Was ihr wollt

Was ihr wollt

  • Genre
  • Bühne Schauspielbühne
  • Premiere13. Dezember 2008
  • Vorstellungsdauer3:10 hod.
  • Anzahl der Wiederaufführungen33
  • Derniére31. Mai 2010

berühmte Komödie über Liebe, Liebesschwärmerei und Lob der Narrheit

Es handelt sich um eine der größten Shakespeares Komödien, voll von der Liebe, Verkleidungen, überraschenden Auflösungen sowie der ganz besonderen Poetik. Sie wird auch als die Komödie der feierlichen Lustbarkeit oder Komödie des Faschings bezeichnet. Wahnsinnige feierliche und verkehrte Welt. Sämtliches Phantasieren dreht sich natürlich um die Liebe. Aus so vielen Trugbildern lebt die Liebe, dass sie selbst ihr eigenes Trugbild wird.

Ein Schiffsunglück trennt die Zwillinge Viola und Sebastian. Die als Knabe verkleidete Viola, die sich jetzt Cesario nennt, tritt als Page in die Dienste des Herzogs Orsino, Herrscher über Illyrien, und verliebt sich in ihn. Er liebt doch die reiche und wunderschöne Gräfin Olivia, sendet zu ihr als einen Liebesboten Cesario und Olivia entbrennt in Liebe zu diesem jungen Vermittler. Die Handlung wird noch verwickelter, wenn Sebastian an der Szene erscheint und Olivia, die ihn für Cesario hält, mit ihm eine Geheimehe schließt. Die romantische Geschichte durchflechtet sich mit komischen Auftritten, deren Protagonisten Tobias Rülps, Olivias Onkel, sein Kumpan Andreas Bleichenwang und Olivias Zofe Mary sind. Diese drei beschließen sich einen Streich für den puritanischen Malvolio, Verwalter der Herrschaft von Olivia, zu spielen: mit einem gefälschten Brief überzeugen sie ihn, dass ihn die anmutige Gräfin liebt... Einfach gesagt: ausgelassene feierliche Komödie behandelt unterschiedliche Formen der Liebe, ist voll von Verkleidungen, Duellen und Humor. Es wäre doch nicht einer der größten Dramatikern, wenn er die Karnevalausgelassenheit mit einem Traum über vergängliche Jugend, Verzweiflung der Abgelehnten, über nasses Unwetter nicht relativisiert würde. Was ihr wollt bringt also jedem etwas; es hängt nur von uns ab, ob wir das menschlichen Gewimmel mit rosigen Brillen oder mit verqualmtem Glas sehen wollen.

Autor

  • William Shakespeare

Regie

  • Roman Polák

Regieassistent

Übersetzung

  • Jiří Josek

Kostüme

  • Karola Cermak - Šimáková

Dramaturg

Bühne

  • Pavel Borák

Musik

Bewegungszusammenarbeit

  • Ivana Dukić

Fachzusammenarbeit

  • Zoja Mikotová

Pan Tobiáš

Pan André

Marie

Malvolio

Antonio

Kapitán, Fabian

Valentin

Strážník, Kněz a ministrant, Sluha, Námořník

Dirigent

Spolek bláznů

Feste, šašek

Was ihr wollt in Brno wie eine reinrassige Dogge aus ausgezeichneten Satz

David Fadinger 9. Juni 2009 zdroj Literarische Zeitung

Diese Spätkomödie des geriebenen Dramatikers ist ein zaumloses Faschingsschelmenstück, wahnsinnig grotesk und bissig, sondern auch bitterlich durch seine Verrenkung in die Tragik. Seine Inszenierung im Stadttheater Brno stellt eine der weiteren progressiven Darlegungen dar, die versuchen, die Interpretierung vorzuschieben und auch solchen Zuschauer anzusprechen, der - durch unendliche Varietäten ermüdet - alles mit gewissem Maß der Zurückhaltung annimmt.
Der englische Untertitel (oder Was ihr wollt) gibt allen Recht, die eine Zusammensetzung von vielen, aus den früheren Werken des Autors bekannten Gestalten und Verwicklungen im Text lokalisierten. Die Substanz der Inszenierung Was ihr wollt sind ganz offensichtlich die obligaten Komponente derzeitigen Komödientheaters, die bewahrten Bühnentricks sowie die populären Schemen. Und so legt sie eine kompakte Komposition von Konflikten (natürlich vor allem Liebeskonflikten) vor. Die parallelen Spannungen unter den Gestalten führen zum Ausgang der verschlungenen Situationen, komischen sowie tragischen. Sie macht durch Verkleidungen (Frauen in Männern), durch das Motiv der Verwechslung der nichterkennbaren Zwillinge unsicher und die entstandene Form, für die dramatischen Situationen von Shakespeare typisch, ist ein Stück im Stück.
Poesie mit simultaner Gestik
Die Sprache dieses hoheitlichen Dichters, mit der er weiß Lachen sowie Tragik, Niederträchtigkeit sowie Herrlichkeit, Grausamkeit sowie Menschlichkeit, Dunkel sowie Helligkeit in allen dramatischen Umständen auszudrücken, scheint mit jeder weiterer Übersetzung die reinigende Revision zu erreichen. Reinigend unter einer Ablagerung der Poetik hervor, falls die Form der Umdichtung wie eine empfängliche Manipulation mit der Vorlage angenommen sein kann. Oder im Gegenteil so viel poetisierend, dass sie die Spannung und Dringlichkeit vermisst. Die Übersetzung von Jiří Josek, dem seine langjährige Arbeit an kritische Herausgabe Shakespeares Dramen die Anerkennung der Übersetzungsgemeinde brachte, moralisiert - Hand in Hand mit Regieeingriffen - jene in Humor losgelassene Leichtigkeit, bedrückende Tiefe der Tragik und ursprünglich transparente Ironie. Die erudierte und aus Übersetzungssicht gewertete Übertragung sichert die dramatische Funktionsfähigkeit oder den Genuss des Auditoriums noch nicht.
Der in Brno schon etablierte slowakische Regisseur Roman Polák nimmt sich der Übersetzung mit der Übertragung der Wortfunktion auf populärere Gesten, Gags und Aktionen an. Es stört nicht, dass die Schauspieler ihren Repliken nicht ganz nachkommen. Aus der Bühne ist unter den alltäglichen Oralitäten der modernen Übersetzung (s. Titel des Artikels) oder unter den dekadenten Ausdrücken der Laszivität, Betrunkenheit, Defäkation (anständig realistisch) die durch Vers resonierende Sprache nur selten zu hören und das Publikum belohnt dann den Vortrag: mit Lachen - wegen seinem Schwatz. Wenn die Poesie mit der Gestik simultan ist, die Reaktionen lassen bald bemerken, wo der Schwerpunkt der Zuschaueraufmerksamkeit liegt.
Die Zeitkostüme (auch wenn nur teilweise) von Karola Cermak-Šimáková machen die Bedeutung ein bisschen besonders, und zwar durch die Dynamik der Veränderungen sowie durch die Korrelation mit der Zivillage von Nebengestalten/zugeschriebenen Gestalten/Akteuren und durch die klare Symbolik der Faschingsmasken. In Illyrien, die der Bühnenbildner als die natürlichen Wellen zu realisieren ließ - diese fallen aus dem verkleinerten Hinterportalrahmen (für einige Zeit auch die Laterna Magika zusammenschließend), der die Meereswellen sowie Sanddünen kennzeichnet. Der aufdringlich entfremdende Eindruck der Analogie mit dem Skateboardingterrain wird durch die Zivilakrobaten mit Board unter den einzelnen Akten bestätigt; die sich in der Ecke drängenden Hauptgestalten der Geschichte blicken dazu nur überrascht hinab, mit ratloser Sicht in die Gegenwart, die voll von Ungleichheiten ist und der reichen Variation der Stürzen und Stolpern Gelegenheit gibt. Auf den Wellen rutschen sie also ungeschickt in Schwierigkeiten oder krabbeln aus diesen zurück zum Gipfel.
Die meist beobachtete Gestalt ist der Narr Feste in der Darbietung von Erik Pardus, der die Erwartung Shakespeares Weisheit und des hoheitlichen Humors erweckt. Er ist ein ausgedienter Narr, doch immer noch parat, denn er voll von Humor wie auch von Lebensbitterkeit und Ermüdung aus seiner eigenen mechanischen Tätigkeit voll ist. Wollen wir doch nicht, dass er in der heutigen Zeit mit Latein jongliert. Wie der plump sterile Verwalter Malvolio in der Darbietung von Viktor Skála erklärt: das Alter, von dem die Weisen quält werden, kann den Narren nur gut tun. Der trauervolle Feste unterhaltet nur seine eigenen Abonnenten, und wenn er eine Weisheit für einen Gulden zugibt, ist es auch die Weise, wie man die Trauer bestechen kann. 
Ungesteuerte Einfachheit der Unterhaltung
Der alte Komiker erweckt so größeres Mitleiden als der tragische Malvolio, an dem sich die anderen im Laufe der Zeit schadlos halten. Trotzdem ist Malvolio die meist komische Gestalt, im Kreuzfeuer von Intrigen und Verspottungen seitens der anderen, die ihre absichtlichen Aktionen am Ende in einen Kollektivbetrug verbinden.
Falls Shakespeare die Komik zu spielen ließ, die er mit der Wirkung der Tragik auf diese komische Gestalt krönt, wird die Tragikomik auf der Bühne in einer schon vom Anfang der Inszenierung geführten Linie entwickelt: Allwissenheit eines Zwillings, der den ganzen Hintergrund der Beziehungen - vielleicht nur außerhalb des Betrugs an Malvolio - durchblickt und das tragische Vorbeigehen von mehreren gleichzeitigen Liebesentbrennungen für den Zuschauer entdeckt.   
Die bittere Realität kehrt durch das Leitmotiv in der Groteskhandlung, durch die Bemühung der Gestalten die Schwere der Situation zu erleichtern zurück. Diese Tragik wird dann mit jeder weiterer vergeblicher Liebe vermehrt und mündet sie in einem Happyend aus: durch den Austausch der Geschwister wird (beinahe) alles gelöst. In einem Moment wird der Zuschauer durch eine Folge von Auftritten über die Ablehnung, die Liebe zu erwidern, scharf gesprengt. Auch deswegen antizipiert der Ausgang mit dem Zusammentreffen der Zwillinge, die in Doppelrollen figurieren und am Ende Auge in Auge gegeneinander stehen müssen, die Verlegenheit bezüglich seiner Bedeutung. Der auf die Linie der Liebesverwicklungen gelegte Nachdruck schiebt nämlich den Schmerz der getrennten Zwillinge auf den Rand der Zuschaueraufmerksamkeit; dieser erwartet die Katharsis aus ihrem Wiedertreffen gar nicht, mit Vorahnung, dass dieses durch einen Schauspieler nicht dargestellt sein kann. 
Darüber hinaus ist die Wirkung der Tragik - durch die Rache an Malvolio dargestellt - durch den unklaren Schlussauftritt einer Gruppe der in ungleichartigen Trachten gekleideten Volkskünstler unterdrückt.
Shakespeare setzte diese Komödie über die Liebe, die oft die unlogischen Wege verfolgt, in eine fiktive Umgebung, er füllte sie doch mit realen, von Eindeutigkeit freien Gestalten voll. Und wie schon mehrmals bewies er, den Zuschauer über den Durchschnitt alltäglicher Unterhaltung zu erheben, und zwar durch die Verbindung der hohen Poesie und der ausgelassenen Heiterkeit - im Gegenteil dazu steigen die Schauspieler in Brno in den in zugängliche Bedeutung abgeflachten Gestalten zum Durchschnittszuschauer herunter.
Im Bogen, der die Interpretierungsklischee, postmoderne Spielereien sowie intellektuelle Experimente vergeht, geben die Inszenatoren einen der größten Klassikern den Massen zurück, die ihn schon das vierte Jahrhundert entdecken. 
Nicht lange nach dem Anfang der Inszenierung Was ihr wollt versucht der durch die Regie hinzufügte Dirigent die Inszenierung unter der Leitung erfolglos zu halten. Resigniert bricht er seinen Stab und die ungesteuerte Einfachheit kann sich der Unterhaltung annehmen.

Karneval-Shakespeare auf einer Skateboardrampe

Vít Závodský 2. Februar 2009 zdroj Kam - Anlage Nr. 2

            Ohne Hinsicht auf reiche kultur-historische Zusammenhänge des Texts, die in dem sofistiziert ausführlichen Programmdruck wieder opulent erklärt sind, ging Roman Polák von einfacher liberaler Prämisse aus, dass in einem wahnsinnigen Stück auf der Bühne fast alles möglich ist und also ist es nicht nötig, unter so vielen bunten Einfällen für viele angewendete Mittel eine rationelle Begründung zu suchen. Er schob die Ebene der windschiefen romantischen Gefühle - vom egoistischen, launischen Herzog Orsino (Petr Gazdík), von der der Leidenschaft verfallenen pomphaften Olivia (Pavla Vitázková) sowie von der natürlich auftretenden energischen Viola und gleichzeitig ihrem Zwillinge Sebastian (bei der ersten Premiere (Hana Kováříková) repräsentiert, auf und hob dagegen die possenhaften Momente hervor. Die halsbrecherische, schiefe Bühne mit Leuchten, Kissen und Leinwand auf dem Horizont, auf der alle Akteure stolpern und auch eingeübt sowie absichtslos bis zum Überdruss rutschen und fallen und auch die heutigen Skateboarder toben, sichert zwar automatisch die Aktionsdynamik, sondern sie leitet auch die Aufmerksamkeit des Zuschauers ganz unwillkürlich von den Wortspielen der tiefsinnigen Vers- sowie Prosaübersetzung zu den Sorgen um die Gesundheit der Schauspieler ab. Die begründbare "Karnevallage" (eher als Staffage als notwendiger direkter Bestandteil der Handlung ist während des ganzen dreistündigen Abend ein Chor der maskierten Narren anwesend, der manchmal die Welt von Fellini oder eine bizarre Travesty Show evoziert) oder der weniger lesbare "Mix" der Renaissancekostüme und gegenwärtigen Kostüm bilden den Hintergrund der Kreationen aus (die meist gemessene scheinen der Clown von Erik Pardus und das Kammermädchen in der Darbietung von Irena Konvalinová zu sein), die auch von den erfahrenen Interpreten (Jan Mazák, Viktor Skála, Martin Havelka) in ein unterwürfiges Kasperlüberspielen getrieben werden, das dann in Auftritten von zwei Dienern und Polizisten kulminieren.
            Kurz und gut, Was ihr wollt im Stadttheater Brno hat die Form eines ausgelassenen Stücks - übrigens, nicht zufällig wurde es am Silvester gespielt.

Was ihr wollt oder Dreikönigabend

Peter Stoličný 2. Februar 2009 zdroj www.divadlo.sk

            Eine der besten Komödien von William Shakespeare in Spielplan zu setzen, das ist für ein Theater mit hochwertigem schauspielerischem Hinterland fast immer eine "Sicherheit". Aber nicht immer wissen die Schauspieler, sich mit dem klassischen Text auseinanderzusetzen. Niemand hat Lust (vielleicht zu seinem eigenen Schaden), mit der Klassik "klassisch" zu spielen. Also die Texte im Blankvers in realistischen Kulissen, in realistischen Kostümen (in diesem Fall Antik) zu deklamieren. Jede neue Inszenierung versucht also eine neue oder innovative Ansicht zu finden.
            In Brno wurde diese Klassik laut der Übersetzung von Roman Polák inszeniert. (Nebenbei, wenn ich in der Suchmaschine Google die letzten Inszenierungen von Polák sehen wollte, fand ich dort hunderte Seiten über einem NHL Hockeyspieler mit Herkunft in Ostrava, einige zehn Seiten über die mährische Weinfirma Polák s.r.o., aber der Regisseur Polák versteckte sich nur unter einigen alten Informationen erst sehr hinten. Wer weiß, warum...). Aber zurück zu der Inszenierung.  
            Die Gesamtauffassung der Komödie hatte etwas mit den New Age Ideen gemein oder mindestens nah. Mindestens die optimistische bis groteske Musik zielte dorthin ab und der expressive Tanz, oder genauer gesagt, die Bewegungsclowniade in Misanszenen auch. Und wenn wir New Age als eine der postmoderne Auffassung der Welt nahe stehende Bewegung verstehen (alles, was existiert, ist verwandt, auch wir sind ein organischer Bestandteil des Ganzen und können die Welt nicht aus dem Außen sehen), dann wage ich mich - von Modischem, Unmodischem abgesehen - diese Inszenierung als postmoderne zu bezeichnen. In vielen Situationen erinnerte mich die Bühne an "Ich" von Jung, in ein gewisses überpersönliches Wissen und Denken versunken. Schon die Erzählung der mythischen Geschichte, die Fatalität aus der lustigeren Perspektive gesehen, die Sehnsucht und Wünsche, Pluralität der Ansichten sowie die komische Übertreibung, das alles trägt in die Komödie der Elisabethzeit die postmodernen Elemente ein. Ich denke doch, dass es an Shakespeare gefallen würde. Er war ein Liebhaber der witzigen Abkürzungen, und diese sind in der Inszenierung überall zu sehen.
            Ich muss noch den glücklichen Inszenierungseinfall - die Bühne vertikal zu teilen (Szene von Pavel Borák) erwähnen. Auf der Bühne befand sich im Hintergrund - im "Guckfensterraum" - der Filmhintergrund (Meereswellen), im Vordergrund neigten sich bis zum Portal die aus Holz geschickt hergestellten Sandwehen, auf denen sich in kleinen Pausen zwei geschickten Skateboarder produzierten. (Ein potmodernes Element, wie man gehört). Man spielte oben, bei der Filmleinwand, bei dem Seegang, man spielte nach unten, zu dem Portal, wohin man am besten sitzend auf dem Gesäß geraten konnte - oder auch mit komischem Hinunterlaufen, bei dem ein Fall drohte (und man fiel zweckentsprechend und oft). In diesem Zusammenhang erinnerte ich mich an zwei ganz andere Inszenierungen mit horizontaler Teilung. Auf Glas gemalt von Zachar im Slowakischen Nationaltheater, wo  Jánošík in der Darbietung von Dočolomanský aus der oberen Rampe auf gespannter Leinwand zu dem Portal wunderschön rutschte, und dann an eine ganz andere Inszenierung, Roman über Liebe und Tod von Rolland, die im Prager Kammertheater irgendwann von Alfréd Radok aufgeführt wurde. In den oberen Galerien wütete die Revolution und unten auf der Bühne spielte das Drama der Liebe. Jenes "oben" und "unten" bildet in der Inszenierung immer eine neue Dimension der Spannung aus und es ist ganz egal, ob es sich um tragische oder komische Spannung handelt. Einfach gesagt, es ist ein dankbares Element der Dramatik und ich wundere mich eigentlich, dass dieser Trick von den Regisseuren so wenig ausgenutzt wird.
            Roman Polák nutzte die horizontale Teilung der Misanszene aus und arbeitete präzis mit Ausdruckselementen unterschiedlichster Clownspiele, mit bizarren bis traumhaften Auftritten der Komparserie - im Bulletin Narrenverein genannt (wieder drängt sich in den Text das Wort Postmoderne), anderseits verlieh er genug Raum den erfahrenen Schauspielern, damit diese ihre Clownspiele spielen können (Havelka, Pardus und Junák als Tobias, Spaßmacher und Kapitän - drei wunderschöne Gestalten, oder Viktor Skála als zerrissener Malvolio). Diese expressiven Gestalten beschatteten ganz natürlich Orsino von Gazdík, oder Olivia in der Darbietung von Vitázková. Auch wenn ihre Schauspielkunst gut war, haben solche ernsthafte dramatische Gestalten in der Konkurrenz "des losen Spaßes" keine Chance, sich durchzusetzen. Das Stück ist einfach so. Alle Aufmerksamkeit wird zu der Komik gerichtet.
            Das Narrenverein sowie zwei Jungen aus der Gegenwart, die auf der gewellten Szene ihre artistische Kunst auf Skateboard zeigten, bildeten eine ausgezeichnete Kulisse dieser belustigenden Dreikönigskomödie aus. Nur nach dem langen Applaus, wann die Zuschauer schon weggingen, vernahm ich die Frage: Warum Dreikönigsabend, wenn dort nur zwei Hochzeiten waren? Wirklich. Ich erinnere mich nicht mehr an den ursprünglichen Text, aber aus dem Abschluss verlier sich eine Hochzeit. Sie fand nämlich um ein Bild früher, vor dem Abschluss (auch bei Shakespeare) statt. Deshalb finde ich besser den Titel des Übersetzers Alois Bejblík aus dem Jahre 1978: Faschingskomödie oder verstehe es jeder, wie er will.
            Jeder soll es sich wirklich erläuten, wie er will, aber für mich war dieser Abend eine angenehme postmoderne Unterhaltung. (Diesen Termin verwende ich nicht zu oft. Jene Postmoderne ist heute schon zu viel um uns herum).

Strandung der Narren am Dreikönigabend

Iva Mikulová 20. Januar 2009 zdroj Theaterzeitung

            In geeigneter Vorweihnachtszeit reihte die Kunstleitung des Stadttheaters Brno in den Spielplan Was ihr wollt von Shakespeare ein. Der Regisseur Roman Polák bereicherte diese Faschingskomödie, in der alles, was ihr wollt, vorkommen kann, mit Karnevalmasken und Monstern, die durch das Schelmenstück des Liebesdreiecks von Orsino, Viola und Olivia frei durchflechten. Die Inspiration fand er im Lob der Torheit von Erasmus von Rotterdam, im Narrenschiff von Brandt oder im gleichnamigen Bild von Hieronymus Bosch. Eine Suite der Narren - Masken füllt die Übergänge zwischen den Szenen mit Tanz auf rhythmische, manchmal rituelle Musik aus und gleichzeitig wechselt sie die Karnevalkleidungen der Teufel, Esel,  Skeletten und Clowns in provokative gegenwärtige Partykleidung. Die Aktualisierung wird doch auch durch die Szene, Musik und Kostüme hervorgehoben.
            Die nackte Holzszene, die an eine riesige Rutschbahn erinnert, entdeckt ihre versteckte Funktion einer Skateboardrampe in dem Moment, wann auf ihr die neuzeitlichen Narren auf Skateboards "surfen". Zyklisch ist die Geschichte von den Umkleidungen der Kostüme gerahmt, die von den pomphaften Kleidern der Elisabethzeit mit angekrausten Ärmeln und Strümpfen bis zu den gegenwärtigen, eleganten Frauengesellschaftskleidern und Herrenanzügen reichen. Die einzelnen Gestalten ziehen ihre Kostüme schrittweise um, es mischt sich hier die Renaissancemode mit jener modernen, in der Abschlussszene sind alle wieder in den historischen Kostümen angekleidet; auch die Musik von David Rotter kopiert die Zeitverschiebung und geht von der klassischen Orchestermusik bis zum modernen Hip Hop vor.
            Roman Polák knüpfte an die alte Konvention an, die Rolle der Zwillinge Viola und Sebastian einer einzigen Schauspielerin anzuvertrauen (im Jahre 1860 wurde sie in der ersten tschechischen Aufführung von Was ihr wollt von Anna Kolárová-Manetinská dargestellt). Hana Kováříková, von Hana Holišová alterniert, gebärdet sich in der Knabenrolle von Cesario selbstbewusst und schlau, spitzbübisch betört sie Olivia (Pavla Vitázková) und demütig versteckt sie ihre Gefühle von Orisino. Pavla Vitázková wandelt sich aus der stolzen, ablehnenden Dame in ein Drachenweibchen, die imstande ist sich gegenüber Cesario zu demütigen. Demgegenüber Orsino (Petr Gazdík) bleibt passiv aus dem Spiel, ohne größere Gelegenheit zu schauspielerischer Aktion. Viktor Skála zeigt in seinem Malvolio vom Anfang an die Lächerlichkeit der puritanischen und überheblichen Pose seiner Gestalt. Der Narr Feste (Erik Pardus), von „englischer Krankheit“ und Melancholie betroffen, sitzt oder steht abwärts und mit der durch Lebenserfahrungen gewonnenen Übersicht glossiert er die Handlung.
            Die Inszenierung, die etwas mehr als drei Stunden dauert, nutzt die Kombination von einigen komischen Prinzipien aus, um schnelles Tempo zu halten. Das grundlegende Motiv von Shakespeare - Verwechslung der Gestalten, Verkleidungen und zweideutige gröbliche Anspielungen - ist auch mit Situationselementen unterstützt: Lachen wird manchmal auch unabsichtlich von einem Hindernis in der Form großer Überhöhung der Szene hervorgerufen, auf die die Schauspieler nur schwierig gelangen oder auf der sie nach unten rutschen. Außer der Grundhandlung unterhalten das Publikum zwei ungeschickte Diener (Michal Isteník, Patrik Bořecký) und zu den komisch gelungenen Auftritten gehören die Etüden von Viktor Skála, wenn Malvolio den falschen Liebesbrief liest, oder "Schwerttanz“ des homosexuell aufgefassten Antonio (Jaroslav Matějka).
            Der Karnevalrahmen verlieh der Komödie eine neue, universelle Dimension und zeigte die Archetypmuster der menschlichen Verhaltung, egal ob in den Narrenmasken oder ohne diese.

Was ihr wollt: Rezension

Naděžda Parmová 13. Januar 2009 zdroj Spiegel der Region Blansko und Boskovice

"Alle Menschen sind Narren, aber einige wissen darüber nicht." Dieser Gedanke von Erasmus von Rotterdam drückt die versteckte Botschaft dieser Komödie von Shakespeare trefflich aus. Falls Sie säumen ins Stadttheater Brno zu gehen um Was ihr wollt zu sehen, dann säumen Sie wirklich nicht.
Ich selbst sah schon mehrere Inszenierungen dieser Komödie. Als der Regisseur Roman Polák über seine Einstellungen und Visionen mit Begeisterung redete, dachte ich, dass er nicht mehr weiß, was noch zu machen. Roman Polák ist der gastierende slowakische Regisseur und in Brno ist er nicht unbekannt - in seiner Regie entstanden die Stücke Die Arkadien, Der Sturm, König Lear. Was ihr wollt ist aber eine Komödie, und sogar die Komödie mit der Komik in zwei Ebenen. Jener hohen, adeligen, durch Viola, Olivia, Orsino sowie Verwalter Malvolio dargestellt. Jene zweite Ebene ist wunderschön verrückt, mit dem brillanten Martin Havelka (Ritter Tobias), unglaublich komischen Jan Mazák (Ritter André Chabrus) und diesmal nostalgisch ergebenen Hofnarren von Erik Pardus. In ihren verrückten Stücken sekundieren ihnen Zdeněk Junák als Kapitän Fabian und Irena Konvalinová, Kammermädchen Mary. Als Malvolio einer Nacht kommt, um diese Gesellschaft in gehobener Stimmung zu ermahnen, sich ruhiger zu verhalten, dann nicht nur die Zuschauer, sondern auch die Schauspieler auf der Bühne platzen mit dem Lachen heraus, und für eine Weile lachen wir alle zusammen. 


Nach einem ein bisschen langsamen Anfang, wann der Zuschauer erfahren muss, wer wer ist, warum sich jemand für einen anderen verkleidet und warum Olivia so unnahbar ist, folgt die bekannte Geschichte der Liebe von Orsino zu Oliva, von Olivia zu Cesario, von Cesario zu Orsino, von Malvolio zu Oliva- das reicht! 
 

Die Atmosphäre der Karnevalfröhlichkeit wird noch von der Prozession der pittoresken Masken, manchmal bis zu viel ausgelassenen, hervorgehoben.
 Die Szene, für die ganze Zeit unverändert, ist etwas zwischen Toboggan und unebenem Hang. Es ist fast unmöglich, sie mit majestätischem Schritt hinunter zu gehen, sodass auch die Damen in Renaissanceröcken hocken - und hinunter. Am besten passt sie an zwei Skateboarder, die sich auf sie in jedem freien Moment tummeln. 
 

Zum Schluss noch die Informationen, dass das Stück in der Übersetzung von Jiří Josek aufgeführt wird, welche noch nirgendwo gespielt wurde und dass das Stück die ursprüngliche Konzeption von Shakespeare hat, ohne Striche und wesentliche Verschiebungen. 
 

Das Stadttheater Brno besitzt die Zauberkraft, die richtigen, treuen und stabilen Zuschauer anzuziehen. Hier treffen sich die Freunde. Und das ist mehr, als nur ins Theater gehen.

Shakespeare: wahnsinnige Skateboardfahrt

Luboš Mareček 9. Januar 2009 zdroj MF DNES

Ein Stück von Shakespeare im Spielplan zu haben, das gehört zu dem guten Ruf aller Theaterszenen. Das Stadttheater Brno hatte in dieser von den Zuschauern geliebten Autorenmarke eine Reserve. In den letzten Dekaden setzte es die Tragödien (Romeo und Julia, Othello) und darüber hinaus auch die Märcheninszenierung Der Sturm in Szene. Jetzt kam die verrückte, doch auch melancholische Komödie Was ihr wollt an die Reihe. 
 

Die neue Schauspielinszenierung wurde vom Roman Polák in neuer, bisher noch nicht aufgeführter Übersetzung von Jiří Josek vorbereitet. Der respektierte slowakische Regisseur schuf eine mehr als zwei hundert Minuten dauernde Schau. Dieser Koloss weiß das Zuschauerauge durch die Herrlichkeit der Kostüme, bizarre Masken sondern auch durch schauspielerische Leistungen, ungewöhnliche Einfälle von zwei Skateboarder und durch nicht nachlassendes Tempo zu gewinnen. Das Herz des Zuschauers wird dann durch die visuell opulente Mischung der Lustigkeit, Nostalgie und Humor berührt, wobei das letzt genannte manchmal nicht säumt, das erste Signalsystem anzugreifen. 
 

The Twelfth Night oder die Zwölfte Nacht - wie dieses Werk im Original heißt - bezeichnet das Ende des Zeitraums nach dem Heiligen Abend und Christusgeburt, wann die Winterfeste mit bacchantischen Feiern und Karnevalausgelassenheit beendet wurden.  Polák krönte und beendete seine Inszenierung ausgelassen mit der Ankunft der Heiligen Drei Könige, mit Fallen einzelner Schneeflocken und mit idyllisch übertriebener Faschingsausgelassenheit in heimischen Trachten. Kurz gesagt: Wirbel... 
 

Alles scheint also - als ob im Geiste des Titels Was ihr wollt - verrückt zu sein: die Verliebten fantasieren wie die Narren, der Hofnarr belehrt weiß die anderen und viele sind nicht diejenige, für die sie sich ausgeben. Dazu ist noch das Motiv der Doppelgänger, ein Paar der Säufer, ein raffiniertes Kammermädchen und ein zu Wahnsinn getriebener Verwalter zuzurechnen. Und diese alle taumeln in einem bunten Karussell. Fast jeder hier liebt jemanden, aber diese Liebe bleibt unerwidert. Und als ob es nicht genug wäre. Das Finale wird zwar durch dreifache Hochzeit gekrönt, aber  niemand bekommt jenen, an den er sich ursprünglich dachte! Shakespeares Übersetzer  Antonín Přidal spricht über diesem Drama wunderschön wie über einem Drama "der flüchtigen Jugend, der Verzweiflung der Abgelehnten und des Rohunwetters". 
 

Viele Zweifler behaupten (manchmal auch berechtigt), dass Vieles in der Handlung und in den Motiven dieser zu viel kombinierten Shakespeares Komödie zu den schwächeren Seiten seiner Werke gehört. Übrigens, den Zuschauer durch dieses mit Handlung, Themen sowie Bedeutung verworrene Labyrinth zu begleiten, das ist wirklich schwierig. Und so schont der Regisseur Polák niemanden und nichts. Das Gefühl der ungastlichen Meeresgegend, aber auch das Ausgleiten auf den Nachstellungen der Gefühle werden durch die Szene von Pavel Borák hervorgehoben. Wie eine Skateboarderrampe gefaltet fordert sie von den Schauspielerischen physische Kraft und Beweglichkeit. Und über den Wellen der Bühne stürmt wild aus der Projektion der wirkliche Ozean. 
 

Und aus diesem unendlichen Wellenschlag sowie aus den menschlichen Vorstellungen, Sehnsüchten, Emotionen und unerwiderten Gefühlen entstehen die Geheimnisse der Inszenierung von Polák.
 

Die meist Verliebten (Orsino und Olivia) sind in ihrer Sehnsucht theatralisch und karikierend überspannt, was durch eine Gruppe der grotesk monströsen Masken hervorgehoben wird, welche oft die lächerlichen Kupplungsbewegungen ausüben. An eine andere Stelle lässt der Regisseur alles in eine leicht traurige Stimmung zu übergehen. Und in diesem Moment  ertönt zum Beispiel der rührende Song des Hofnarren mit ausgezeichneter Musik von David Rotter, der von den Harmonien jener Zeit ausgeht.  
 

Der Theatermummenschanz von Polák verwendet die Mittel, die den einzigen (und richtigen) Zweck heiligen: die Aufmerksamkeit des Zuschauers nicht verlieren. Dann wird zum Beispiel auf der Bühne eine Stange geworfen (um uns gut zu verstehen: eine wirkliche Eisenstange). Ich habe nichts dagegen. In Shakespeares Zeit waren aus der Bühne gröbere Witze zu hören. Das Ergebnis ist eine ausgelassene moderne Schau, die doch (und das ist das Wichtigste) Shakespeare nicht beschattet oder ihn verdreht. Kurz gesagt: Was ihr wollt von Polák ist eine Einladung in die farbige Welt, in der Liebe und Narrheit, Trauer und Freude die Seiten einer Münze sind.

Wahnsinniges Was ihr wollt

Naděžda Parmová 1. Januar 2009 zdroj Boskovické noviny

"Alle Menschen sind Narren, aber einige wissen darüber nicht." Dieser Gedanke von Erasmus von Rotterdam drückt die versteckte Botschaft dieser Komödie von William Shakespeare trefflich aus. Falls Sie säumen ins Stadttheater Brno zu gehen um Was ihr wollt zu sehen, dann säumen Sie wirklich nicht. Ich selbst sah auch schon mehrere Inszenierungen dieser Komödie. Als der Regisseur Roman Polák über seine Einstellungen und Visionen mit Begeisterung redete, dachte ich, dass er nicht mehr weiß, was noch zu machen. Roman Polák ist der gastierende slowakische Regisseur und in Brno ist er nicht unbekannt - in seiner Regie entstanden die Stücke Die Arkadien, Der Sturm, König Lear. Was ihr wollt ist aber eine Komödie, und sogar die Komödie mit der Komik in zwei Ebenen. Jener hohen, adeligen, durch Viola, Olivia, Orsino sowie Verwalter Malvolio dargestellt. Jene zweite Ebene ist wunderschön verrückt, mit dem brillanten Martin Havelka (Ritter Tobias), unglaublich komischen Jan Mazák (Ritter André Chabrus) und diesmal nostalgisch ergebenen Hofnarren von Erik Pardus. In ihren verrückten Stücken sekundieren ihnen Zdeněk Junák als Kapitän Fabian und Irena Konvalinová, Kammermädchen Mary. Als Malvolio einer Nacht kommt, um diese Gesellschaft in gehobener Stimmung zu ermahnen, sich ruhiger zu verhalten, dann nicht nur die Zuschauer, sondern auch die Schauspieler auf der Bühne platzen mit dem Lachen heraus, und für eine Weile lachen wir alle zusammen.
           
Nach einem ein bisschen langsamen Anfang, wann der Zuschauer erfahren muss, wer wer ist, warum sich jemand für einen anderen verkleidet und warum Olivia so unnahbar ist, folgt die bekannte Geschichte der Liebe von Orsino zu Oliva, von Olivia zu Cesario, von Cesario zu Orsino, von Malvolio zu Oliva- das reicht!
           
Die Atmosphäre der Karnevalfröhlichkeit wird noch von der Prozession der pittoresken Masken, manchmal bis zu viel ausgelassenen, hervorgehoben.
           
Die Szene, für die ganze Zeit unverändert, ist etwas zwischen Toboggan und unebenem Hang. Es ist fast unmöglich, sie mit majestätischem Schritt hinunter zu gehen, sodass auch die Damen in Renaissanceröcken hocken - und hinunter. Am besten passt sie an zwei Skateboarder, die sich auf ihr in jedem freien Moment tummeln.
           
Zum Schluss noch die Informationen, dass das Stück in der Übersetzung von Jiří Josek aufgeführt wird, welche noch nirgendwo gespielt wurde, und dass das Stück die ursprüngliche Konzeption von Shakespeare hat, ohne Striche und wesentliche Verschiebungen.
           
Das Stadttheater Brno besitzt die Zauberkraft, die richtigen, treuen und stabilen Zuschauer anzuziehen. Hier treffen sich die Freunde. Und das ist mehr, als nur ins Theater gehen.          
 

Komm, Tod, komm mich schnell zu nehmen, ich will nicht mehr lieben

Jiří P. Kříž 17. Dezember 2008 zdroj Právo

Im ungebundenen Faschingsschelmenstück und in der Rolle eines Narren blieb für Pardus noch ein Platz zu nostalgischer Bilanzierung
           
Bühne, in die Sanddünen der Küste Illyriens umgewandelt. Schön gleitend, sodass auf den Schrägeflächen die Narren sowie Edelbürger fallen. Perfektes Liebesdreieck.  
           
In den steilen Dünen tummeln sich die Skateboarder. Karnevaltanz, Masken des Königs Unfug und auch des Abts Unvernunft der zwölften Nacht, das alles durch das Finallied Wir Heilige Drei Könige bestimmt ist...
Haben Sie Shakespeare noch nicht erkennt? Falls Illyrien Ihnen nicht vorsagte, sage ich Ihnen vor: Orsino liebt Olivia, diese liebt im Gegenteil Valentino und der Bursche, eigentlich verkleidete Olivia, liebt Orsino. Na, endlich! Was ihr wollt. Diese kommerziellste und deshalb auch die beste Komödie des Meisters William wurde im Stadttheater Brno von Roman Polák einstudiert.
Es ist ihm nichts Heiliges
Es ist schwierig, die Brünner zu überzeugen, dass dieser Polák ein Meister über anderen ist. Sie haben seine slowakischen Meisterstücke nicht gesehen, Ivanov und Drei Schwestern von Tschechow, Die Kleinbürger von Gorki, Der Wald von Ostrowski. Vielleicht Cyrano von Rostand (in Astorka und an den Festivals wurde er elf Jahre gespielt!). Peer Gynt von Ibsen und Die Arkadien von Stoppard, im Stadttheater Brno aufgeführt, blieben ein bisschen in ihrem Schatten versteckt....   
           
Und es wird sehr schwierig sein, mit den allwissenden Shakespeare-Wissenschaftlern zu polemisieren, denen dieser Polák aus der Slowakei ihren Dramatiker aus dem Sockel herunternahm und anstelle der langweiligen Deklamierung des Blankverses (diesen können sie in Opava - Romeo und Julia - sehen) aus Shakespeare das Quellenwasser eines Faschingschelmenstücks hervorzauberte, in dem alles erlaubt ist. Auch den Tod austreiben. Umsonst übersetzte Alois Bejblík Twelfth Night or What You Will von Shakespeare als Die Faschingskomödie nicht. Ein Gag folgt nach dem anderen. Quelle der Regieeinfällen und Ideen. In dieser bravourösen Komödie, in der jeder finden wird, was er will und was er in der Komödie sucht, ist nichts heilig.  
           
Es reicht nur gut anzuhören. Shakespeare ist in der Inszenierung Was ihr wollt wirklich perfekt, weil Polák die Übersetzung von Jiří Josek auswählte. Dieser weiß genau zu sein. Übergins, diese Übersetzung duftet noch nach der Neuheit. Man weiß nicht, was früher zu loben ist, ob die Inszenierung oder das Buch mit Joseks Übersetzung oder der Programmdruck mit der Studie Zwölfte Nacht von Shakespeare von Vilém Svátek.
Egal, ob du Slowake oder Pole (Polák) bist
Die größte Huldigung gehört doch den Schauspielern, die den Königreichtum von Polák auf die Bühne brachten - auf den Dünen von Pavel Borák fallend, in den Kostümen von Karola Cermak-Šimáková fallend, in den wilden Renaissancerhythmen von David Rotter zusammen mit Ivana Dukić einstudierten.
           
Wenig Platz. Und die Leistungen von Erik Parud (Narr Feste), Irena Konvalinová (Kammermädchen Maria), Jan Mazák (Herr André), Martin Havelka (Herr Tobiás), Viktor Skála (Malvolio), Pavla Vitázková (Olivia), Hana Kovaříková (Viola), aber auch von allen anderen (Gazdík, Junák, Poláčková, Janíková, Matějka, Bořecký, Isteník, Kropáč) - mit einem Wort gesagt: phantastisch.
           
Zusammen mit den umherziehenden Irren (u.a. Briešťanská, Ježková, Horčicová, Nevěčný) auch auf der Bühne (Bindr, Roušal) wieder einmal eine Inszenierung, die der Rest der Republik uns beneiden kann!
 

Was ihr wollt

David Kroča 15. Dezember 2008 zdroj Tschechischer Rundfunk, Vltava

Wenn die Dramaturgie des Stadttheaters Brno einen Titel suchte, auf dem sie ihr traditionelles Weihnachts- und Silvesterprogramm aufbauen könnte, konnte sie Shakespeares Komödie Was ihr wollt nicht übergehen. Das Stück bietet eine Serie von humorvollen Situationen, komische Verkleidungen und saftige, für die alte gute Komödie der Elisabethzeit typische Dialoge an. Es ist gut, dass das Theater sich für es entschied, weil der gastierende slowakische Regisseur  Roman Polák bewies, aus der bekannten Vorlage ein Stück mit mehreren Bedeutungsebenen auszubilden.
           
 Eine Reihe der verschiedenen närrischen Situationen geht einerseits von der romantischen Geschichte über das Mädchen Viola aus, das in der Verkleidung eines Dieners zu dem geleibten Herzog vordringt, anderseits von der zweiten Handlungslinie, in der eine Gruppe der ausgelassenen Kumpane um den Alkoholiker Tobias herum den eitlen Heuchler Malvolio bestraft. Beide Handlungslinien werden durch die Gestalt der reichen Gräfin Olivia verbunden, die die Nichte von Tobias und zugleich die Ausgewählte des Herzogs selbst ist. 
           
 Die mehr als drei Stunden lange Inszenierung des Stadttheaters Brno profitiert aus der gegenwärtigen und frischen Übersetzung von Jiří Josek, aber auch aus vielen außergewöhnlichen Inszenierungseinfällen. Der Regisseur Roman Polák bildet auf der Bühne eine eigenartige Atmosphäre der Karnevalheiterkeit aus, in der alles erlaubt ist und fast jeder eine Maske trägt. Die Verkleidung betrifft nicht nur die Gestalt von Viola, sondern auch die Figuren von zwei Adeligen in den Diensten des Herzogs, die von Lenka Janíková und Veronika Poláčková dargestellt werden.
 
Der Herzog ist so nur von den Frauen in männlichen Verkleidungen umringt, so dass die verkleidete Viola aus dieser Gruppe keineswegs hervorragt. Die Absurdität der Verkleidungen krönte der Regisseur damit, dass er die Doppelrolle von Viola und ihres Bruders Sebastian von Hana Holišová zu spielen ließ. Bei dem Abschlussausgang entstehen die komischen Situationen schon deswegen, dass die beiden getrennten Geschwister endlich die Möglichkeit haben, sich zu umarmen. Auch wenn es sich aus der heutigen Sicht um ein ungesehnes Element handelt, knüpfte der Regisseur so auf die heute schon vergessene Inszenierungskonvention an, die bei uns im 19. Jahrhundert funktionierte.
           
Ein anderes sehenswürdiges Inszenierungselement ist die provokative Bühnenbildung. Die Gestalten beginnen in den Renaissancekleidern zu spielen, die sie dann schrittweise für jene moderne unauffällig tauschen, womit die Kostümbildnerin Karola Šimáková die Zeitlosigkeit des Textes andeutet. Die Szene von Pavel Borák ist dann wie schräge Holzwellen konzipiert, die an eine Skateboard-Piste erinnern. Zwei Jungen toben hier auf den Bretten mit Rädchen nicht nur während der Pause, sondern auch während der Vorstellung und zusammen mit der Masse der Karnevalmasken bilden sie so etwas als ein Narrenverband, dem auf der Bühne alles erlaubt ist.
           
Für die anderen Akteure ist doch ein Problem, auf die Bühne zu kommen ohne dabei zu fallen oder mindestens Balance zu verlieren. Die größte schauspielerische Last trägt Hana Holišová in der erwähnten Doppelrolle von Viola und Sebastian. Dieser außerordentlich talentierten Schauspielerin gelang es, eine vollblütige Gestalt eines Kerls sowie eines Mädchens, das vortäuscht, ein Kerl zu sein, auszubilden. Die Leistung von Viktor Skála in der Gestalt des ehrgeizigen Malvolio graduiert in der berühmten Szene mit dem unterschobenen Brief, nach der er vor die nichts ahnende Olivia in der Darbietung von Pavla Vitázková in gelben Strümpfen mit gekreuzten Strumpfhaltern vortritt. Die melancholischen Töne werden in die Handlung durch den Narren Feste in der Darbietung von Erik Pardus eingetragen. Der Komponist David Rotter gab seinen schwermütigen Liedern die notwendige Stimmung auch dadurch, dass er sich in den Melodien mit den Notentexten dieser Zeit zu inspirieren ließ.
           
Der Hauptvorteil der Inszenierung Was ihr wollt in Brno ist die Ausbildung einer Karnevalatmosphäre, die auf die alten, mit der Wintersonnenwende zusammenhängenden Heidenfeier, sondern auch auf die mittelalterliche Tradition des Narrenfeiertags wahrscheinlich anknüpft. Die Komödie der Verwechslungen, Betörung und Verkleidungen vermischt sich so absichtlich mit der realen Atmosphäre der Weihnachtsfeiertage und der Silvesterheiterkeit, die schnell nahe kommen.  Wenn die drei Könige auf die Bühne am Schluss kommen und zusammen mit den anderen Akteuren ihr Lied singen, in dem sie Glück und Gesundheit wünschen, handelt es sich hier nicht nur um ein Silvesterschelmenstück, sondern auch um eine gerechtfertigte Rückkehr zu den Wurzeln Shakespeares Komödie.
 
 

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