DIE FRAU VON FRÜHER

DIE FRAU VON FRÜHER

  • Genre Schauspiel
  • Bühne Schauspielbühne
  • Premiere4. November 2017
  • Vorstellungsdauer1:30 hod.
  • Anzahl der Wiederaufführungen23
  • Derniére11. April 2019

schicksalhafte Tragikomödie

Das Stück des anerkannten und meist aufgeführten deutschen gegenwärtigen Dramatikers, welches Humor, Poesie und Groteske meisterhaft verknüpft, wird von der jungen Regisseurin Alžběta Burianová in Szene gesetzt. Mit den Worten des Autors gesagt, es handelt sich um einen „Alptraumkomischen Fall.“ Die dreiköpfige Familie – 45-järiger Frank, seine Ehefrau Claudia und ihr Sohn Andy – befindet sich in der finalen Phase der Vorbereitungen zum Umzug in Übersee. Letzte Kisten und Schachteln mit Sachen sind bereitgestellt. Andy muss sich noch von seiner Freundin verabschieden und vor Frank und Claudia steht ihr letzter Abend in der Wohnung, in der sie die ganzen neunzehn Jahre ihrer Ehe lebten. Plötzlich klingelt es an der Tür – und hinter dieser steht eine Frau, Romy Vogtländer. Vor 24 Jahren, wann sie eine Liebesbeziehung hatten, hat ihr Frank ewige Liebe geschworen. Und Romy kommt, um ihn an sein Versprechen zu erinnern. Diesen interessanten Umstand, der zu Ursache vieler unerwarteten Komplikationen wird, wird vom Autor durch eine originelle dramatische Technik weiterentwickelt; diese respektiert die Zeitfolge nicht, doch ordnet die Situationen auf die Weise, dass der Zuschauer die einzelnen Situationen aus verschiedenen Winkeln sehen und in die Handlung in verschieden Phasen eintreten kann. Und der Anfangszustand, der an eine aus den Possen bekannte Konstellation erinnert, bekommt allmählich die Atmosphäre eines Alpentraums, Dimensionen der antiken Fatalität…

Autor

  • Roland Schimmelpfennig

Regie

  • Alžběta Burianová

Regieassistent

Übersetzung

  • Josef Balvín

Kostüme

  • Pavla Kamanová

Bühne

  • Pavla Kamanová

Musik

  • Jakub Kudláč

Světelný design

  • David Kachlíř

Bewegungszusammenarbeit

  • Blanka Burianová

Production adaptation

  • Alžběta Burianová, Jan Šotkovský

Frank, uprostřed čtyřicítky

Klaudie, jeho žena

Romy Vogtländerová

Andi, Frankův a Klaudiin syn

Tina, Andiho přítelkyně

WENN UNS DIE VERSPRECHEN AUS DER VERGANGENHEIT EINHOLEN

Lukáš Dubský 27. November 2017 zdroj www.i-divadlo.cz

(…) Die Frau von früher verbindet die Substanz eines klassischen Konversationsdramas mit Elementen schwarzen Humors wie mit dem antiken Mythos der Medea. (…) Der Plot wirkt wie ein Thema für eine wilde Situationskomödie – Frank und Claudia ziehen nach 19 Ehejahren nach Übersee, zusammen mit ihnen macht sich auch ihr Sohn Andi auf die Reise. Am letzten Abend im alten Haus steht jedoch auf einmal Romy in der Tür – Franks einstige Liebe, die er jedoch seit 24 Jahren nicht mehr gesehen hat. Was Romy jedoch nicht davon abhält, souverän zu verlangen, dass Frank seine Familie verlässt und mit ihr geht, denn  schließlich hat er ihr einst seine ewige Liebe versprochen. Claudia hat natürlich für ein derartiges Melodram kein Verständnis. (…) Frank, gespielt von Igor Ondříček, ist Träger einer der thematischen Hauptlinien des Stücks. Völlig unerwartet bietet sich ihm die Gelegenheit, sein bisheriges Leben auf den Kopf zu stellen. Er kann fast zwanzig Jahre seines Lebens ausradieren und wieder von vorn beginnen, es braucht nur mit Romy zu gehen. Die Beziehung zu seiner Ehefrau ist offensichtlich bereits abgekühlt, der Umzug nach Übersee ist vielleicht gerade jener neue Impuls, den die Eheleute ihrer Beziehung geben wollen. Frank steht daher vor der Wahl zwischen Freiheit – was aber bedeuten würde, sein bisheriges Leben zu negieren – und Verantwortung. Sein Entscheidungsprozess wird jedoch stark eingeengt, denn es ist nicht Frank, der das Geschehen bestimmt. Wenngleich es im Kern des Konflikts vor allem um ihn und seine Präferenzen geht, wird er zum umkämpften Gegenstand zweier weiblicher Gegenpole. Auf der einen Seite seine gesetzte Ehefrau Claudia, welche von Radka Coufalová als akkurate Frau gespielt wird, die es nicht gewohnt ist, aufs zweite Gleis geschoben zu werden. Gleichzeitig ist aber auch die Liebe zu ihrem Mann noch nicht ganz verschwunden, mit nostalgischen Gefühlen bewahrt sie eine Plastiktüte aus Paris auf als Erinnerung daran, dass ihre Beziehung auch schon bessere Zeiten gesehen hat. Zweites weibliches Element ist die von Markéta Sedláčková verkörperte  mysteriöse Romy, die durch ihr souveränes Vorbringen einer scheinbar völlig unsinnigen Forderung ihre Rivalin zur Einnahme einer klaren Position zwingt. Sedláčková bringt die Forderungen ihrer Figur unaufgeregt und geradezu beiläufig vor. Es scheint, als sei Romy die Radikalität ihrer Vorschläge überhaupt nicht bewusst, als sei sie zutiefst von ihrer Rechtsmäßigkeit überzeugt. Diese Dreiecksgeschichte wird noch durch den Sohn Andi (Vojtěch Blahuta) ergänzt, der in mancherlei Hinsicht seinem Vater ähnelt – etwa wenn er erzählt, dass er seinem Mädchen die ewige Liebe versprochen hat, seine Worte aber schon nach wenigen Stunden vergessen hat. Andis Freundin Tina (Eliška Skálová) schließlich tritt als Erzählerin der Handlung auf und beschreibt sie aus der Position eines teilweise unbeteiligten Menschen, ihre Monologe vermitteln einen geradezu voyeuristischen Blick durch die Fenster des Einfamilienhauses. (…)

 

DIE FRAU VON FRÜHER – EIN RAUES DRAMA MIT EINER PRISE HORROR

Kateřina Šebelová 20. November 2017 zdroj www.epochtimes.cz

Eine schicksalhafte Tragikomödie mit Elementen von Groteske und Horror – so ließe sich die neueste Inszenierung aus dem Repertoire des Stadttheaters Brno beschreiben: Die Frau von früher. (…) Das Stück beginnt gleich im ersten Auftritt mit einer dramatischen Situation, die nicht nur die Tür zur Wohnung öffnet, sondern geradezu einen Blick ins Innerste aller Familienmitglieder ermöglicht, vor denen sich durch Romys Anwesenheit plötzlich unerwartete Fragen und Situationen auftun. Die Szene entspricht einem Kammerstück. Die Bühne erinnert an eine halb ausgeräumte Wohnung und einen Korridor, wo sich der größte Teil der Handlung abspielt. Die Wände sind mit Papier beklebt, überall stehen Kartons für den bevorstehenden Umzug. In solcher Weise entpersonalisiert, arbeitet dieser Raum gut mit den Emotionen des Publikums. Stets ist genau jener Teil der Szene angestrahlt, wo sich der zentrale Monolog oder Dialog abspielt. Alles Übrige, weniger Wichtige versinkt in der Dunkelheit. (…) In den zentralen Rollen begegnen wir Igor Ondříček (Frank), Radka Coufalová (Claudia) und Markéta Sedláčková (Romy). Die Nebenfiguren werden von Vojtěch Blahuta (Sohn Andi) und Eliška Skálová (Erzählerin und gleichzeitig Tina) gespielt. Igor Ondříček in der unangenehmen Lage des Frank, bei dem unerbittlich die Vergangenheit an die Tür klopft, spielt seine Rolle eines hin- und hergerissenen Manns sehr gut. In seiner prekären Situation ist Frank nicht in der Lage, sich richtig zu entscheiden und der Realität ins Auge zu sehen. Sein Pflichtgefühl befiehlt ihm, bei seiner Familie zu bleiben und alle Verbindungen zur Vergangenheit endgültig abzubrechen, doch bietet sein Versprechen, das er Romy vor vielen Jahren gab, die verlockende Alternative, seinen Pflichten zu entkommen. Igor Ondříček spielt seine schizophrene Figur sehr überzeugend. Radka Coufalová in der Rolle seiner Ehefrau Claudia bietet ebenfalls eine sehr solide Leistung. Die Verzweifelung einer Frau, der der Verlust ihres Lebenspartners droht, spielt sie absolut glaubwürdig. Auch Markéta Sedláčková passt sehr gut zu ihrer Rolle der schicksalhaften Femme fatale, die die stillen Wasser einer zwanzigjährigen Ehe aufrührt, um sie zum Zerbrechen zu bringen. Die unausgeglichene, pathologische Figur einer Frau, die sich in Erinnerungen und die Vergangenheit flüchtet, wird von Markéta Sedláčková mit einem Minimum an Ausdrucksmitteln hervorragend gespielt. Ihre kalte Grausamkeit und die Schicksalhaftigkeit ihres Auftritts füllen dabei durch ihr raues Nachspiel die ganze Handlung aus. (…)

 

DIE FRAU VON FRÜHER – EINE INTERESSANTE SCHAUSPIELINSZENIERUNG DES STADTTHEATERS BRNO (…)

Jaroslav Štěpaník 15. November 2017 zdroj www.literarky.cz

(…) Der Autor bietet durch seine eigenwillige Sichtweise eine Hyperbel und gleichzeitig eine künstlich herauspräparierte Modellsituation. (…) Indem er die Symbolik der antiken Tragödie bemüht,  beschwört er unberuhigende Fragen zum Heute herauf, so wie die Gegenwart viele Sicherheiten über den Haufen wirfthaufen, frühere Werte, menschliche Bindungen und Beziehungen relativiert. (…) Alžběta Burianová hat in ihrer Regie den Text mit viel Verständnis und Gefühl für den Autor in sehr gelungener Weise aufgegriffen. Auch ihre Mitarbeiter haben sich um das Stück verdient gemacht. Das Bühnenbild von Pavla Kamanová hat den Raum bewusst verkleinert und ihn näher an die Zuschauer herangerückt, eine hervorragende Lösung ist auch die erhöhte Rampe. Das Lichtdesign von David Kachlíř unterstreicht die Atmosphäre, sehr wirkungsvoll ist auch die Musik von Jakub Kudláč. Die Regisseurin konnte auf erfahrene, ausgezeichnete Akteure zurückgreifen, denen die Rollen auf den Leib geschnitten waren und die ohne Ausnahme überzeugen konnten. Den Text bearbeitete Alžběta Burianová gemeinsam mit dem Dramaturgen der Inszenierung, Jan Šotkovský. Das Stadttheater Brno bot dem Publikum mit diesem Stück eine sehr interessante, gut umgesetzte Inszenierung eines modernen Bühnenwerks mit originellen Einblicken in die Tiefen menschlicher Beziehungen. (…) Dieses Werk spricht nämlich Fragen an, die über das Schema eines Dramas hinausreichen. Die Vergangenheit ist nicht das, was vergangen oder an uns irgendwie vorbeigegangen ist. Sie ist verkörpert in der Gegenwart, reicht in sie hinein, wenngleich (zum Glück) meist nicht so unerwartet und schicksalhaft wie in diesem Stück. Das Werk erinnert an die Nuancen in der männlichen und weiblichen Wahrnehmung, in theatralischer Verkürzung wird dargestellt, wie Kinder ihren Eltern bisweilen allzu sehr ähneln und die Vergangenheit weitertragen. Während die Fremde in der Vergangenheit, in einem Traum, einem Ideal und einem ausgesprochenen Versprechen wie in ihrer Realität lebt, verteidigt die andere Frau das, wodurch sie seit so vielen Jahren lebt, mit allem, was dazugehört. Auch sie kann sich auf ein Versprechen stützen, das sogar vor dem Altar oder auf dem Standesamt unterschrieben wurde. Daran erinnert das Stück nicht, dies wird nicht behandelt, analysiert, dies ist nicht seine Absicht – es soll eher zu Fragen anregen. Ist nicht ein Versprechen wie jenes, um das sich hier alles dreht, heute oft nur eine Höflichkeitsfloskel, die keine Erfüllung erfordert? Viele Worte werden nur so dahingesagt, wohl ohne zu ahnen, dass der andere sie vollkommen anders wahrgenommen hat. Die Vergangenheit verschwindet nicht, sie bleibt mit den Erinnerungen gespeichert. Auch mit den vergessenen, an die sich jedoch andere erinnern. (…) Die Frau von früher – ein Stück über die Subjektivität, Unbeständigkeit und Vergänglichkeit menschlicher Gefühle, über die Liebe, deren Gegenspieler die Zeit und noch mehr die Natur des Menschen ist. (…)

 

DIE FRAU VON FRÜHER FORDERT IHRE UNERFÜLLTE LIEBE EIN

(tr) 10. November 2017 zdroj www.brnozurnal.cz

(…) Durch die Eingangstür einer Wohnung voller gepackter Umzugskisten betritt eine Dame namens Romy Vogtländer die Szene, um sogleich mit ruhigem Lächeln zu verkünden, dass sie sich Frank holen will. Vor vierundzwanzig Jahren habe er ihr die ewige Liebe versprochen. (…) Dessen Ehefrau ist natürlich überrascht und reagiert, wie jede andere Frau an ihrer Stelle reagieren würde: sie verlangt, dass Romy das Haus verlässt. Zu Beginn erinnert das Stück an Feydeaus Komödie Der Floh im Ohr, die Figuren hasten durch die Türen hin und her. Das Thema ist jedoch ernst, die frühere Geliebte beharrt auf ihrer Forderung, die Eheleute enthüllen nach und nach Momente aus ihrer gemeinsamen Beziehung. Sie erleben gerade zwei Umbrüche – ihren Umzug und den unerwarteten Auftritt der Exgeliebten. Banale Situationen erlangen durch unerwartete Zusammenhänge massiv an Gewicht. (…) Die Ehefrau ist vor Wut außer sich, der scheinbar ruhigere Ehemann gelangt bis zu einem Punkt, an dem er bereits dem Werben seiner einstigen Liebhaberin nachgeben will. (…) Das Stück hat einen tragischen Ausgang, der an die Medea von Euripides erinnert. In den explosiven Momenten fliegen die Requisiten bis auf die breite Vorbühne. Auf der wirkungsvollen und eigentlich verkleinerten Szene und in den Kostümen von Pavla Kamanová wird ohne Pause gespielt. Der Handlungsablauf wird durch die einfallsreiche Regie und die gute Musik von Jakub Kudláč gekonnt untermalt. (…)

 

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