Hair

Hair

  • Genre Musical
  • Bühne Musikbűhne
  • Premiere1. Oktober 2004
  • Vorstellungsdauer2:45 hod.
  • Anzahl der Wiederaufführungen142
  • Derniére30. Juni 2005

Musical nach dem Szenarium von Miloš Forman

Das heute bereits zum Kultwerk des amerikanischen Musiktheaters aufgestiegene Musical Hair (Haare), dessen Broadwaypremiere im Jahre 1968 stattfand, eröffnete die Reihe der sogenannten Rockmusicals. Seinerzeit holte Hair, das von der Welt der langhaarigen Blumenkinder Hippies erzählt, zahlreiche schwerwiegende Themen, wie eine vollkommen unabhängige Freiheit, Drogen, freie Liebe und Anti-Kriegs-Proteste, auf die Bühne. Der New Yorker Kritiker Clive Barnes nannte es gleich nach seiner Premiere die aufrichtigste Show der Stadt, die den Stimmen der Gegenwart zuhört, ohne auf das Vorgestern Rücksicht zu nehmen. Während die Theaterversion sich durch die Absenz der Geschichte ausprägt und deshalb sich bei ihr eher um eine Revueform handelt, zeigt die Filmversion von Milos Forman aus dem Jahre 1979 im Vergleich dazu eine starke und sorgfältig ausgearbeitete Geschichte.

Autor

  • Galt MacDermot – Gerome Ragni – James Rado

Regie

Regieassistent

  • Stano Slovák

Übersetzung

  • Jiří Josek

Kostüme

  • Kamila Polívková

Dramaturg

  • Monika Bártová

Bühne

  • Marek Hollý

Choreographie

Sheila

Victoria

Ronny

Emmareta

Natalie

Stephanie

Ginna

Clark

Hiram

Mark

Snack

Joe

Itype

Otec Claudův, Bergerův

Bergerova matka

Sheilina matka

Steve

Policajt, Voják

Policajt, Pokladník

Soudce, Kapitán

Psycholog, Důstojník

Řečník, Četař

Krissy

Dítě

Swing

Hair von Brno sind keine Langweile

Lenka Havelková 9. Mai 2005 zdroj musicalnet.cz

Auf der Musicalszene des Stadttheaters Brno fanden 60 Wiederaufführungen des Kultmusicals Hair statt. Der immer ausverkaufte Zuschauerraum zeugt darüber, dass die Ideale der „Blumenkinder“ auch heute für die Teenagergeneration aktuell sind. Und nicht nur für sie.

Für das Erlebnis hat eine große Bedeutung die Anordnung der Szene und die unauffälligen Änderungen. Die Technik der Änderungen hängt von der Ausstattung des Theaters ab –dank der modernsten Bühnentechnologie, wie z.B. verstellbare Bühnentafel, ermöglicht die Brünner Musikszene auch die verrücktesten Fantasien des Regisseurs zu erfüllen. Dank dieser Tafel ist die Bewegung auf der Bühne in allen Richtungen möglich – und dies wird oft benutzt, zum Beispiel in der Szene Party music (Bankett bei den Eltern von Sheila) und Let the Sun Shine In. Ebenso gut ist auch der Klang – im ganzen Saal ist er rein und deutlich. Es ist durch die Konzeption der Vertonung sowie Signalbearbeitung gegeben – von den Mikroporten wird das Signal auf die digitalen Signale übertragen und in dieser Form auch bearbeitet. Zu den einzelnen Verstärkern wird er durch optische Kabel geleitet und erst hier wieder in die analogischen Signale übertragen, wodurch seine Qualität erhöht wird. Ein einziges anderes Musicaltheater mit dieser Technologie ist das Prager Theater Broadway.

Die verdiente Aufmerksamkeit gehört an die Rolle von Berger, dargestellt von Dušan Vitázek, Inhaber von Thalia 2004 gerade für diese Rolle. Trotzdem hat einen größeren Raum auch die Rolle von Hud, die die unverwischbare Handschrift des Humors von Martin Havelka trägt. Die Rolle von Jeanie stellt Markéta Sedláčková in einem anderen Typ der Rolle vor – mehr Rock und stimmlich mehr hart. Claud wird von Jiří Resler, Woof von Robert Jícha und Hud von Martin Havelka, Stano Slovák oder Michal Kavalčík dargestellt. In der Rolle von Ronna, insbesondere im Lied Aquarius zieht die Aufmerksamkeit Helena Dvořáková. Der Gesamteindruck aus der Vorstellung wird von der Größe der Bühne verstärkt, dank der die Choreographie von Igor Barberič hervorragt. Ein großer Vorteil dieses Theaters ist die modernste Bühnentechnik (Bühnentafel, digitale Klangbearbeitung), die sich der Absicht des Regisseurs voll unterstellt und ihn nicht übertrumpft. Die endgültige Form gibt der Atmosphäre der 60. Jahre der Light Design und historische Kostüme (Kamila Polívková). Dem Stadttheater Brno steht ein qualitätsvolles und großes Ensemble zur Verfügung, das, was den Gesang betrifft, alle Stimmpositionen deckt.

Brünner Theatermacher begriffen die moralische Botschaft der Welt

Tomáš Hejzlar 25. Oktober 2004 zdroj Haló noviny

„Hair” eröffnete erfolgreich die neue Musicalbühne

Das gefeierte Musical „Hair”, beliebt auch dank des Films von Miloš Forman, wird seit dem 3. Oktober als erster Titel auf der neuen Musicalbühne des Stadttheaters Brünn aufgeführt. Die Brünner Neuinszenierung des slowakisches Regisseurs Dodo Gombár steht im diametralen Gegensatz zu dessen Preßburger Einstudierung: während die slowakische Fassung eher an traditionell orientierte englische Musicals wie „My Fair Lady” und andere erinnert, basiert die Brünner Konzeption stilistisch auf der bunteren Broadway-Produktion: hier fehlt weder die allgegenwärtige, geradezu filmhaft beschleunigende Dynamisierung noch der visuelle Einfallsreichtum. Zum Erfolg trug selbstverständlich auch die technische Ausstattung des neu gebauten Brünner Theaters bei, darunter die ausgezeichneten Beleuchtungsmöglichkeiten, die perfekte Beschallung des Saals und vor allem die moderne, funktionelle Bühnentechnik mit ausfahrbaren Rampen und weiteren Vorzügen.

Die Brünner Inszenierung erinnert an das, was wir von perfekten amerikanischen Bühnenrevues kennen – wenngleich ich persönlich nur indirekt durch Filmaufnahmen. Aber gerade so werden die gelungensten Broadway-Inszenierungen realisiert: sie haben Schwung, Einfallsreichtum und bringen ständige Veränderungen, damit der Zuschauer keine Zeit hat, sich zu langweilen. Im Falle der Brünner Fassung von „Hair” sei noch auf einen weiteren Vorzug hingewiesen – obwohl das Thema eine kritische Auseinandersetzung mit dem amerikanischen Lebensstil ist, läßt sich ein gewisses Maß an europäischer Szenenstrukterierung bei der Regie wie bei den Schauspielern nicht übersehen.

Keine Kopie des Broadway

Das Brünner Stadttheater wird von daher seinen bisherigen Traditionen nicht untreu. Eigentlich als einzige Musicalbühne in unserem Land respektiert es in vollendeter Form die spezifische nationale Identifizierung des Publikums, den Bezug zu wertvollen einheimischen Traditionen. Die Kontinuität des nationalen Empfindens ist für die Brünner Musicalproduktion auch dort offenbar, wo wir dies wohl am wenigsten erwarten würden. Dies ist gerade bei „Hair” der Fall: Gombár kopiert nämlich nicht getreu die amerikanische Rauheit auf der Bühne, er ist bemüht, die Schauspieler so zu orientieren, daß sie vom Ausdruck her nicht abgehoben, entmenschlicht wirken oder das unglaubwürdige, so typisch amerikanische „Zahnpastalächeln” aufsetzen.

Ausgezeichnete Statisten

Dies ist ausgezeichnet gelungen: die Komparserie ist perfekt beweglich (das finden wir in Prag nirgends!), rhythmisch genau, unmittelbar vor allem dank des spürbaren Enthusiasmus aller Beteiligten. Dieses Feuer auf der Bühne ist für die Akteure des Brünner Stadttheaters typisch, in „Hair” liefern sie jedoch den bisher deutlichsten Beweis. Jawohl, man konnte bisweilen den Eindruck haben, daß die Brünner keine Überraschungen zu bieten haben – doch jetzt gibt es einen neuen Schock: endlich wird auch in unserem Land nicht nur ein rein äußerliches „Schauspiel” realisiert, sondern ein perfekt ausgearbeitetes Komplettwerk auf der Ebene des gesprochenen Wortes, des Gesangs (solo und im Chor), der Bewegung und der Begleitkapelle. Wohl nur im Falle von „Jesus Christ Superstar” haben wir in den neunziger Jahren in Prag etwas Vergleichbares erlebt, der später nachfolgenden „Evita” und auch den noch schlechter realisierten Musicaltiteln (oder eher Rockopern) fehlte diese Begeisterung ganz offensichtlich.

Auch ausdrucksstarke Solisten

In einer der Hauptrollen, der des jungen Claude, erscheinen in Brünn wechselweise Petr Gazdík, Jiří Ressler und Oldřich Smysl. In der Premiere stellte sich Gazdík vor, den der Regisseur dadurch besonders hervorhebt, daß er ihm einen proportionell ausgewogenen Teil seiner Natürlichkeit beläßt und sie in den nunmehrigen Handlungsrahmen im Geiste dieser Inszenierung einkomponiert. Gazdík weicht hier zwar von seinen früheren unvergeßlichen Bühnenfiguren ab, doch ist er bereits eine so eigenständige Persönlichkeit, daß im Kontext des Abends seine Anwesenheit keineswegs übersehen werden kann. Claudes Freund Berger spielen wechselweise Ján Jackuliak oder Dušan Vitázek, für die Figur der Sheila hat der Regisseur mit glücklicher Hand die ausdrucksstarken Darstellerinnen Jitka Čvančarová und Soňa Norrisová gewählt. Die Figuren sind fein herausgearbeitet, aber überdecken nicht die Gesamthandlung, passen sich als organisches Ganzes in die Regiekonzeption ein, überragen nicht die kompakte Gestalt des Ganzen.

Es wäre jedoch ungerecht, den Beitrag all der weiteren zu übergehen, dank derer die Inszenierung wie aus einem Guß wirkt. Die Darsteller der Hauptrollen wie auch der ganz peripheren Nebenrollen haben gleich bei der Premiere eine ausgezeichnete und so nicht erwartete Schau geboten.

Eine von Farben strahlende Bühne

Der positive Gesamteindruck des Zuschauers hängt auch mit der Verschiedenartigkeit der bunten Kostüme zusammen, die von Kamila Polívková geschaffen wurden (dagegen ist die Preßburger Inszenierung in dieser Hinsicht visuell geradezu langweilig), und ebenso von der funktionell veränderlichen Szene des gastierenden Marek Hollý. Eine nicht zu vernachlässigende Rolle spielt die Musikbegleitung von ursprünglicher Intuitivität, zu der Igor Barberić durch seine choreographische Mitarbeit einen sensiblen Kontakt gefunden hat .

Nach langer Zeit Qualität

In den letzten Jahren bin ich mehr als einmal von tschechischen Musicals mit gemischten Gefühlen nach Hause gegangen, oft auch leicht gelangweilt (sofern ich nicht schon in der Pause geflohen bin). Dieses Mal dagegen war ich fasziniert durch den Sinn für Ordnung und Präzision, der Hand in Hand geht mit Invention und Spontaneität, mit der Freude an der Schaffung sichtbarer Werte. Nach langer Zeit habe ich so wieder die Substanz der Musicalproduktion begriffen: es ist mir gelungen, die Dinge des Alltags zu vergessen, ich habe mich nicht nur von der Handlung tatkräftig mitreißen lassen, sondern auch von der Aufführung.

Ein Memento für die Gegenwart

Das Musical „Hair” gestattet es allerdings nicht, das Alltagsleben so ganz zu vergessen, erzählt es doch von normalen Menschen, ihrem Leid und ihren Sehnsüchten. Es schildert die Lebenssubstanz vieler von uns, auch wenn wir keine langen Haare haben, auch wenn wir nicht an Drogen denken oder ganz im Gegenteil Angehörige der „höheren Schichten” sind, die die Sorgen jener „an Rande” nicht begreifen können. „Hair” ist kein fiktives Märchen – es ist ein großes Memento für die Gegenwart. Denn die gegenwärtigen Ereignisse in Afghanistan, dem Irak und auch anderswo sind schließlich tagtägliche Realität, und das „Vietnamsyndrom” kann schließlich auch heute noch perfekt funktionieren! Die sechs Dutzend Schauspieler und Tänzer auf der neuen Brünner Musicalbühne haben mich ständig daran erinnert.

Das Musical „Hair” eröffnete die neue Musikbühne

Tomáš Hejzlar 5. Oktober 2004 zdroj Haló noviny

Nach mehrjährigen Bemühungen steht dem Brünner Kulturleben seit Samstag auch die neu erbaute Musikbühne zur Verfügung, die auf „der grünen Wiese” in der Nachbarschaft der bisherigen Räumlichkeiten des Brünner Stadttheaters in der Lidická-Straße entstanden ist.

Obwohl das neue Gebäude – offensichtlich auch darum, weil seine moderne Gestalt den bisherigen charakteristischen architektonischen Charakter des Stadtzentrums nicht stören soll – in einen bestehenden bebauten Häuserblock eingesetzt wurde, bildet seine Außengestaltung eine eigenständige Oase der Ruhe inmitten der architektonisch gefühlvoll integrierten Umgebung. „Wir sind selbstverständlich sehr froh, daß es uns gelungen ist, alles termingerecht zu schaffen, nicht nur durch das Verständnis der Vertreter des Brünner Magistrats, der unser Träger ist, sondern auch dank der Unterstützung des Kulturministeriums und besonders von Minister Dostál, der von Anfang an der Idee des Baus eines neuen Hauses sehr positiv gesinnt war”, sagte der Direktor des Brünner Stadttheaters Stanislav Moša und unterstrich die hervorragende Zusammenarbeit mit allen am Bau beteiligten Firmen. „Ohne das perfekte Zusammenspiel aller Beteiligten, ohne jene Hunderte und Tausende anonymer begeisterter Menschen, die ihre Aufgaben als eine Sache ihrer Ehre und ihres professionellen Renommees auffaßten, hätten wir es ganz bestimmt nicht in dieser Qualität und zum gegebenen Termin schaffen können. Die Brünner Musikbühne ist nämlich ihrer Bestimmung nach einzigartig, und wir mußten deshalb die Technik unseren künstlerischen Anforderungen unterordnen.” Moša erwähnte in der Folge, daß die Planer ihre Entwürfe mit ausländischen Architekten konsultiert und die verschiedenen modernen Häuser im Ausland besichtigt hatten, damit die Brünner Bühne den modernsten Trends entspricht. „Es ist für uns erfreulich, daß jetzt wieder ausländische Architekten unser neues Haus bewundern und daß sie hier Inspiration für ihre eigenen Projekte schöpfen”, ergänzte Moša.

Das Bauwerk für 450 Millionen Kronen ist die größte Investition ins tschechische Theater seit 1989. Seine Vorzüge fanden während der Gala-Veranstaltung am Samstagabend große Anerkennung nicht nur bei Vertretern der Brünner Kulturszene, sondern auch bei den anwesenden zahlreichen Gästen aus tschechischen und ausländischen Theatern. Das Brünner Stadttheater, früher als Divadlo bratří Mrštíků bekannt, konzentriert sich heute auf die Schauspiel- und Musical-Produktion. Das Ensemble gibt jährlich 480 Aufführungen, viele davon im Ausland. Die neue Bühne ist die modernste Arena für das Musiktheater im Lande und faßt 680 Zuschauer. Die alte Bühne wird weiter in Betrieb bleiben, vor allem für das Schauspielrepertoire und für Musikspiele mit kleinerer Besetzung.

„Hair” ist lebendig und aktuell

Marta Švagrová 5. Oktober 2004 zdroj Lidové noviny

Mit der gelungenen Inszenierung des Musicals „Hair” wurde das neue Theatergebäude in Brünn eingeweiht.

Ein erstaunlich starkes Erlebnis boten die Premieren in der neuen Modernen Musikszene des Stadttheaters Brünn. Das Musical „Hair” von Gerome Ragni, James Rad und Galt McDermot hat in dieser Konzeption nichts von seiner Aktualität und Dringlichkeit verloren.

In die Annalen des Theaters ist das erste Oktoberwochenende 2004 durch die Eröffnung der neuen, sehr schönen Bühne eingegangen. Das mit großem Aufwand erbaute Theater ist modern und zweckmäßig und hat zweifellos ein Stück vom Zentrum der mährischen Metropole kultiviert. Zu seiner Eröffnung wählte das Brünner Stadttheater die Neuinszenierung des Musicals „Hair”. Das wohlvertraute Rockmusical, welches seit seiner Premiere am Broadway im Jahr 1968 (erstmals erklang es aber schon 1967 im Biltmore Theater abseits des Broadway) ununterbrochen gespielt wird, hat verschiedene Gestalten. Es wird in Konzertform aufgeführt, Weltruhm erlangte es durch die oscargekrönte Filmfassung des Regisseurs Miloš Forman von 1979. Gerade diese liegt der Inszenierung zugrunde, die zur Eröffnung des neuen Musiktheaters ein Team mit dem gastierenden slowakischen Regisseur Dodo Gombár an der Spitze ausarbeitete.

Das einfache, doch auch nach so vielen Jahren nicht minder dringliche Thema – die Abneigung junger Menschen gegen Gewalt, Krieg, Haß und ihre vielleicht naive Suche nach individueller Freiheit – wird von den Autoren durch beredte Musik und eine wirkungsvolle Bildhaftigkeit mitgeteilt. Für das Resultat außerordentlich wichtig sind die präzise Einstudierung der Musik, eine einfallsreiche Choreographie, mitreißender Kollektivgesang und eine glaubwürdige Führung der Schauspieler. Vor allem geht es darum, sich in die Empfindungen einer Generation einzufühlen, die einst der Vietnamkrieg in Schrecken versetzte. Die damaligen Blumenkinder unterscheiden sich in mancherlei Hinsicht gar nicht so sehr von der heutigen Jugend – nur die Desillusionierung hat sich über die Jahre ungelöster Krisen womöglich vertieft.

Regisseur und Autor der Bearbeitung Dodo Gombár brachte auf die neue Brünner Bühne mehr als sechzig Figuren (die Hauptcharaktere haben darüber hinaus zwei bis drei sich abwechselnde Darsteller), eine eingespielte Tanz- und Gesangskompanie, eine die sechziger Jahre evozierende, aber dennoch moderne Bewegung. Die ausgezeichnete Beschallung des Theaters läßt vor allem die hervorragenden Chöre und die professionelle Arbeit des Orchesters des Brünner Stadttheaters (Einstudierung der Musik Karel Cón, Igor Rusinko und Karel Albrecht als Gast) brillieren. Die glänzenden Massenszenen sind am stärksten, doch taube Stellen gibt es in der Inszenierung sehr wenige.

Bei der Auswahl der Solisten hatte der Regisseur eine glückliche Hand vor allem bei der Typologie der Figuren – der vitale Berger (Dušan Vitázek) hat das nötige Charisma, ebenso der finstere Hud (Stano Slovák), auf kleinem Raum ist Jiří Ressler als zarter Claude ergreifend verletzlich und Robert Jícha als Woof auf natürliche Weise sympathisch.

Wenn einige der männlichen Interpreten bei der Premiere noch etwas mit den höheren Stimmlagen kämpften, so hatte der weibliche Teil der Solisten damit keine Probleme. Die „naiv schwangere” Jeanie (Markéta Sedláčková), die sexy Sheila (Jitka Čvančarová) sind ebenso wie die durch ihre Stimme interessanten Figuren Victoria (Ivana Vaňková) und Ronny (Helena Dvořáková) ausdrucksstark und souverän. Alle singen sehr gut auch in den bewegungsmäßig anspruchsvollen Partien.

Zu den wirkungsvollen Szenen gehört die Party bei Sheila (sehr getreu nach Forman), zu den schwächsten die deskriptive, wenig imaginative halluzinogene Hochzeit. Wer „Hair” kennt, wird das Abschneiden von Bergers Haaren vermissen, das durch das wenig symbolische Flechten eines Zopfs ersetzt wurde...

Die Brünner Inszenierung von „Hair” bietet jedoch Atmosphäre, Poesie (u. a. auch dank der Übersetzung von Jiří Josek), phantastische Musik und sympathische professionelle Leistungen. Sie stellt eine wichtige Belebung der tschechischen Musicalszene dar.

„Hair“ hat die Vergangenheit mit der Gegenwart verknüpft

Luboš Mareček 4. Oktober 2004 zdroj MF Dnes

Die erste Musical-Produktion hat phantasievoll gezeigt, was alles das neue Theater kann.

Regisseur Dodo Gombár, der das Musical „Hair” als erste Aufführung im neuen Brünner Musiktheater auf die Bühne brachte, hatte es nicht einfach, denn die allseitigen Erwartungen überstiegen das übliche Maß. Seine Inszenierung des bekannten Stücks wird Neugierige ebenso wie Freunde der berühmten Musicals erfreuen. Der erstgenannten Sorte von Zuschauern führt die Brünner „Hair”-Inszenierung alle technischen Errungenschaften der modernsten Bühne im Land vor. Der zweiten Gruppe wird eine Schau mit Maß und Geschmack geboten, deren Klang ein echtes Erlebnis ist.

Gombár weiß, daß die Zeit der Blumenkinder längst vorbei ist. Miloš Forman, durch dessen berühmten Film aus dem Jahr 1979 man sich in Brünn inspirieren ließ, kam mit seinem leicht ironischen Blick auf die Hippies-Bewegung erst mit einem Abstand von zehn Jahren. Ein weiteres Vierteljahrhundert später braucht man weder sentimental noch spöttisch zu sein. Der Krieg ist Quatsch, seit die Welt besteht, darum geht es hier vor allen Dingen.

Gombár bietet in seiner Inszenierung ein attraktives Retro-Spektakel, in dem sich die Kostümdesignerin Kamila Polívková mit Klamotten aus Secondhandshops voll ausgelebt hat. Das verblichene Bild des Central Park in New York am Ende der sechziger Jahre hat der Regisseur mit der Gegenwart verknüpft. Und so kann über die Bühne ein Luftballon mit dem Porträt von George Bush fliegen. Der Kriegs-Guru der Gegenwart wird an einer anderen Stelle von einer Projektion des Datums abgelöst mit einer Art von Countdown, der bis 1969 zurückläuft. Die Brünner „Hair”-Inszenierung steht mit einem Bein in der Vergangenheit und mit dem anderen in der Gegenwart. Gombár hat dadurch die Aussagekraft der zeitlosen Antikriegs-Botschaft noch verstärkt.

Ein Musical soll jedoch vor allem eine opulente Show sein. Auch hier hat sich Gombár Mühe gegeben. Auf der Bühne fahren ständig Plattformen aus und ein, die das technische Wunder des hiesigen Theaters darstellen. Zu Hilfe genommen wurden auch Videoaufnahmen, und es wird auch auf die Wände des Zuschauerraums projiziert. Bei anderer Gelegenheit läßt sich die Regie Gags mit einer zur Vogelscheuche verwandelten Putzfrau, einer karikierten Musterungskommission oder einer Gefängnisaufseherin in männlicher Verpackung einfallen. Ein echter blauer Chevrolet auf der Bühne stellt das Sahnehäubchen auf der reichverzierten Torte dar.

Man muß gestehen, daß dieses unaufhörliche Durcheinander den Zuschauer nicht zu sehr ablenkt und auch nicht die Gesangs- und Tanznummern verdrängt. Und gerade die Darsteller stellen die schlagkräftigste Antwort auf die Frage dar, warum die neue Musikbühne gebaut wurde. Der professionelle Drive, mit dem besonders alle weiblichen Darstellerinnen die gut bekannten Songs vortragen, ist beinahe ansteckend. Gombár and his Company haben in der Brünner Aufführung von „Hair” geschickt eine großartige Show untergebracht, deren Kunterbunt zum Glück nicht aufdringlich ist.

Hair taufte das neue Brünner Theatergebäude

Vladimír Čech 1. Dezember -1 zdroj Kam příloha

Ein neues Theater aufzubauen und im avisierten Termin zu eröffnen – das ist in dieser Zeit eine äußerst außerordentliche Erscheinung und buchstäblich ein kleines Wunder. Es gelang dem Stadttheater Brno, bzw. seinem Direktor Stanislav Moša. Die neue Stätte von Thalia, prosaisch Musikszene genannt, begrüßte ihre erste Zuschauer am 2.Oktober dieses Jahres. Die feierliche Eröffnung hatte sicher den zuständigen Glanz, wobei nicht einmal die Wahl des Eröffnungstitels dem Zufall überlassen wurde. Einige erwarteten vielleicht die Eröffnung in der Form eines anderen heimischen Musicalstücks aus Feder von Moša plus Merta oder Ulrych, aber letztlich wurde es zu der Sicherheit aus dem Arsenal der Weltmeilensteinen des Musiktheaters gegriffen, zum Rockmusical HAIR vom Komponisten Galt McDermot und dem Tandem von Librettisten und Textern Germ Ragni und James Rad. Für diese Wahl sprach auch die Tatsache, dass für die Inszenierung von Hair mit Miloš Forman wie Regisseur gerechnet wurde, der aus seinem gleichnamigen berühmten Film ausgehen und auch diesmal in dieser Weise vor allem das Ende des ururspüngliches Sujets adaptieren sollte.

Miloš Forman kam diesmal zur Einstudierung von Hair nach Brno zwar nicht, das bedeutet aber nicht, dass die Inszenierung, unter der Dodo Gombár wie Regisseur (Szene Marek Holý, Kostüme Kamila Polívková, Choreographie Igor Barberič – zu diesen vier Namen ist zu ergänzen – „wie Gast“) unterschrieben ist, seinen Glanz oder Einmaligkeit verlieren würde. Jetzt wurde Hair auf der Musikszene des Stadttheaters Brno fast ganzen Oktober gespielt, manchmal auch zweimal täglich, kein anderer Titel war eingesetzt. Im November erlaubte es zwar eine Pause, dennoch schon im Dezember kehrt es zurück, auch wenn nicht für so lange Zeit. Und es wird mit ihnen auch weiterhin gerechnet. Und es ist gar nicht hervorzuheben, dass der ganze Oktober hoffnungslos ausverkauft war. Übrigens, es wäre eine Schande, ein neues Theater aufzubauen, dort Hair einzusetzen und volles Haus nicht zu haben. Auf jeden Fall ist es wahr, dass die Zuschaeur kommen, nicht nur das attraktive Titel zu sehen, sondern auch das neue Gebäude zu besuchen und es zu beurteilen. Das, womit dieses Hair am meisten fesselt, und zwar bis ansteckend, ist in diesem Ensemble kein Novum: es ist Elan, Vitalität, Einsatz, junges Feuer, Ausgewogenheit des Schauspieler-, Tanz- sowie Sängerausdrucks, die für diesen Typ des Theaters notwendig sind. Zur Kaskade von bewunderungsvollen Ausdrücken können nach Phantasie weitere Synonyme für professionellen Ausdruck angereiht werden, wobei sie sich am Ende wahrscheinlich die Frage stellen werden, wo die Träger von allen diesen bisher wenig bekannten Namen herkommen, wo sie eine solche Vorbereitung bekamen, wenn diese alle sicher nicht Janacek Musikakademie oder Konservatorium absolvieren konnten. Die Fähigkeit der Theaterführung, sie zu finden, zu entdecken und zu einem solchen Zug zu motivieren verdient ebenso nicht unbedeutende Anerkennung und Bewunderung.

Hair von Gombár beleiben bei Vietnam, also kein Irak oder Bush – so müsste das lange Haar gekürzt werden, wie es von dem aktuellen Trend befehlt ist. Sprach man über die Musikszene wie über ein Theatergebäude mit ultramoderner technischer Ausrüstung im ganzeuropäischen Kontext, dann erwarteten die Zuschauer sicher, dass sie in die Schonung von allen diesen Errungenschaften schon bei eröffnendem Hair einsehen werden. Vielleicht waren sie nicht enttäuscht. Erdenkliche Variabilität von Bühnenebenen sowie Teilbühnen ist fast unerschöpfisch und nicht einmal akustische Wunder kommen zu Kürze – es ist dem Zuschauer klar, wenn über ihm die Flugzeuge am Ende so rauschen, dass er beinahe das Gefühl hat, dass sie ihm auf Kopf herabsenken.

Vielleicht jede Inszenierung von Hair baut auf einem eingespielten Team der Mitwirkenden. In dieser Hinsicht ist Hair in Brno keine Ausnahme. Auf keinem aus dem Kollektiv ist zu erkennen, dass er sich in seine Rolle irgendwie gewaltig stilisieren würde, denn diese neuzeitliche Hippies sich nicht einmal am Ende 60. Jahre unter den wahren amerikanischen Rebellen verlieren würden. Und wie es bei diesem Genre des Musiktheaters beinahe die Regel ist, ist eine strenge Trennungslinie zwischen dem Beitrag des Regisseurs von dem des Choreographen schwierig zu finden.

In den meisten Fällen ist die Rollenbesetzung durch Alternierungen, manchmal auch durch Dreialternierungen, gesichert. Ich sah die Wiederaufführung am Dienstag 12.Oktober, wann am Dirigentpult Igor Rusinko stand. Und die Kapelle spielte hervorragend. Auch wenn sich, und ich wiederhole es noch einmal, um ein selten ausgewogenes Ensemble handelt, gehört vielleicht die größte Anerkennung an Ján Jackuliak, dem wilden und umbezähnbaren Berger. In seinem Schatten reifte wie Hippie der gastierende Jiří Ressler wie Claude. Attraktive Sheila wurde an diesem Abend von Jitka Čvančarová dargestellt. Und dass manchmal aus einigen Munden ein einbisschen falscher Ton zu hören war? Soll man permanent unter Drogen sein, kann man schwerlich wie Pavarotti singen...

Zu der neuen Inszenierung Hair gab die Dramaturgie des Stadttheaters Brno die traditonell vielseitige Broschüre aus.

Hair flatternd zwischen Erinnerung und Heute

Vít Závodský 1. Dezember -1 zdroj Týdeník Rozhlas

Etwa seit Anfang der neunziger Jahre bleibt das ständig gepflegte Musikgenre, respektiv Musicalgenre (und zuallerletzt auch Operettengenre) eine sehr kräftige und von den Zuschauern ausgesuchte Repertoirelinie des Stadttheaters Brno, die den verdienten Widerhall sowie auch Profit auf den immer häufigeren westeuropäischen Tourneen bringt. Das Angebot „des Theaters, das spricht, tanzt und singt“ wird selbstverständlich noch dank der diesjährigen Bildung eines selbstständigen Singspielensensembles und vor allem dank der neuerlichen Eröffnung der repräsentativen Musikszene direkt im Gelände des Stadttheaters Brno wachsen.

Schon vor der längeren Zeit wurde wie das Eröffnungswerk das kompliziert entstehende sowie sich durchsetzende Werk von drei amerikanischen Autoren – Librettisten Gerome Ragni und James Rad und Komponist Galt MacDermot – Hair ausgewählt, das sich seit seiner Erstaufführung auf Broadway (1968) in die ganze Welt verbreitete und so die Rockerneuerung der Musicalsphäre begann.

Der Widerstand der Jungen gegen Kriegsschlachtung und Begrenzung der individuellen Freiheit, das Thema von Sex und aufrichtiger Liebe, nicht xenofober rassischer Toleranz sowie Generationsprotest gegen gesellschaftlichen Konvektionen und Konsumwelt allgemein bleiben nämlich immer lebendig. Obwohl diese dreistündige Inszenierung die Flitterglanzmegalomanie bewusst ablehnt, lässt sie weder den Aspekt der „Retroschau“ fallen, in der die organische Einheit der Kapelle, des plastischen dramatischen Ausdrucks und des maximalen Einsatzes von den Nicht-Playback-Solisten in der Mitte der dressierten Company in ein stylgemäß ausgeglichenes Kollektivartefakt mit vielseitig professionellen Parametern mündet. Die supermodern ausgerüstete Bühne mit ungewöhnlichen kinetischen, akustischen sowie optischen Möglichkeiten absolvierte die erste Belastungsprobe. Die Inszenierung mit den beschreibenden, scharf karikierenden (Party von Sheila, Musterungskommission) oder metaphorischen (Drogenvisionen, allegorische Auswahl von gefallenen Soldaten) Austritten und vor allem mit einer Reihe von melodischen sowie ansteckenden, manchmal in Englisch gespielten bekannten Nummern verdient sich zweifellos die Sympathie der Zuschauer.

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