen absurde, lächerliche, Vernunft sowie Sinnen provozierende Situationen, welche die Zwerchfelle der Zuschauer kitzeln werden.

Titel, die sie gut unterhalten werden

Peter Stoličný 1. Dezember -1

Zwei Uraufführungen im Stadttheater Brno

Die wirtschaftlichen Bedingungen eines nur teilweise von der Stadt dotierten Theaters sind nicht einfach. Das Theater kann den Weg der Erhöhung der Zahl der Wiederaufführungen von einzelnen Inszenierungen beschreiten, was den Betrieb billiger macht, aber gleichzeitig die Gefahr ausbildet, dass der Zuschauerraum nicht immer ausverkauft wird. Es kann aber auch einen anderen, mehr mutigen Weg beschreiten, immer neue und neue Inszenierungen vorbereiten, und so sich den immer ausverkauften Zuschauerraum sichern (sicher, wenn die Inszenierungen gut werden) und stets mit dem Budget kämpfen. Es ist interessant, dass im Stadttheater Brno der zweite Weg ausgewählt wurde, auch wenn hier in den vergangenen Jahren die Zuschauer sicher nicht fehlten. Ich erinnere mich nicht, dass es auf dem Plakat vor der Kasse bei einem von den Titeln der Schild AUSVERKAUFT manchmal fehlte. Warum produzieren sie also eine Vorstellung nach der anderen, wenn sie zurzeit im lebendigen Repertoire auf zwei Bühnen vierzig Titel haben? Es geht wirklich um ungewöhnliche und schockierende Nummer. Es sind wirklich lebendige, während der Saison realisierte Titel. Es kann dafür nur ein einziger Grund sein - es macht ihnen Spaß! Es macht ihnen Spaß, gutes Theater zu machen. Am Ende Oktober waren wir Zeugen von zwei Uraufführungen. Auf der Schauspielszene wurde Goldoni aufgeführt, auf der Musikszene das erste Musical von Lloyd Webber. Beide Inszenierungen waren lustig, mit reicher und bunter Ausstattung, zu beiden Inszenierungen kann man den Attribut: "Kasse Stück" beifügen. Aber immer schön der Reihe nach.

Carlo Goldoni (1707–1793) ist für das Theater immer ein denkbarer Autor. Dieser Stürmer und Neuerer der italienischen Dramatik wurde 33 Jahre nach Molieres Tod geboren. Er war Zeitgenosse von Voltaire und Rousseau, des Romantikers Carlo Gozzi und Enzyklopädist Diderot. Aber in dieser Zeit wurden auch viele Entdeckungen realisiert: Carl Schlee entdeckte Sauerstoff, James Watt Dampfmaschine und Montgolfieri fliegt mit einem Luftballon auf. Die Spanier kämpfen mit den Briten, die Russen mit der Türkei, kleine Kriege münden in einen sieben Jahre dauernden Krieg, bis endlich in Paris fällt Bastille und Napoleon besitzt einen Teil von Italien. Und in diesem politischen und militärischen Aufruhr des achtzehnten Jahrhunderts reformiert der Bühnenschaffende Goldoni, von ursprünglicher Profession Rechtsanwalt, die volkstümliche Commedia dell´arte und bringt die italienische Komödie aus der Straße auf die Barockbühnen der Stadtbuden sowie Palästen. Seine disziplinierten Stücke, in denen er die Improvisation mit genauen, aus dem Leben genommenen Dialogen ersetze, wurden zuerst mit Zurückhaltung angenommen. Eigentlich für das ganze Leben des Autors ist das Wechseln von großen Zuschauererfolgen mit Unverständnis charakterisiert. So wurde auch die Komödie Le baruffe Chiozzote (Streitigkeiten in Chiozza), wie dieses Werk ursprünglich bezeichnet wurde, angenommen. Es geht eigentlich um übliche Streitigkeiten, die wegen Kleinigkeitskrämerei (jemand kauft für jemanden gebackene Kürbisse und es ist Eifersucht daraus) entstehen und wegen deren die Familien der einfachen Fischer auch in große Streitigkeiten kommen. Verhältnisgleich zu der Kleinlichkeit der Konflikte steigen ihre Komik und ihre Gültigkeit während Jahrhunderte auf. Goldoni ist immer aktuell, wir lachen gern zusammen mit ihm über die Dummheit der anderen, weil wir die Zeuge von solchen Sachen jeden Tag sind. Der Regisseur Zdeněk Černín leugnet seine ursprüngliche Profession des Schauspielers in sich nicht. Die Brünner "Viel Lärm in Chiozza" ist ein hoheitliches Schauspieltheater, das mit italienischer Heißblütigkeit und schauspielerischen Bravour eingefüllt ist. Schnelles Tempo, Schlägereien auf der Bühne, oft mit Clownzügen, anschneidend spontane aber genau gemessene Reaktionen auf witzigen Dialogen. Das alles bildet wunderschöne hundertzehn Minuten ohne Pause aus, bei denen die wiederholten Angriffe an Zwerchfelle der Zuschauer einen unvorbereiteten Körper beinahe ganz erschöpfen. In der heutigen Welt treffen wir nämlich so ständiges Lachen nicht zu oft. Auf der Bühne des Stadttheaters Brno doch. Auf der abwechslungsreichen Szene, mit Kostümen von Jan Dušek und mit der Musik von David Rotter sind wir Zeugen solcher schauspielerischen Leistungen, die durch einen markanten Zug charakterisiert sind: den Schauspielern spielt man gut, sie haben an ihren Rollen Freude und sie wissen es übergeben. Es ist schwer zu sagen, wer der Beste ist. Patron von Zdeněk Junák, Beppo von Martin Havelka oder Fischer Fortunato von Erik Pardus? Dieser schaffte mittels Sprachfehler und Ausbleiben von Konsonanten wunderschön unverständliche Repliken und Verstümmelungen der Wörter.

Unterhaltung, nichts anders, nur Unterhaltung. Etwa so kann man diese Vorstellung bezeichnen. Vielleicht nur ein Wort ist dazu zu fügen: sehr gute Unterhaltung...

Joseph and the Amazing Technicolor Dremcoat (im Tschechischen Joseph und sein erstaunlicher buntfarbiger Mantel)

Gleich am Anfang ist ein kleines Missverständnis zu erwähnen. Der ursprüngliche Titel lautet Joseph and the Amazing Technicolor Dremcoat. "Dreamcoat" ist also nicht erstaunlicher, sondern traumhafter, erträumter Mantel. Und "technicolor" ist nicht buntfarbig. 1917 erfand Herbert T. Kalmus einen neuen Prozess der Produktion des Farbfilms und bezeichnete ihn Technicolor. Diese Technologie lebte sich wie der Termin für den Farbfilm ein. Wenn der Librettist Tom Rice das Wort "buntfarbig" verwenden wollte, würde er "Colourful" schreiben. Technicolor ist doch die Metapher, die die Pompöse, Äußerlichkeit, Kitschigkeit der amerikanischen Unterhaltungsindustrie andeuten soll.

Glücklicherweise fasste der Regisseur Moša den Joseph auf der Brünner Musikszene gerade auf diese Weise. Wie einen prächtigen, wunderschönen Kitsch. Mit alles was dazu gehört. Technicolorfarben, helle Hintergründe, auf den der Kinderchor projiziert wird, Animationen von Wüsten, Blüten, Palmen sowie Gräser. Expressive Schauspielkunst und wunderschön rein gesungene Arien und Chors, musikalische Tanzkunst, die dem Protagonisten des Stadttheaters Brno schon seit langer Zeit ein jeder beneiden kann. Das Libretto des ständigen Webbers Mitarbeiters Tim Rice wurde vom Michael Prostějovský nachgedichtet, der an jenes ursprüngliches konsequent hielt. Das erinnere ich deswegen, dass die Dramaturgie (jene in Brno wurde von der erfahrenen Pavlína Hoggard gemacht) meistens nach kleineren oder größeren Bearbeitungen des Originals greift. Die Rices Texte sind nicht besonders genial. Der Autor baut die Geschichte wie ein Leporello aus, es liegt ihm wenig an wirklichen Realien (Che Guevara im Musical Evita - das war der Gipfel der Verdrehung der Geschichte). er ist der Autor von unsinnigen Vorsätzlichkeiten und nicht dramatischen Einschüben. Wenn der geniale Webber nicht wäre, würde er nie auf dem Piedestal des musikalisch-dramatischen Ruhmes stehen. Die Musiknummer des ersten, ursprünglich studentischen Musicals Joseph and the Amazing Technicolor Dremcoat trägen die Züge eines indisziplinierten, bis rezessiven Zutritts. Von Benjamin Calypso bis zum Rock and Roll des Pharaos - das alles ist eine freche, jugendliche Brekzie.

Was also macht aus diesem Musikwerk ein erfolgreiches Musical? Es ist sicher die Musik und die Gesang- und Tanzanforderungen, die nur von den Vorbereiteten bewältigt werden können. Das Orchester in Brno wurde von Karel Cón a Igor Rusinko (diesen habe ich gesehen) dirigiert und es ist zu sagen, dass es auch bei ziemlich kleiner Instrumentalbesetzung eine bravouröse Interpretation war. Die Sänger aus Brno haben auch außergewöhnliche Bewegungsdispositionen, im Gegenteil die Tänzer singen, es sind einfach komplexe Musicalpersönlichkeiten. Auf der Vorstellung, die ich gesehen habe, strahlte über allen Stano Slovák (aus der schauspielerischen Familie der slowakischen Slovákovi) in der Rolle des Pharaos. Zum fehlerlosen Gesang fügte er noch komische Manieren eines Rockstars, wofür er sich einen langen Applaus der Zuschauer verdiente. Seine Partnerin Markétka Sedláčková in der Gestalt der Erzählerin bezauberte mit der Reinheit der Stimme, aber auf diese Weise könnte ich fortsetzen und alle Interpreten nennen. Was also macht aus der Brünner Inszenierung des "Josephs" eine so gute Inszenierung? Realisierung. Von der Szene von Ondřej Zicha und von den Kostümen von Andrea Kučerová, über die Filmanimationen von Černáková und Záhorová bis zur einfallsreichen Choreographie von Igor Barberič. Von der Regie von Stanislav Moša bis zu den Schauspiel-, Gesang- und Bewegungsleistungen von allen.

Es ist gelungen, einen wunderschönen Musicalkitsch zu schaffen. Einen wirklichen Technicolor. Aber so wardes ursprünglich auch gedacht. Und Kitsch, das ist keine Beschimpfung. Wenn sich die orangenfarbige Sonne über den ägyptischen Pyramiden neigt und im Vordergrund die Blätter der geneigten Palmen golden glänzen, ist es auch ein Kitsch. Aber wunderschön. Und so ist auch das Musical im Stadttheater Brno. Und das ist gut.

In der Lidická Straße bieten ein gelungenes Stück von Goldoni an

Vít Závodský 1. Dezember -1 zdroj Kam – Anlage

Neben den Lustspielen von Shakespeare, Moliere oder Gogol gehört zu den beliebtesten Weltklassikern auf unseren Bühnen der Italiener des 18. Jahrhunderts Carlo Goldoni. Der wie Autor produktive, aufgeklärte Reformator ersetzte schrittweise die weggehende improvisierte, typologische Commedia dell’arte durch die Charakterkomödie mit festem Text. In seiner Heimat setzte er sich gegen Ausfällen seiner Gegner nicht durch und ging in die dreißig Jahre dauernde Pariser Emigration weg. Nach sechs Jahren von dem bis jetzt wiederaufführten Diener zweier Herren (zusammen mit Feydaues Floh im Ohr gehört er hier zu den längst aufgeführten Stücken des Erholungsgenres) bat das Stadttheater Brno ein anderes Stück von Goldoni an – bekanntes Viel Lärm in Chiozza (Le baruffe Chiozzette – 1762), das mit dem bewährten Inszenierungsteam von dem (diesmal auch in einer Alternierung auftretenden) Regisseur Zdeněk Černín einstudiert wurde. Dieses dreiaktige Spiel ist in den tschechischen Ländern so populär (im Stadttheater Brno wurde es zum letzten Mal im Jahre 1984 von Rudolf Tesáček einstudiert), dass man nicht glauben will, dass es hier zum ersten Mal erst vor einem Halbjahrhundert erschien. Es handelt sich um eine sog. Chorkomödie aus dem Inselstädtchen Chiozza, in der Nähe von Venedig, Vaterstadt des Autors, wo kleinliche Liebes- und Eifersuchtstreitigkeiten des weiblichen und männlichen Elements in eine Schlägerei und folgendes Gerichtsfall wachsen, damit nach unterschiedlichsten Peripetien alles mit einem versöhnlichen Happy End endet. Der dortige Rechtsanwalt Goldoni zielte an eine realistische, auch mit Sprachelement unterstütze Darstellung der ihm gut bekannten plebejistischen Kommunität hin, gleichzeitig wehrte er sich nicht dem karikierenden Oberansichtabstand und in dem anscheinend nativistischen Werk verwand er die in Komposition raffinierten Vorgehen, sogar Modelvorgehen.

In der älteren Übersetzung von Jaroslav Pokorný machte der Regisseur zusammen mit dem belehrten Dramaturgen Ladislav Stýblo (diesem gehört der Dank für den wieder bildlich bearbeiteten Programmdruck) geeignete Änderungen, die den Text reduzieren und sprachlich gleichzeitiger machen. Die Ausstattung von Jan Dušek bringt uns statt auf die idyllische Meeresküste auf einen verunreinigten Peripherieplatz (auf dem die Gestalten ab und zu nacheinander alles werfen, was ihnen in Hand gelangt) mit Kunststoffstühlen, moosigen Wänden der Wohnungen und mit Silhouetten der Industrieschornsteine auf dem Horizont; die Zeitkostüme mit Perücken werden z. B. durch lockere Negligee, Fußballdress oder Modeatributte der heutigen Teenager ersetzt. In diesem ziemlich kurzen, eineinhalb Stunde dauernden Nonstopabend setzt Z. Černín mit Gefühl für das die Bedeutung tragende Detail auf die durchgedachte dynamisierende Erläuterung der einzelnen graduierten Situationen. Zum Glück fehlt in diesen Szenen, außerhalb der ab und zu expressiven Repliken, das Gageinfallsreichtum mit zeitweiliger Etüdebereicherung der einzelnen Spiele (temperamentvolle Schlägerei, Verwendung von Blechmülleimern, erotische Begrüßung von Fischern, Telefonieren der nebeneinander stehenden Personen, Herausziehen des bestochenen Richters in „herrschaftliche“ Anhöhen, Faszination durch verdummende Telenovellen, usw.), Gesamtdrive und unverfälschter Interpretationsappetit nicht, was noch durch die Aufnahme der balkanischen Musik a lá „Kosturica“ von David Rotter unterstrichen ist. Z. Černín wird mit Recht als der Schauspielerregisseur bezeichnet und dieses Attribut ist – im Gegenteil zu Havelkas „One Man Show“ im Diener zweier Herren – bevorzugt, was die Möglichkeit der Verwertung (ihre Gelegenheit in Alternationen bekamen auch anmutige, junge Schauspielerinnen) und auch das allgemein abgestimmte, ausreichend ausgewogene Kollektivzusammenspiel betrifft.

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