Nana

Nana

  • Genre Musical
  • Bühne Musikbűhne
  • Premiere2. April 2005
  • Vorstellungsdauer3:00 hod.
  • Anzahl der Wiederaufführungen21
  • Derniére14. Februar 2006

Musical nach der Vorlage des Romans von Emile Zola

Das bekannte Autorenduo Milan Uhde und Miloš Štědroň setzt ein original tschechisches Werk, das eigens für die Musikbühne des Stadttheaters Brno geschrieben wurde, in Szene. Als Vorlage für das Musical diente die berühmte Novelle von Emile Zola, der ein führender Vertreter

des französischen Naturalismus ist. Seine Nana erschien erstmals im Jahre 1880 als Druckausgabe

und zeigt ein raues Porträt der Pariser Gesellschaft. Zola erzählt die Geschichte von einem Mädchen, das es schafft, sich von der untersten Gesellschaftsschicht über reiche und erfolgreiche Männer die gesellschaftliche Leiter hoch zu schlafen. Der Varietestar, die Pariser Prostituierte Nana begleitet uns durch Paris der legendären Zeit, durch Paris voll von Glanz und Armut, Freude, Sünde und auch Vergebung.

Autor

  • Milan Uhde – Miloš Štědroň

Regie

  • Petr Kracik

Kostüme

  • Tomáš Kypta

Dramaturg

Dirigent

Choreographie

  • David Strnad

Bordenave

Soudní vykonavatel

Policajt

Zoé, komorná

Teta Leratová

Triconka, dohazovačka

Sametka, pouliční holka

Hrabě Muffat de Beauville

Steiner, bankéř

Paul Daguenet, zvaný Mimi

Paní Hugonová

Faucherry, novinář

Rosa Mignonová

Caroline Héquetová

Justine Violainová

Fontan

Vepřík

Cikán

Company, ulice, divadlo, párty

Nápadník, novinář, policajt

Swing

Nana aus dem Musical verletzt und leidet

Vít Závodský 16. Mai 2005 zdroj Týdeník rozhlas

Das sophistisierte Libretto von Uhde, das den üblichen Durchschnitt der inländischen Musicalproduktion überragt, will nicht mit Abstand weder urteilen noch moralisieren; es ruft lieber das Gefühl der Wertrelativisierung hervor, das für die gegenwärtige, globalisierte Welt charakteristisch ist, es strebt nach dem ambivalenten Zugriff zu den Themen, Gestalten und Situationen, es hat keine Angst vor Schwingungsweite zwischen Sentiment und ironisierender oder parodierender Draufsicht. Dieselbe „Schwingungsweite“ hat auch die Partitur des erfahrenen Musikologen für das ungefähr achtzehnköpfige lebendige Orchester des Dirigenten Karel Cón. Im Grunde genommen, verzichtet er auf die Hits und komponiert eine bunte, historisch aufgeklärte Mosaike der unterschiedlichen Stile, Paraphrasen (Evita), Zitierungen und Illusionen – von Barock über Operette von Offenbach zu Jazz und Rock. Der gastierende Prager Regisseur Petr Kracik konnte auf der vertikal gestreckten Szene von Jaroslav Milfajt, welche an ein Laubenganghaus erinnert, nicht nur ihre Kinetik sondern auch andere Teilraffiniertheiten des Textbuches ausnutzen, z. B. Verwertung des Prinzips des Theaters im Theater (Exposition in der mythologischen Zeitfeerie des Ensembles Paradies und das folgende Spiel über Jungfrau von Orleans), Simultaneität,Raumüberblendung, „Schlussauferstehung“ der Hauptheldin usw.

Bei der Titelgestalt, ist sie von der mehr noblessen Alena Antalová oder von der in der Peripherievulgarität mehr überzeugenden Jitka Čvančarová dargestellt, kann der Zuschauer von ihrer Mehrdeutigkeit verwirrt sein – Gegensätzlichkeit zwischen der augenblicklichen Herzensgüte, Bestialität des „Fäulnismonstrum“ und der Leidung der Diphtherieagonie, die eine Strafe für die Gefühllosigkeit zum eigenen Kind zu sein scheint, und der verdorbenen Existenz der steinreichen Geliebten in der Darbietung von Ladislav Kolář (Graf de Beauville), Karel Janský (Bankier Steiner) und anderen. Zum Glück war hier die tragende Idee, aus der Episodenfigure des Romanabbes Vénot den Gegenspieler von Nana (der geschickte Intrigant erteilt am Ende mit dem Bewusstsein der eigenen moralischen Schuld der verhassten sterbenden Kurtisane die Absolution) zu machen: die manchmal hinreißende Leistung von Jan Apolenář erhebt sie zu dem Protagonisten der Geschichte.

Nana als die Droge mit Vernichtungswirkung

Radmila Hrdinová 3. Mai 2005 zdroj Právo

Die Autoren des neuen Musicals schauten die berühmte Pariser Kurtisane mit den Augen der heutigen zynischeren Welt an.

Es entstand ein Musical, das im Unterschied zu den Rock/Popopern auf einem ausgewogenen Verhältnis zwischen der Musik, Wort und dramatischer Handlung beruht. Den Gegnerspieler von Nana schuf der Dramatiker Uhde klugerweise aus dem fanatischen Abbe Vénot, für den die Beziehung zu Nana die Quelle des innerlichen quälenden Dilemmas ist. Nana ist keine schwarzweiße Gestalt, sie hat Raum für weiblichen Pragmatismus, unweiblichen Zynismus sowie Gefühlunwucht. Das lebendige und geschmackvolle Textbuch von Uhde ist die Grundlage für eine bunte historische Freske sowie für die heutige Auffassung des Boulevards, Fanatismus und der mit der Übertreibung gesehenen Theaterverhältnisse.

Der Regisseur Petr Kracik vermied klugerweise Obszönität, zu der die Geschichte verführt, und es gelingt ihm, ohne Unterwürfigkeit die Zuschauer zu fesseln. Das Verdienst um den Erfolg von Nana hat einfallsreiche und ausdrucksreiche Musik von Miloš Štědroň, der unter den gegenwärtigen Komponisten mit dem Theatergefühl die Nummer eins ist. In Nana häuft er verfängliche Schläger, bezwingende Melodien, temperamentsvolle Tanznummer und quasihistorische spielerische Parodien, ohne dass aus dieser Buntfarbigkeit seine Autorenhandschrift verloren geht.

Alena Antalová (alterniert von Jitka Čvančarová) in der Titelrolle wirkt attraktiv, doch ein bisschen kalt, der Zeiger auf der Waage ihrer Nana neigt eher zur abstoßenden Berechnung als zum tragischen Schicksal, mit dem der Zuschauer mitfühlen kann. Sie vermeidet doch auch die Sentimentalität, zu der der Schicksal von Nana die Schauspielerin bringen könnte, auch wenn Uhde für sie eine Sicherung in der Schlusswiedergeburt geschrieben hat. Jan Apolenář schuf, was Schauspielerkunst und Gesang betrifft, eine suggestive Gestalt aus dem Abbe Vénot. Die Umwandlung von Steiner aus dem reichen Gönner in einen Wrack schafft Karel Janský. Igor Ondříček wie der Graf Muffat ist vielleicht zu lange ein maßvoller Aristokrat, bis er seinen unkontrollierten Gefühlen freien Lauf lässt. Ein unübersehbares komödiales Element ist der Dramatiker und Kritiker Fauchery von Karel Mišurec. Die Brünner Nana hat alle Voraussetzungen, ein zuschauererfolgreicher Titel zu werden, zu dem sicher auch andere inländische Theaterszenen greifen. Sie werden damit keinen Fehler machen.

Die Unschuldig, verurteilt, unerkannt

Ivan Žáček 19. April 2005 zdroj Theaterzeitung

Neunte Uraufführung, welche in dieser Saison vom Stadttheater Brno vorbereitet wurde, war die Musicalversion der großen romanhaften Geschichte der Pariser Prostituierte Nana von Emile Zola. Die neue Musikszene, die dem Theater seit Oktober 2004 zur Verfügung steht, wann sie mit der Uraufführung des Formans Musicals Hair feierlich eröffnet wurde, wird vorwiegend für die Musikinszenierungen oder Konzerte bestimmt sein. Sicher würde es hier auch dem Drama gut gehen, weil es auf den ersten Blick ein für das Theatergeschehen sehr geeigneter und kultiviert wirkender Raum ist. Kultiviert und ausgeglichen ist auch die Inszenierung von Nana.

Der Autor des Librettos Milan Uhde inspirierte sich mit der romanhaften Geschichte nur frei und stärkte eher ihre allgemeine Züge, als ob er spüren würde, dass Nana insbesondere ein Roman des 19. Jahrhunderts ist, bei dem wir noch heute die kunstvoll erarbeitete Romanstruktur sowie literarische Qualitäten des Großmeisters des französischen Naturalismus bewundern können, aber die Geschichte selbst kann nicht mehr mit jener erschütternden Kraft wirken, mit der sie den Pariser Kleinbürger vor einhundertzwanzig Jahren provozierte. Die diskontinuierliche Folge von einzelnen Szenen aus dem Leben von Nana, das „der Sünde geweiht“ ist, ist mit großer dramaturgischer Kunst aufgebaut und deckt die Autoreneinsicht gut auf, welche sich doch ein bisschen von jener von Zola unterscheidet. Uhde und Štědroň beurteilen nicht so streng, und versuchen, wie es heute anders nicht möglich ist, das Ausklingen der Geschichte zu relativisieren. Nana ist für sie kein Symbol von allem Bösen, Summe der Verderbtheit der Welt. Sie ist keine Venus in Zerlegung, keine mit aller Energie der naturalistischen Ausdrucksmittel geschilderte monströse Kreatur, deren Gesicht in der Sterbestunde – in dem von Zola wirklich genossenen, wirkungsvollen Schlusseffekt – von dem „allen Gift der Pariser Kanäle, das sie aus den weggestoßen Aasen ausgesaugt hat und mit dem sie die Menschheit vergiftet hat“ entstellt wird. Uhde weißt gut, dass wir heute nicht so gut, wie im Jahrhundert der schönen Romane, zu erkennen wissen, was gut und was schlecht ist. Und dass das Rezept, wie eine Gestalt geschrieben sein soll, dass sie positiv wirkt, eventuell mit welchen Zügen und Taten sie ausgerüstet sein soll, dass sie abstoßt, viel weniger zuverlässig ist, als in der Zeit, wann die „große moralische Entrüstung“ von Zola kulminierte. Er weißt, dass die Prostituierte nur auf einen wirklichen Minderheitszuschauer wie ein Symbol von allem Bösen auf dieser Welt heute wirken kann. Für die anderen – und für diese wird ein solches Mehrheitsgenre wie Musical geschrieben – ist sie nur eine alltägliche Touristenattraktion, für jemanden lästig, für jemanden gern gesehen. Der katholische Priester, für die ganze Zeit ihr abgesagter Feind, gewährt ihr schließlich einen gewissen Ablass deswegen, dass sie mindestens „bedauert, dass sie nichts bedauert“. Und weil wir in einem Musical sind, die sündige Nana erwächst aus ihrem toten Körper – bei Zola ist es „Muff der Welt auf einer entstellten Masse, auf einem Häuflein des verdorbenen Fleisches“ – und singt zusammen mit dem Chor den Schlusssong. Wer ist Nana vom Musical? „Unschuldig, verurteilt, beschrieben und unerkannt – das ist Nana.“ Sie wird auch von sieben Journalisten, Paparazzi der modernen Zeit erleichtert, welche zusammen mit den Tonnen Schmutz von Uhde zugegeben werden. Die Musik lässt merken, dass ihr Autor ein erudierter Komponist und Musikologe in einer Person, Miloš Štědroň, ist. Es ist ein buntes stillvolles Allerlei – von Renaissance bis Jazz oder Musik-hall. Wir hören hier Idiome der alten Tänze neben den untrüglichen Operettenintonationen, ein Broadwaymusical neben Volkscouplett. Der Komponist weißt auch mit einem Zitat witzig zu spielen, wie zum Beispiel in einem Orgelinterludio, wann eine Andeutung der Faunchromatik von Debussy zu hören ist. Štědroň selbst sagt, dass das Musical etwas wie eine Oper Instant ist, in der verschiedene Stile gelöst sind, vor allem Verismus, Spätromantismus und Operette.

Es gelingen ihm vor allem Chornummer, deren Satz immer dankbar und gut sangbar ist. Die Spannweite von Stilen reicht wieder von Dvořák bis zu Nedbal, aber auch zu Andrew Lloyd Weber. Die Partitur von Štědroň enthält viele kultivierte, intelligente, geschmacksvolle, gründlich gebildete und glücklich inspirierte Musik.

Eines muss man den Musicalstrends in Brno lassen. Dass man hier versucht, ein komplexes Theater zu machen, das – im Unterschied zu Prag – „spielt, tanzt und singt“. In Prag gibt es für alles Spezialisten: eine Star singt und spaziert in seiner Rolle, während es für Tanz hier wieder andere Boys gibt. Dieser Dreikampf ist aber eine schwierige Disziplin und nicht alles gelingt: die Tanzäußerung von einigen Schauspielern wirkt krampfhaft, sie haben nur mechanische Schritte einstudiert, und diese wiederholen genau, zum Beispiel in der zweiten Strophe. Alena Antalová bildet ihre Nana mit insgesamt unauffälligen, sympathischen Schauspielermitteln, aber mit dem Gesang steht sie sich im Großen und Ganzen wie die romanhafte Nana.

Sie hat doch das Publikum wie Venus eher mit ihrer reizenden Erscheinung als Gesang gewonnen. Bei ihren ersten Tonen drängt sich einem die Frage, ob der Regisseur Petr Kracik bei der Erfassung der Hauptrolle den Naturalismus nicht zu weit getrieben hat. Aus der Menge der Schauspieler ragte noch mehr Zdeněk Junák hervor, der mit rauen Zügen sein Portrait von Bordanav, stoßartigen Chef des Theaters Paradis, skizzierte.

Brno ist besser!

Martin Porubjak 6. April 2005 zdroj SME

Am vorigen Samstag, den 2. April fand in Brno die Uraufführung des Musicals von Milan Uhde und Miloš Štědroň Nana, auf die die Motive des berühmten Romans von Emile Zola, statt. Diesmal nicht mehr im Theater Husa na provázku, sondern auf der spezialisierten Szene des Stadttheaters. Also, was die Technik betrifft, in dem großzügig ausgerüsteten und modernsten Theatergebäude in der Tschechischen Republik, das in eineinhalb Jahr aufgebaut wurde (vergleichen Sie es bitte mit neunzehn Jahren des noch nicht fertigen Neubaus des Slowakischen Nationaltheaters).

„Laster und Tugend sind Produkte sowie Vitriol und Zucker“ sagt Zola, der sich zu dem sozialen sowie erblichen Determinismus der Naturalisten bekennt. Und so ist auch seine Nana ein Produkt der Umgebung, in der moralische Prinzipien fehlen. Es entstand mehrere solche legendäre Helden und Heldinnen in der Kunst um die Wende des 19. und 20 Jahrhunderts (außerhalb Nana von Zola aus dem Jahre 1880 auch Lulu von Wedekind im 1894 und Ball von Brecht im 1918). Es sind noch immer aufregende und außergewöhnlich aktuelle Werke und das gegenwärtige Theater kehr zu diesen regelmäßig zurück. In diesem Aspekt hatten Uhde und Štědroň die glückliche Hand und es entstand ein weiteres originelles tschechisches – Entschuldigung: mährisches! – Musical mit dreißig Musiknummern, siebzig Mitwirkenden und fünfzehnköpfigem lebendigem Orchester! In der Slowakei nie gesehen!

Nana – Rezension

David Kroča 1. Dezember -1 zdroj ČRo3 - Vltava

Die meisten Rollen in der Inszenierung werden alterniert, der resultierende Eindruck aus einer konkreten Vorstellung hängt also von den Schauspielern ab, die sie gerade sehen werden. Wenn Sie Glück haben werden, Nana in der Darbietung von Jitka Čvančarová zu sehen, werden Sie von einer anmutigen Dame erwartet, deren attraktives Aussehen in einem scharfen Gegensatz zu ihrer Verhaltung steht. Trotzdem wirkt Čvančarová am überzeugendsten in den Momenten, wann ihre Gestalt die gewählten Männer verführt, aber wie die Mutter, die ihren Sohn zu sehen sehnt, oder wie die ein Dienstmädchen strafende Megäre hat sie noch gewisse Reserven. Während Jan Apolenář in der Rolle des gräflichen Beichtigers mindestens mit einem hinreißenden Gesangsolo fesselt, hat Ján Jackuliak in der Rolle des tierischen Mimi solche Probleme mit der Aussprache, dass seine Gestalt wie die Karikatur von sich selbst wirkt. Und so kann ich aus der Vorstellung, die ich sah, nur den ausgezeichneten Ladislav Kolář in der Gestalt des bezauberten Grafen empfehlen. Nicht nur dass Kolář ausgezeichnet singt, gab er noch dazu seiner Gestalt eine genaue Schauspielerinterpretation: er ist ein von seinen Sehnsüchten geschüttelter Mann, der den Widerstand nicht mehr zu leisten weißt und er ist sich dem nicht einmal bewusst.

Alena Antalová als Nana

1. Dezember -1 zdroj Kult

Nana – das originelle Musical von Miloš Štědroň und Milan Uhde wird seit April an der Musikszene vom Stadttheater Brno aufgeführt. Nana von Uhde, inspiriert von dem gleichnamigen Roman von Emile Zola, ist die Geschichte eines Mädchens, das sich mittels reicher und verehrter Männer auf den Olymp der Gesellschaft hinaufarbeitet. Die Regie von Petr Kracik führt die Schauspieler zu den Höchstleistungen, sie nutzt alle Bestandteile des Musicaltheaters perfekt aus und verschmelzt sie. Die Musik von Štědroň ist ein gewisser Mix, der sich mit den Musikmotiven und Melodien vom 17. Jahrhundert bis zur Gegenwart inspiriert und von diesen ausgeht. Sie unterstreicht die Theatergeschichte und heb sie hervor. Die Gestalt von Nana stellte Alena Antalová mit großer Schauspieler-, Sänger- und Tanzbravoure dar, den sie alle Nuancen der wunderschönen jungen Mädchen-Dirne-Dame in einer Gestalt glaubwürdig spielt. Sie hat ein gefühlvolles und empfängliches Herz, sie ist roh, was die Moral betrifft, und gleichzeitig verführerisch dank ihrer Außerordentlichkeit und Weiblichkeit. Von den anderen sind Zdeněk Junák, Karel Janský, Karel Mišurec, Jan Apolenář, Igor Ondříček, Petr Štěpán... der Rede wert. Eine sehr „lebendige“ Choreographie schuf David Strnad. Die Musikbearbeitung ist das Werk von Karel Cón, die Szene von Jaroslav Milfajt und die farbigen, die Zeit und Stellung der Personen charakterisierenden Kostüme von Tomáš Kypta. Nana hat Geschichte, Ladung und Idee. Dank ihrer ausgezeichneter Einstudierung und guter Besetzung gehört sie zweifellos zu den Reißern der Saison.

Einladung ins Theater - Nana

Jaroslav Parma 1. Dezember -1 zdroj Zpravodaj Blansko

Zum dritten Mal trafen sich bei der gemeinsamen Arbeit Milan Uhde (Autor des Textes) und Miloš Štědroň (Autor der Musik). Kurios ist doch das, dass zum ersten Mal in der gemeinsamen Zusammenarbeit, denn weder bei Balada pro banditu noch bei Pohádka máje der Musiker ahnte, wer der wirkliche Autor der Theatervorlage ist. In jener Zeit wurde Milan Uhde außerhalb des Kulturlebens gestellt und einen eigenen „Decker“ hatte. Milan Uhde wählte für das neue Spiel die Motive aus dem in seiner Zeit skandalösen Roman von Emile Zola „Nana“ aus, mit dessen Thema er schon seit Anfang der siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts spielte. Er schrieb das Spiel gerade für das Stadttheater Brno, denn sein Direktor Stanislav Moša ihn zu der Realisierung der Absicht aufforderte. Milan Uhde selbst bat dann Petr Kracik um die Regiezusammenarbeit. Hinter dem Dirigentenpult steht dann Karel Cón. Obwohl es dazu verführt, ist Nana kein Spiel mit kitzligen Szenen, sondern ein Werk über die Suche nach dem Sinn des Lebens, über Gefühl, Liebe, Mitleid sowie Verzeihung, und trotzdem der Umgebung, in der sie gespielt wird, ist es eine im Grunde züchtige Vorstellung. Auch wenn die Titelgestalt die Prostituierte Nana ist (bei der zweiten Uraufführung am 3. April wurde sie ausgezeichnet von Jitka Čvančarová gespielt), hat sie gegenüber dem Roman ihren Gegnerspieler in der Gestalt des Abbes (ausgezeichnet disponierter Petr Gazdík). Auch die anderen Rollen des Spiels sind gut besetzt (Milan Horský, Irena Konvalinová, Johana Gazdíková, Ladislav Kolář, Zdeněk Brureš, Zdena Herfortová, Jan Mazák und die anderen). Die Musik, wie Miloš Štědroň bestätigte, spielt nicht, aus Paris zu sein, sie ist absichtlich ungleichartig, sie vermeidet weder Operette, Songs noch andere Genre, und zwar so, wie es von der Handlung des Spiels verlangt wird. „Nana“, das originelle Musical, wird wahrscheinlich an der neuen Szene des Musiktheaters Brno gefolgt.

Weib Nana

Martin Flašar 1. Dezember -1 zdroj Opus musicum

Die Nanas Geschichte ist ein großes Sozialthema, das auf der Fläche des individuellen Schicksals eines verlassenen und missbrauchten Kinds spielt.

Die Musik von Miloš Štědroň untermalt in ausgezeichneter Weise den Vorfalllauf. Dort, wo sie nicht wahrgenommen werden soll, stört sie nicht und trägt zur Gestaltung der verlangten Atmosphäre perfekt bei. Im Gegenteil dort, wo – lakonisch gesagt - sie gehört werden soll, beweist der Komponist, dass er zum Unterschied von wenig begabten Kollegen aus der Branche weißt, originelle Melodie zu schaffen, welche nicht schon im Moment, wenn Sie sie zum ersten Mal hören, abgenutzt ist. Die Musik des Musicals verrät über ihren Autor, dass er tiefe Erudition hat und dass er mit der Musik der vergangenen Jahrhunderte ausführlich vertraut ist. Die Leichtigkeit, mit der er sich zwischen historischen Stilen bewegt, ist bewundernswert, er verliert jedoch kritische Aufsicht nicht. Er weißt Orgelphantasie mit Rocklied, Renaissancemadrigal mit Dixieland zu konfrontieren. Für sehr gelungen halte ich insbesondere das „lesbische Duett“ von Sali und Nana in der dritten Handlung, für das sich der Autor die Szene wie aus einer Blasmusikhitparade im Fernseher auslieh, einschließlich wehmütiger Terzform der Melodie. Zu weiteren Vorteilen des Musikalischen des Musicals kann „der vulgäre Wirthauswalzer“ zugerechnet sein, dessen Meister Miloš Štědroň ist.

Das Textbuch von Milan Uhde entstand in den 70er Jahren für das Theater Divadlo na provázku, seine Realisierung erlebte es doch wegen den damaligen politischen Umständen erst jetzt. Das Musical Nana zeigt sich also wie eine höchstverantwortungsbewusste Bearbeitung eines sozial-kritischen Stoffes, welches die moralische Atmosphäre der Gesellschaft in der Großstadt der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit häufigen Entlehnungen aus Brechts Theatermethoden (z.B. Veräußerungsauftritte des Journalisten und Dramatikers Clément Faucherry oder glossierenden Songs und Gelegenheitschore aus dem Munde der Journalisten) reflektiert. Aus den oben angeführten Gründen, aber auch aus vielen anderen, übersteigt das Musical Nana die gegenwärtige, durchwegs wie aus einer Kirmes ankommende Musicalproduktion.

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