PRINZ FRIEDRICH VON HOMBURG

PRINZ FRIEDRICH VON HOMBURG

  • Genre Schauspiel
  • Bühne Schauspielbühne
  • Premiere8. November 2014
  • Vorstellungsdauer2:10 hod.
  • Anzahl der Wiederaufführungen23
  • Derniére5. Juni 2015

Romantisches Ehrendrama

Von den Werken des größten Dramatikers des deutschen Romantisums Heinrich von Kleist wird auf den tschechischen Bühnen die Komödie Der zerbrochene Krug am häufigsten aufgeführt, in Deutschland wird doch für das Gipfelwerk von Kleist das romantische Drama Prinz Friedrich von Homburg gehalten. Es erzählt die Geschichte eines jungen Kriegshelden, Träumers, der in die Tochter des Kurfürsten, Prinzessin Natalie, verliebt ist. Der Kurfürst selbst ist ihrer Liebe geneigt. Ihr absolutes Glück verschwindet doch plötzlich, wenn der über Natalie träumende Prinz bei einer Kriegsberatung die höchste Order überhört und bei der Schlacht sein Regiment in einen verbotenen Angriff führt. Er ist zwar erfolgreich, wegen Befehlsverweigerung ist er doch zum Tode verurteilt. Diese Grenzsituation führt den Prinzen dazu, alles, worin er bisher glaubte und was er anerkannte, grundsätzlich zu überwerten. Das Kriegsereignis verwandelt sich in ein großes Drama über Liebe, Ehre und Gerechtigkeit. Mit der Regie dieser hinreißenden Geschichte wurde der junge und talentierte Regisseur Mikoláš Tyc beauftragt, der die Inszenierung Supergute Tage oder die sonderbare Welt des Christopher Boone in unserem Theater erfolgreich in Szene setzte. Die ganz neue Übersetzung wird für unsere Inszenierung von Václav Cejpek vorbereitet.

Autor

  • Heinrich von Kleist

Regie

  • Mikoláš Tyc

Regieassistent

Übersetzung

  • Václav Cejpek
  • Monika Kučerová

Kostüme

  • Barbara Wojtkowiak

Dramaturg

Bühne

  • Karel Čapek

Bearbeitung des Textes

Bewegungszusammenarbeit

  • Halka Třešňáková

Bedřich Vilém, braniborský kurfiřt

Kurfiřtka

Natálie Oranžská, princezna, kurfiřtova neteř, velitelka dragounského pluku

Dörfling, polní maršál

Bedřich Artur Homburský, princ, generál jízdy

Kottwitz, obrist z pluku princezny Oranžské

Hennings, plukovník pěchoty

Truchs, hrabě, plukovník pěchoty

Hohenzollern, hrabě, člen kurfiřtova doprovodu

Golz, rytmistr

Reuss, rytmistr

Georg von Sparren, hrabě, rytmistr

Siegfried von Mörner, rytmistr

První důstojník

První dvorní dáma

Druhá dvorní dáma

Dvorní kavalír

Stranz, rytmistr

Druhý důstojník

Sedlák

ES IST WAHR, DASS AUF DER ERDE MIR NICHT ZU HELFEN WAR

Jiří P. Kříž 22. November 2015 zdroj Právo

Heinrich von Kleist kehrt auf die europäischen Bühnen in Wellen zurück. Prinz Friedrich von Homburg doch nur selten. Die Autoren der neuen Übersetzung Václav Cejpek und Monika Kučerová waren vielleicht durch die Inszenierungen in London (2010) und Salzburg (2012) inspiriert. Sicher ist es, dass das letzte Drama dieses deutschen Klassikers nach vielen Jahren auf der Bühne des Stadttheaters Brno in der Regie von Mikoláš Tyc aufgeführt wird.

Es wird ohne Pathos gespielt

Prinz Friedrich von Homburg ist ein seltsames Drama. Es zeichnet sich durch alle Elemente einer großen Tragödie aus, doch mit glücklichem Ende. Regisseur Tyc respektiert die dürsten Tugenden Kleists Werks. Seine Gedanken werden von den Schauspielern mit Demut, mit Akzent auf Gefühl, doch ohne Pathos präsentiert. Lukáš Janota in der Titelrolle ist die wahre Verkörperung eines romantischen Helden. Eliška Skálová als Natalie ergänzt die Geschichte mit ihrer schneeweißen Unschuld. Viktor Skála in der Rolle des Kurfürsten verkörpert die Strenge und es ist schwer zu sagen, ob er der Güte oder der Not gehorchend verzeiht. Lenka Janíková als seine bessere Hälfte hilft uns dann, diesen Rebus zu lösen. Zdeněk Junák, Jan Mazák, Zdeněk Bureš, diese sind schon dem Namen nach geborene Führer.

 

 

 

DER PRINZ VON HOMBURG IN BRÜNN

Peter Stoličný 8. November 2014 zdroj www.i-divadlo.cz

Die Brünner Inszenierung im Stadttheater, basierend auf der ausgezeichneten Übersetzung von Václav Cejpek und Monika Kučerová und unter der dramaturgischen Leitung von Jan Šotkovský, akzentuierte den Konflikt zwischen Gefühl und Ehre. Zwischen der jugendlichen  Leidenschaft und Liebe auf der einen Seite und der militärischen Ehre und Pflicht auf der anderen. Diese Gegenüberstellung gestattet mit einem Mal, einen Blick in die tieferen Dimensionen des menschlichen Verhaltens zu werfen, wenn dieser sich der realen Gefahr seines Todes gegenübersieht. Dabei ist anzumerken, dass nicht einmal der Dichter mit der zerfahrenen Seele selbst die Handlung von dieser Seite betrachtet hat. Er war ein Romantiker, beseelt von antiken Tragödien über Ehre und Gerechtigkeit. Später jedoch (und wohl vor allem nach der Filmfassung mit dem berühmten Gérard Philipe als Prinz von Homburg) wurde, vor allem in Frankreich, das romantische Drama zunehmend als existentialistisches gespielt. Das Werk wird gar mit Camus’ Fremdem verglichen, wenngleich jener im Gefängnis schließlich das Todesurteil annimmt, während Kleists Prinz seine Freilassung erlebt.

Regisseur der Brünner Inszenierung ist Mikoláš Tyc. Seine Regie ist weise und auf den ersten Blick sehr einfach. Er glaubt ganz einfach an die Kraft des Textes, und er glaubt den Schauspielern. Wir wissen nicht, wie kompliziert die Suche nach einer Auslegung der einzelnen Figuren war. Für das Publikum ist wichtig, dass alle auch in den nahezu unnatürlich dramatischen Situationen, die Kleist für seine Helden bereithält, natürlich und glaubhaft agierten. Wenn hier betont wird, dass alle gut spielten, dann gilt dies wirklich ausnahmslos. Zwei Rollen jedoch haben eine besondere Erwähnung verdient – zu einen der rasant handelnde, aber auch zaudernde Kürfirst in der Darbietung von Viktor Skála, zum anderen der Titelheld Prinz von Homburg, verkörpert durch Lukáš Janota, der hier möglicherweise eine seiner Lebensrollen gefunden hat. Das komplizierte und vielschichtige Agieren des Titelhelden beherrschte der Schauspieler in enorm suggestiver und geradezu atemberaubender Weise.

Sehr gekonnt arbeitet der Regisseur bei der Inszenierung mit Geräuschen, sei es etwa bei der recht anspruchsvollen Szene des Kampfverlaufs, die von den Kommandeuren der Truppen mitten im Kriegsgetöse kommentiert werden, oder der szenischen Musik (Jiří Hájek) zwischen den einzelnen Bildern. Die Figuren sind meist schwarz und nahezu in Zivil gekleidet, mit hohen Schnürstiefeln aus der heutigen Zeit (Kostüme Barbara Wojtkowiak), in der letzten Szene wird der Hauptheld wehrlos und barfuß gezeigt.

Kleists ewig kontroverses Drama auf der Schauspielbühne des Stadttheaters Brno ist zweifelsohne eine große inszenatorische Leistung. Das Stück ist eine Entdeckung, die Inszenierung ebenso mutig wie geglückt.

 

SCHACHPARTIE DES PRINZEN

Marcel Sladkowski 1. Dezember -1 zdroj Divadelní noviny

Die aktuelle Aufführung am Stadttheater Brno ist erst die fünfte tschechische Inszenierung dieses zwei hundert Jahre alten Dramas. Das Autorenteam von Mikoláš Tyc fasste den Prinzen Friedrich von Homburg vor allem wie ein zeitloses, durch die beiden männlichen Hauptfiguren repräsentiertes Drama der Ideen auf. Der Abstand von den Zeitrealien ist in der Ausstattung offensichtlich: der Bühne nur mit den erforderlichsten Requisiten dominiert eine schiefe Fläche mit asymmetrisch situiertem Durchgang, mobilem Treppenhaus und Obergalerie, die in der Hälfte der Bühnentiefe situiert ist; ihre graue Farbe wird auch von den Rastern der hohen Seiten- und Hinterkulissen respektiert. Die kalte Funktionsfähigkeit der Szene ermöglicht, die Umgebung schnell zu wechseln, und korrespondiert gut mit den schwarzweißen Kostümen, in deren Strenge symbolische Information versteckt ist: schneeweiße Kleider sind für die junge Natalie bestimmt, das elegante Schwarz für die anderen Damen. Die Männer tragen ausnahmelos weiße Hemde und unterschiedliche Schnitte von schwarzen Anzügen und Mänteln. Ihre farbig einheitliche Kleidung zusammen mit hohen Soldatenschuhen weist auf die Uniformität der Armee, sondern auch auf die preußischen Staatsfarben hin.

Die Dominanz von Schwarz und Weiß führt uns zu einer Betrachtung über eine Schachpartie, in der die Gestalten des Prinzen von Homburg und des Kurfürsten Friedrich die Rollen von Königen darstellen. Lukáš Janota stellt seinen Prinzen wie einen jungen, heißblütigen Krieger dar, der auch aufrichtiges Gefühl auszudrücken weiß, doch infolge von somnambulen Zuständen die Realität nicht fokussiert wahrnimmt, und, insbesondere im Gefängnis, wo er auf Urteil wartet, zwischen festem Vertrauen in die Gnade des Herrschers und plötzlichem Grausen vor der vor ihm stehenden Hinrichtung schwebt. Die widersprüchlichen Wenden der Psyche des Prinzen weiß der Schauspieler mit Sicherheit darzustellen und dem aus der gegenwärtigen Sicht problematischen Motiv der ausgespannten Subordination, mit der der Prinz nach einem Innenkampf die peinliche Strafe annimmt (dadurch, dass ich den Tod annehme, will ich dem heiligen Gesetz des Kriegs Ehre erweisen), weiß er die Punze der Glaubwürdigkeit zu verleihen.

Viktor Skála stellt seinen Kurfürsten wie einen respektierten Staatsmann dar, der an Ordnung und Gehorsamkeit festhält, doch seinen Gefühlen gegenüber der geliebten Nichte und gehaftetem Prinzen vorsichtig zuhört: die Ablehnung der angebotenen Gnade nimmt der Kurfürst mit Respekt an. Von den weiteren männlichen Figuren ragen vor allem Jan Mazák als plebejisch geradliniger Kottwitz und Jaroslav Matějka als Hohenzollern hervor, dessen Kriegsverletzung zu größerer Offenheit und feiner Ironie befreite. Die anderen männlichen Gestalten bewegen sich auf dem Schachbrett der Inszenierung wie verwechselbare Bauern, vereinzelt ist ihre Anwesenheit auf der Bühne auch völlig entbehrlich (Bauernpaar). Von den beiden Damen ragt die Prinzessin Natalie in der Darbietung von Eliška Skálová durch ihre Mädchenfeinheit hervor (welche im Soldatenlager vor einer Schlacht ein bisschen ungeeignet wirkt); diese steht im wirksamen Kontrast zu Dringlichkeit und Vorbedacht, mit denen sie für die Rettung des Prinzen kämpft. 

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