Geschichte des Stadttheaters Brno

Tendenzen, ein anders Schauspielhaus in Brno zu gründen, die gab es bereits in der Zeit der sogenannten ersten Republik. Jedoch erst nach dem Krieg, gleich am Ende Mai 1945, gelang es der Gruppe junger Theaterschaffenden unter Führung des fünfundzwanzig Jahre alten Regisseurs Milan Pásek die Lizenz fürs Betreiben des zweiten Schauspielhauses zu gewinnen. Das Theaterensemble war unter dem Namen Freies Theater in der Falkensteinstraße (heutige Gorkého Straße) tätig und in der Probezeit wurden Erstaufführungen von 5 neuen Spielen einstudiert. Nach der Zahl der Wiederaufführungen wurden die damalige tschechische Neuheit Manon Lescaut von V. Nezval und Der Fuchs Pseudolus von Plautus am erfolgreichsten. Während der vier Jahre (bis Saisonende 1948/1949) hatte das Theater dank des jugendlichen Elanes und Begeisterung der Theaterschaffenden auf seinem Konto 71 Erstaufführungen und über ein tausend Reprisen. Ein großes Interesse an der zweiten Theaterszene in Brno wurde auch durch das kulturelle Fasten nach dem zweiten Weltkrieg verursacht.

In der Geschichte des Theaters wechselten viele künstlerische Schöpfer. Wir wollen wenigstens die wichtigsten nennen, wie es Prof. Rudolf Walter, Dr. Libor Pleva, Antonín Kurš, Jan Fišer waren, Milan Pásek – der gründende Regisseur und Direktor, folgend dann seit den sechziger Jahren bis Ende der achtziger Direktor, und letztendlich Stanislav Moša, der gegenwärtige Direktor und künstlerischer Chef des Schauspielhauses, unter dessen Leitung der künstlerische Kurs des Theaters grundsätzlich geändert wurde. Es war im Jahre 1992, wann Stanislav Moša zum Direktor genannt wurde und damit begann die Ära der großen Veränderungen. Zuerst war es notwendig, die ökonomische Stabilität zu sichern und Personalprobleme des überwuchernden Büroapparates zu lösen. Zugleich wurde zum Umbau des nicht besonders entsprechenden Raumes des ehemaligen Kinos in einen modernen funktionsfähigen Saal geschritten. Es war gelungen und im Herbst des Jahres 1995 wurde ein neu rekonstruierter Saal nach dem Entwurf des Architekten Miroslav Melena geöffnet, der die Anforderungen auf anspruchsvollere Produktionen des musikdramatischen Genres erfüllte. Die wachsende Beliebtheit des Theaters bei den Zuschauern wurde durch die von der Theaterleitung hergestellte Orientierung gegeben. Zu dem wichtigsten Flaggschiff wurde das Musiktheater in der Kombination mit modern bearbeiteten klassischen Titeln. Ein wichtiger Impuls war auch die Eröffnung des Faches Musicalschauspielerei an der Brünner Janáček Akademie der musischen Künste. Die hiesigen Absolventen wurden die ersten Schwalben in dem sich neu entwickelnden Genre, für den eine Eintracht von drei Talenten notwendig ist, und zwar Schauspieler-, Sänger- und Bewegungstalent. Obwohl das Ensemble der Stadttheaters Brno damals in zwei selbständige Ensembles geteilt wurde – Schauspiel und Musical, bedeutete es nichts anderes, als bloße administrative Teilung. Man konnte die Musicalschauspieler auch in den Schauspielrollen sehen und umgekehrt. Die Flexibilität und Vielfalt waren die Hauptmerkmale dieser Jahre. Dem Theater gelang es, die Zusammenarbeit mit den ausländischen Agenturen anzuknüpfen und es war fähig, anspruchsvolle Anforderungen für das Gewinnen von Autorenlizenzen zu erfüllen, und so begann man in einem kleinen Theater in der Lidická Straße weltbekannte Titel aufzuführen.

Nach dem Interesse der Zuschauer an dem Geschehen in der Lidická Straße konnte man vorahnen, dass der gegenwärtige Raum für etwa 370 Zuschauer beginnt unzulänglich zu sein. Auch die technischen Anforderungen an neue Musicals wurden größer und seit dem Anfang seiner Intendanz bemühte sich Stanislav Moša um Bildung der zweiten Bühne, die dem modernen Trend entsprechen konnte. Es gelang ihm fast Unmögliches, in der Zusammenarbeit mit dem Kulturministerium der Tschechischen Republik und des Magistrates der Stadt Brno wurde in dem hinteren Trakt des bestehenden Theaters ein moderner Saal fürs Aufführen von zeitgenössischen Musikwerke gebaut. Die Grundsteine wurden am 17. November 2001 gelegt, und zwar kamen diese aus den kennzeichnenden Orten. Der erste Stein kommt aus Dolní Věstonice, einer Ortschaft der wertvollen paläontologischen Funde. Diese Ortschaft wurde von dem Archäologen Karel Absolon Mährisches Pompei genannt. Dieser Stein soll das Bemühen der neuen Bühne symbolisieren, die schöpferische Plattform den gegenwärtigen Autoren zu bieten, die die Grundgarantie eines tatsächlich lebenden Theaters sind. Der zweite Stein wurde aus Mekka des Musicals, aus Broadway gebracht, von keinem anderen als von Miloš Forman, der unserem Theater als dem einzigen Theater in der Welt die Rechte für die einmalige erste Darbietung des Musicals HAIR gleichzeitig erteilte, gespielt bei uns also in der Darbietung nach seinem Filmdrehbuch. Dann wuchs das Gebäude nach Plänen der Architekten Roman Mach und Jozef Kubín den Brünnern vor den Augen. Die Bestätigung ihrer erfolgreich durchgeführten Arbeit wurden unter anderem auch die Würdigungen, die das Gebäude gewann: 1. Stelle im Wettbewerb um das beste Bauvorhaben in dem Südmährischen Bezirk, Bau des Jahres 2004, Ehrenwürdigung im Wettbewerb um die beste Investition des Jahres TOP INVEST. Die Musikszene des Stadttheaters Brno wurde am 1. Oktober 2004 mit der feierlichen Erstaufführung des Musicals Hair eröffnet.

Seit der feierlichen Eröffnung verliefen also bereits 10 Jahre und die Musikszene hat gesamt 48 Titel hinter sich, zu denen solche Prachtstücke des Weltschaffens gehören wie Les Misérables, Evita, Jesus Christ Superstar, Fame, Cats, Chicago, Frühlingserwachen, Hexen von Eastwick, Jekyll und Hyde, Mary Poppins und viele andere. Seit dem Anfang gehörte jedoch zu den Hauptabsichten der Ausnutzung dieses Saals auch die Aufführung der gegenwärtigen tschechischen Titel. Für die Musikszene entstanden auf diese Art und Weise ganz neue Werke wie Nana, Markéta Lazarová, Odysseia, Balade von der Liebe, Der Rote und Schwarze, Divá Bára, Purgatorium oder am neusten Don Juan.

Auf der Bühne der Musikszene wechselten auch die traditionellen und durch das Zuschauerinteresse überprüften Werke: Operetten Lustige Witwe, Fledermaus, Orfeus aus der Unterwelt, Mam´zelle Nitouche;, ausländische Musicals aus anderen europäischen Ländern – Päpstin, Mozart, Zorro oder Jánošík oder Aufs Glas gemalt. Den interessanten Erfolg notierten auch die Titel des traditionellen Schauspieles, die auf der riesengroßen Bühne inszeniert wurden.

Zuerst war es Shakespeares Sturm, gefolgt vom düsteren Namen der Rose, bis in der vorigen Saison ein weiterer Schauspieltitel dazu kam. Wieder einmal Shakespeares Kaufmann von Venedig. Musikszene bot eine interessante szenische Lösung bei allen diesen Titeln und ihre Monumentalität half zu einem außergewöhnlichen Zuschauererlebnis dieser Theaterstücke.

Für die Musikszene bereiteten ihre Werke Künstler der berühmten Namen vor. Wir erwähnen einige: Hana a Petr Ulrychovi, Zdenek Merta, Jiří Žáček, Pavel Fieber, Miloš Štědroň, Milan Uhde, Zbyněk Srba, Šimon Caban, Vašo Patejdl, Eduard Krečmar, Juraj Deák, Christoph Weyers, Igor Barberić, Juraj Nvota und viele andere.

Zum zehnten Jahrestag gab das Theater eine umfangreiche Publikation benannt 10 Jahre der Musikszene des Stadttheaters Brno heraus, die die vergangene Periode festhält. Sie fand ihren Platz neben den traditionellen Almanachen, die das Stadttheater Brno den Lesern als Erinnerung an die vergangene Saison bringt und die ein Rückblick auf die Arbeit von vielen Menschen sind.

Seit Anfang der neunziger Jahre begann das Theater auch in die europäischen Länder auszureisen. Zuerst war es eine lange Gastspielreise mit der Vorstellungen West Side Story in Deutschland und Österreich. Es folgten andere Titel und Länder. Der Ruhm des Stadttheaters Brno verbreitete sich in alle Ecken Europas. Das Theater kooperiert regelmäßig mit den Theatern in Ingolstadt, Wiltz und mit vielen anderen. In den letzten zehn Jahren, wann das Theater dank der technischen Möglichkeiten der Musikszene und vor allem des hohen Interpretationsniveaus seiner Schauspieler nach anspruchsvollen Titeln greifen konnte, erhöhte sich rapide auch die Zahl der ausländischen Gastauftritte. Das Theater trat in Belgien, Dänemark, Frankreich, Kroatien, Niederlanden, Luxemburg, Deutschland, Italien, Spanien und in der Schweiz auf. Die meisten Vorstellungen in einem Jahr (2005) fanden in Deutschland und in Dänemark mit der Inszenierung Josef und sein wunderbarer bunter Mantel (104 Reprisen) statt, dann in den Niederlanden, Belgien und Portugal (2004) mit der Vorstellung Musicals von Broadway (68 Reprisen), sowie in Deutschland (2006) mit dem Musical Hair (53 Reprisen). Zusammengezählt und unterstrichen, während zehn Jahre spielte das Theater im Ausland 845mal. Im Jahre 2013 realisierte man in Deutschland die Inszenierung Die Schöne und das Biest (10 Reprisen) und in der Slowakei Les Misérables (14 Reprisen). Es ist notwendig zu erwähnen, dass diese Titel meistens völlig oder teilweise in Englisch, Französisch, Deutsch oder Spanisch einstudiert werden. Das Stadttheater Brno wird bereits seit Langem auch zu dem internationalen Musikfestival ins luxemburgische Wiltz oder ins österreichische Gars am Kamp eingeladen.

Das Stadttheater Brno breitete seine Aktivitäten auch um weitere Wirkungsstätte aus, und zwar um die Sommerszene – Bischöflichen Hof. Dieser magische Raum, der sich im historischen Zentrum der Stadt Brno zwischen dem Krautmarkt und dem Kapuziner Platz befindet, bereicherte auf diese Weise das Brünner kulturelle Sommerangebot um einzigartige Erlebnisse der open-air Vorstellungen.

In den vergangenen Jahren entstanden gerade für den Raum des Bischöflichen Hofes zwei ganz neue Inszenierungen – aufwändige Legende mit Gesang Baron Trenck (das spannende und abenteuerliche leben des Trenck harmonisiert durch seine romantisierende Geste gut mit dem Raum des Bischöflichen Hofes und nutzt so den mehrmaligen Zusammenhang des Trencks Schicksals mit Brno aus, wo das Leben des berühmten Barons beendet wurde) sowie das Balettdrama Kyrill und Method, aufgeführt im Rahmen der Feierlichkeiten zum Anlass des 1150. Jahrestages der Ankunft der Missionare in Mähren. Das Autorentrio Stanislav Slovák – Jan Šotkovský – Petr Štěpán konzentriert sich zurzeit auf weitere Inszenierung, die wir im Sommer 2015 aufführen und die diesmal der Person Georg Mendels gewidmet wird, dem Gründer der Genetik. Der Name wird Mendel oder Aufstand der Erbsen heißen und die Erstaufführung wird der Eröffnung des neuen Wissenschaftszentrums „Mendelianum – attraktive Welt der Genetik“ gewidmet, das gerade im Bischöflichen Hof des Mährischen Landesmuseum sein untergebracht wird, in den Räumlichkeiten, wo J.G. Mendel geforscht und gearbeitet hatte. Um eine Erstaufführung wurden die Zuschauer nicht einmal in Sommer 2014 gekürzt, das Stadttheater brachte nach Brno und verzierte sein reiches Repertoire mit dem Kleinod der tschechischen Musicals – am 22. Juni stellte das Theater den Zuschauern die legendäre Nacht in Karlstein vor, und zwar unter Regie von Igor Ondříček, in den Hauptrollen mit Hana Holišová und Jaroslav Matějka.

Neben der Aufführung der Inszenierungen widmet sich das Stadttheater Brno auch einer reichen Editionstätigkeit. Es wird jedes Jahr der Almanach des Stadttheaters Brno herausgegeben, in dem man auf die vergangene Saison zurückblickt, es werden umfangreiche Programme zu jeder Inszenierung, ein Theaterkalender mit Fotos aus der Vorstellungen sowie auch CDs mit den Musicalliedern herausgegeben.

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