Evita

Evita

  • Genre Musical
  • Bühne Musikbűhne
  • Premiere28. März 2009
  • Vorstellungsdauer2:10 hod.
  • Anzahl der Wiederaufführungen27
  • Derniére27. Juni 2012

Tanzmusical

Nach dem Welterfolg des Musicals Jesus Christ Superstar warfen sich beide Autoren auf die Musicalbearbeitung des Lebensschicksals der bedeutenden Persönlichkeit der modernen Geschichte: Eva Perón. Evita ist die Ehefrau des Diktators Juan Perón, erste Dame von Argentinien in den Jahren 1946 - 1953, und sie wird von Massen bewundert. Gegen Eva und Perón steht wie ein Chor mit einer Stimme der zynische Linkshänder Che (Che Guevara), dessen extravagante dramatische Figur der Regisseur der Weltpremiere in Prince Edward Theater in London im Jahre 1978, Amerikaner Harold Prince, schuf. Dieses Musical verwendet mit Erfolg zwei Musikgenres - Soft-Rock, mit spanischen Elementen angenehm betont, den es mit der dramatisch unterschiedlichen modernen Musiksprache meisterhaft verbindet.

Autor

  • Andrew Lloyd Webber
  • Tim Rice

Regie

Regieassistent

  • Eva Hrbáčková

Übersetzung

  • Michael Prostějovský

Dramaturg

  • Pavlína Hoggard

Bühne

Korrepetition

Choreographie

Choreographieassistent

  • Ivana Kloubková

Juan Domingo Perón

Evina matka

Evina sestra Elisa

Evina sestra Blanca

Evina sestra Erminda, Aristokratka

Evin bratr Juan, Pobočník Renzi, Oficír

Profesionální tanečník, Voják, de Gaul

Dr. Finocchietto, Milenec, Oficír

Fotograf, Aristokrat

Jeptiška, Aristokratka

Aristokrat, Milenec

Aristokrat, Fotograf

Papež, Milenec

Generál Franko

Swing company, sestra Evity

Swing

Dětský sbor

Die Elenden, Evita und die anderen

Vít Závodský 1. September 2009 zdroj Týdeník Rozhlas

Im Angebot des Stadttheaters Brno mit drei Ensembles sind einige, sich gegenseitig ergänzende Linien zu finden. Jene vielleicht auffälligste und vom Publikum wahrscheinlich meist ausgesuchte stellt das systematisch gepflegte Musikgenre dar, das sich hier nach der Eröffnung der modernen Musikbühne vor fünf Jahren markant entwickelte. Es wiegt die einzigartigen weltberühmten Inszenierungen der fremden Autoren (zum Beispiel Oliver, Die Hexen aus Eastwick oder Fame) mit den zweifellos wichtigen originellen Werken (Eine Welt voller Engel, Koločava, Nana, Rot und Schwarz, Die Ballade über die Liebe, usw.) systematisch aus. Zu den landesweit geschätzten Erfolgen des dramatischen Spielplans (diesen lassen wir heute weg), gehören zum Beispiel die Einstudierungen der Stücke In der Löwengrube, Paul I. oder Die drei Musketiere.  
 
Auf die Bühne eines "Steintheaters" die renommierten Auslandsmusicals zu bringen, welche durch die Anforderungen der Agenturen und Produzenten limitiert sind, ist keinesfalls einfach. Der Direktor des Stadttheaters Brno Stanislav Moša, der auch der Regisseur ist und gleichzeitig die Inszenierungen schriebt, ist doch auch ein sehr tüchtiger Manager mit der Reichweite auf dem ganzen Kontinent - ein Teil des Ensembles nimmt periodisch auf den europäischen Tourneen statt oder er führt eine Inszenierung zuerst außerhalb der Republik auf. Im Unterschied zu vielen Prager, ad hoc zusammengestellten Projekten setzt er langfristig auf die Entdeckung von jungen Talenten (einige Gestalten werden sogar viermal alterniert), die von der Theaterfakultät der Janacek Akademie der musischen Künste zu synthetischem szenischem Ausdruck konzeptionell erzogen werden. In der zweiten Hälfte der vorigen Saison fanden hier im kurzen Zeitabstand zwei gelungenen Ausstattungspremieren von zwei bewährten Musicals statt, von denen jene eine ausführlichere Rezension verdienen würde. 
 
Mit der Einstudierung des Werks Les Misérables - Die Elenden der Autoren Alain Boublil und Claude-Michel Schönberg in ausgezeichneter Übersetzung von Zdenek Borovec erfüllte sich Moša seinen langjährigen Künstlertraum. Auf der monumentalen, etwa realistischen Szene des Deutschen Christoph Weyers und in den Zeitkostümen der Bildnerin Andrea  Kučerová entstand eine effektvolle drei Stunden lang dauernde Freske nach dem umfangreichen Roman von Victor Hugo, und zwar mit der Beihilfe des vielköpfigen Orchesters. In dieser Freske sind die privaten Schicksale des edelmütigen Sträflings Jean Valjean (Petr Gazdík, mit dem gastierenden Jan Ježek alterniert), Polizisten Javert  (Igor Ondříček, Petr Štěpán oder Lukáš Vlček), Cosette (Radka Coufalová), Studenten Marius (Dušan Vitázek) und der anderen Gestalten geschickt verbunden. Am hoch professionellen Interpretierungsniveau und mit dynamischer Gradation dosiert er überlegt die sozialkritischen, sentimentalen sowie revolutionär pathetischen Momente. In den Kitsch rutschte zum Glück nicht einmal Evita - das ein bisschen ältere Musical des berühmten  Tandems Tim Rice - Andrew Lloyd Webber in der Umdichtung von Michael Prostějovský, auch wenn sie mit ihrem mehr abgezogenen Thema, epischer Struktur sowie mehr mäßiger Aufführung etwa im schatten der humanistischen Botschaft Der Elenden bleib. In seiner fünften Zusammenarbeit mit dem Stadttheater Brno konnte der Regisseur und Bildner Pavel Fieber seine Erfahrungen mit der Vorlage aus Deutschland verwerten. Die ziemlich kalt ablaufende Geschichte des Aufstiegs der ehrgeizigen Eva Perón (Radka Coufalová, Hana Holišová) in die Position des von Massen vergötterten ersten Dame Argentiniens fand er den Glossator in der fiktiven Figur, Che genannt (Ján Jackuliak, Stanislav Slovák, Dušan Vitázek), welche zur Enthüllung der Hinterbühne und der politischen Manipulationen des südamerikanischen Diktatorregimes beiträgt.

Die Musicalinszenatoren aus Brno sind auch in der Welt erfolgreich

(to) 9. Juni 2009 zdroj Haló noviny

Obwohl einige tschechische Journalisten die Produktionen des Stadttheaters Brno im Unterschied zu jenen aus Prag (die doch, was ihren Wert betrifft, unvergleichbar schlechter sind) außer Acht lassen, die Inszenatoren aus Brno haben markante und ungeahnte Erfolge auch in der Welt.
Es gilt auch für die gegenwärtigen Erfolge des Stadttheaters Brno mit dem populären und immer erfolgreichen Musical Evita.  
Das Stadttheater Brno ist schon für mehr als zehn Jahre ein markantes und grundlegendes Phänomen unserer Kultur und bei den wirklichen Experten (nein bei einer kleinen Gruppe der übel wollenden, dilettantischen Vielschreibern, darüber hinaus manchmal mit sonderbaren Absichten!) ist es ein unbestrittenes Phänomen. Vom Jahre 1995 ist sind seine Inszenierungen permanent ausverkauft, auch trotzdem, dass das Theater beweist, in einer einzigen Theatersaison mehr als fünfhundert Vorstellungen zu spielen. Zu dieser beispiellosen Anzahl tragen die Auslandsreisen viel bei. Und gerade in der Welt hat dieses Brünner Theater dank seinen Musicals auch seine Fans, sowie die Bewunderer in den Reihen von renommierten, wirklichen Kennern.
Während es in den Ferien auf den Bühnen des Stadttheaters Brno nicht gespielt wird, nutzen viele europäische Städte den Touristenzustrom aus und organisieren große Kulturfestivals. Auf einen von diesen, in die luxemburgische Stadt Wiltz, kehrt das Stadttheater Brno periodisch zurück. Darüber hinaus immer mit einem neuen, gewöhnlich unglaublich erfolgreichem Titel - und das konnte ihm nicht eine Prager- Broadwayszene neiden! Dieses Jahr stellten sich die Künstler aus Brno auf der Sommertheaterschau mit der ausländischen Version des Musicals Evita vor. Das luxemburgische Festival de Wiltz wurde schon im Jahre 1953, im Naturamphitheater mit imposanter Kulisse des luxemburgischen Schlosses im Hintergrund gegründet. Während der Jahre wurde die Arena mehrmals modernisiert. Einmal war es zum Beispiel die notwendige Überdachung der Bühne für den Fall des Regens. Unverändert bleibt die Zuschauerraumkapazität, seit jeher kann man hier für beinahe ein Tausend Zuschauer spielen. Jeden Sommer stellen sich dort für einige Tage nur die wirklich besten vor - Theater, bekannte Orchester, berühmte Künstler (doch ohne einige renommierte Prager Szenen). In den Spielplan dortigen Festivals wird immer die Musik gestellt, und zwar in jeder Form: es wird dort Klassik, Jazz, Oper sowie Musical gespielt. Die Akustik in diesem Amphitheater gehört zu den hochwertigsten in aller Welt, so dass jeder Musikfan dort auf seine Kosten kommt.
Bravo für Evita
Der renommierte Brünner Regisseur Stanislav Moša begann dieses Tanzmusical, das sich mit dem Lebensschicksal der bedeutenden Persönlichkeit der neuzeitlichen Geschichte, der ehemaligen populären ersten Dame Argentiniens in den Jahren 1946 - 1953 Eva Perón beschäftigt, im September letzten Jahres zu studieren - damals mit den bei der Ausschreibung in München ausgewählten Schauspielern. Die Premiere dieser Version mit internationaler Besetzung, doch mit rein tschechischem Realisierungsteam fand letztes Jahr am 18. Oktober in der deutschen Stadt Herford statt. Seitdem ist sie - ausgenommen zwei Monate - immer auf dem Weg. Es applaudierten ihr die Zuschauer in Österreich, Deutschland, Dänemark und Schweden.
In der luxemburgischen Stadt Wiltz führte das Brünner Ensemble das Musical Evita vom 24. bis zum 26. Juli. Alle Wiederaufführungen waren schon vorher ausverkauft und das Publikum belohnte seine Schauspieler immer mit lang dauerndem Applaus im Stehen.
Das Stadttheater Brno ist eine hervorragende Handelsmarke. An unserem Festival tritt es schon zum sechsten Mal auf und es hatte nie Problem, seine Zuschauer zu finden. Der Regisseur Stanislav Moša hat einen unglaublichen Sinn für Schauspielerauswahl. Sie sind hervorragend, was schauspielerischen und sängerischen Aspekt betrifft, und darüber hinaus sind sie auch perfekte Tänzer. So was ist dann leicht zu verkaufen, bemerkte der Pressesprecher des luxemburgischen internationalen Festivals Joss Scheer.
Man fährt weiter!
Seine imaginäre Reise nach dem europäischen Kontinent beendete das Musical Evita mit der Brünner Aufführung nicht. Die Inszenierung hat noch weitere acht Vorstellungen in den deutschen Städten und zwei in der italienischen Stadt Bolzen im Plan. Diese Etappe der Tournee wird am letzten August in Xanten, auf dem Festival Sommerfestspiele 2009 in wunderschöner Umgebung des archäologischen Parks beendet.
 
 
 
 

Superstar Evita im Stadttheater Brno

Naďa Satková 20. Mai 2009 zdroj rozrazil-online.cz

Das Autorentandem Webber - Rice wurde vor allem dank den Musicals "Joseph and the Amazing Technicolor Dreamcoat", "Jesus Christ Superstar" und "Evita" bekannt. Alle drei Werke sind jetzt im Spielplan des Stadttheaters Brno zu finden, die Prämiere des letzt genannten Musicals fand am 28. März statt.
Das durch das Schicksaal von Eva Duarte-Perón inspirierte Musical (der es gelang, aus einer nicht zu viel erfolgreichen Schauspielerin die erste Dame Argentiniens zu werden) wurde in Tschechien im Jahre 1998 im Prager Theater zum ersten Mal aufgeführt. Das damalige Inszenierungsteam wählte die Übersetzung von Jiří Bryan aus. Evita in der Regie von Petr Novotný und Roman Štolpa wurde von Radka Fišarová und Tereza Slouková alterniert, die anderen Gestalten stellten Jiří Bareš, Dan Bárta, Josef Štágr oder Karel Černoch dar.
Die Autoren aus dem Stadttheater Brno wählten für ihre Bearbeitung die Umdichtung von Michael Prostějovský aus, dessen gesprochene moderne Übersetzungen sich in anderen Inszenierungen in Brno bewährten, z.B. "Jesus Christ Superstar, "Joseph and the Amazing Technicolor Dreamcoat" und "Cats".
Die Inszenatoren versuchten nicht, die Geschichte der neuzeitlichen Superstar Evita in die Gegenwart zu übertragen, die Regieauffassung (Pavel Fieber) orientierte sich an die glaubwürdige Darstellung der Beziehungen unter den drei zentralen Gestalten (Präsident Juan Perón, seine Ehefrau Eva Duarte-Perón alias Evita und Glossator der Handlung Che).
Die Geschichte, die die Motive des Kampfes um die politische Macht, der Gewinnung der Präferenzen der Wähler und des Ausbaus der Image enthält, muss nämlich nicht gewaltsam aktualisiert sein; der Zuschauer weiß, die Parallele mit der Gegenwart in ihr einfach zu lesen.
Die verschiedenartigen Kostüme (Andrea Kučerová) und die einfach gelöste Szene (Pavel Fieber), die durch einen Umgang und zwei Treppenhäuser gebildet ist, tragen zu einfacher Darstellung der Schauplätze und ihrem schnellen Wechseln bei. Sie deuten mehr an als beschreiben. Ein Rollbett, auf dem Evita einen ihrer Geliebten umarmt, verändert sich durch einfache Drehung in ein Auto, in dem sie entgegen der pulsierenden Großstadt mit dem Namen Buenos Aires fährt. Auch die fahrbaren Ebenen dienen zur funktionsfähigen Darstellung des "Defilees" der europäischen Städte, deren Herrscher Evita bei ihrem Besuch bezauberte (Lied Rainbow Tour).
Der Weg von Eva Duarte-Perón aus dem Boden auf den Gipfel der gesellschaftlichen Rangliste war wahrscheinlich nicht immer politisch korrekt. Sie erschien doch immer in richtiger Zeit auf richtiger Stelle und es gelang ihr, die Liebe des späteren Präsidenten des Argentiniens sowie die Volksgunst zu gewinnen. Sie gab den Menschen die Hoffnung und die Lust zurück, für ein besseres Leben zu kämpfen, und für viele bleibt sie bis heute eine unberührbare Abgöttin.
In der Inszenierung in Brno wurde die Gestalt des verehrten sowie gefürchteten "Aschenbrödels von Argentinien" von Radka Coufalová dargestellt. Ihre Evita ist eine leidenschaftliche Frau, die ihr Ziel folgt und über Charisma verfügt, mit dem sie weiß die Massen zu beherrschen. Die Ambivalenz dieser Gestalt ist im Kontrast zwischen ihrem Verhalten bei der Erfüllung der staatsmännischen Pflichten und im Privatleben zu sehen. Die Aufmerksamkeit der Herrscher zieht sie mit ausladenden Gesten und selbstbewusster Körperhaltung, außerhalb der Reichweite der Medien und Creme wirft sie die Maske einer unverletzbaren Frau weg und versinkt sich in ihr Inneres. Am besten ist es in der Kammerszene zu sehen, die in Evitas Damenzimmer spielt (Lied Dein Olymp). In dieser Szene hält der allgegenwärtige Kommentator Che ihr einen Spiegel vor - bildlich sowie buchstäblich. Evita in der Darbietung von Coufalová kapituliert nicht, aber in diesem Moment ist sie sich der Einsamkeit der Frau bewusst, die an den Gipfel kam, aus dem alle Wege nur unten führen.
Che (Dušan Vitázek) ist in dieser Inszenierung keine historische Gestalt - Revolutionär Che Guevara, wie es in einigen Interpretationen war und wozu die politischen weltbewegenden Ereignisse verführen könnten. Che in der Darbietung von Vitázek steht oft abseits der größten Mummerei, aber immer so, dass ihm kein Wort eines wichtigen Gesprächs entgeht. Er beobachtet das Geschehen und kommentiert es mit ironischer Übersicht. Seine Unanwesendheit im heißen Zentrum der Diskussionen bedeutet Abstand und Fähigkeit, rationeller nachzudenken als die Personen, die inmitten der politischen Maschinerie stehen. Seine energische Sehnsucht, die Welt zu veränderen, transformiert sich in der Auffassung von Vitázek in ein fern stehendes Glossieren der Ereignisse. Che denkt sich sein Teil und vergnügt, als ob von oben, schaut er die Figuren, die nach Ruhm und Geld haschen.
Mit der schwierigen Gestalt von Juan Perón wusste sich Igor Ondříček zu helfen. Die Gestalt des Staatsmannes beschenkt er mit Entschiedenheit, er bleibt doch nicht nur bei der Darstellung der asexuellen staatsmännischen Unerschüttlichkeit, sondern er weiß auch die gewendete Seite Peróns Lebens, voll von Zweifeln, Unsicherheiten sondern auch Liebe, darzustellen. In den Duetten mit Evita löst sich die Härte von Perón und die Äußerungen der Gefühle und des Verständnisses wirken ganz real. 
Durch ihre sängerische Sicherheit und durch ihre Fähigkeit, während eines Moments den Charakter der Gestalt auszudrücken, fesselte auch Mária Lalková in der Gestalt der Geliebten von Perón (Lied Another Suitcase In Another Hall).
Eine wichtige Rolle hat in der Inszenierung auch die Choreographie. Der Tanz symbolisiert nicht nur die politische Rochade (bei dem Lied Weg der Möglichkeiten fallen die Generalen einer nach dem anderen aus der politischen Szene heraus und am Ende bleibt nur der einzige - Wahlsieger Perón), sondern auch den verzwickten "Tanz unter Eier", dank dem Evita zum Posten der ersten Dame Argentiniens gelang. Die berühmte Musik-Tanzszene "Der Walzer für Evita und Che" soll die direkte Konfrontation zwischen diesen zwei gegensätzlichen Personen sein. Ihrem "Tanzkampf" fehlt in dieser Inszenierung die Dringlichkeit, sie tanzen weder auf "Messers Schneide" noch mit offenen Karten; diese Kreation hat keine Form eines fatalen Konflikts, doch mehr einer Bestätigung der gegebenen Kraftaufteilung.
Der Anfang der Märzpremiere machte einen verlegenen Eindruck, als ob jeder der Akteure seinen eigenen Part ohne Rücksicht auf die anderen spielte und sang. Den unsicheren Anfang entschädigte doch das Finale des ersten Teils der Inszenierung, in dem sich der musikalische, sängerischen und schauspielerische Teil in einer gehörigen Symbiose verbanden. Radka Coufalová, Dušan Vitázek und Igor Ondříček exzellierten im Lied mit dem Namen Sieh in die Zukunft, Argentinien.
Evita im Stadttheater Brno bedarf keine zu viel dekorierte Szene und mit Gold verschönerte Kostüme. Dank der Kammrauffassung und dank dem Vorziehen des schauspielerischen Ausdrucks vor dem kalten Pomp ist die Brünner Bearbeitung dieses weltberühmten Musicals keine oberflächliche Unterhaltung. 
 
 

Die Elenden und Evita sechs Wochen nacheinander? Warum nicht.

Lenka Suchá 28. April 2009 zdroj Brněnský deník

Brno - das Musicalensemble des Stadttheaters Brno studierte zwei berühmte Weltmusicals ein. In einer Rekordzeit und beinahe ohne Hilfe der Gäste.
Das, wofür in anderen Theatern für einige Saisons den Mut aufbringen würden, schaffte das Stadttheater Brno in ein paar Wochen. In dieser Rekordzeit gelang es dem Team um den Direktor und Regisseur Stanislav Moša herum, zwei gegenwärtige Hits des Weltmusicals - Die Elenden (Premiere am 13. Februar) und Evita (Premiere am 28. März) - einzustudieren. In keinem Fall handelt es sind doch um hinschluderte Schnellarbeiten, sondern um die professionell gemachten Inszenierungen.
Mit der Aufführung Der Elenden (im Original Les Misérables genannt) von Alain Boublile und Claud-Michael Schönberg erreichte das Stadttheater ein inländisches Primat. Das berühmteste Weltmusical, von vielen anderen Superlativen bekränzt (zum Beispiel nach dreiundzwanzig Jahren seiner kontinuierlichen Aufführung in London handelt es sich um das längst gespielte Musical in der Geschichte!), wurde nämlich vom Stadttheater Brno als vom ersten Repertoiretheater bei uns einstudiert. Bisher wurde es nur von den Prager Privatproduktionen aufgeführt, wobei die erste Inszenierung im Jahre 1992 den Musicalboom in Tschechien startete.
Und gerade aus dieser denkwürdigen Einstudierung lieh sich der Regisseur Stanislav Moša den Darsteller der Titelgestalt für Brno aus. Der erfahrene "tschechische Jean Valjean" Jan Ježek spielte den entflohenen Galeerensträfling nicht nur in beiden Regieinterpretationen von Petr Novotný (zum zweiten Mal war es vor sechs Jahren bei der erneuerten Premiere in der Prager Goja Music Hall), aber er repräsentierte uns auch bei dem Jubiläumstreffen von allen Weltdarstellern dieser Gestalt in der Londoner Royal Albert Hall.
Als Alternierung kam zu Ježek der Mitglieder des Ensembles aus Brno Petr Gazdík zu, der sich mit den anspruchvollen sängerischen Parten auf der Grenze des Musicals und der Oper mit bewundernswerter Selbstverständlichkeit zu helfen wusste (bei seinem Vaterunser über dem schlafenden Marius auf der Barrikade läuft es kalt über den Rücken). Nach den meistens ungestümen Helden überzeugte Gazdík in der Gestalt des durch Schicksal geprüften Durchgängers mit seiner souveränen, dabei doch demütigen und konzentrierten Leistung. 
Die anderen Gestalten wurden in den Alternierungen (manchmal sogar vierfachen!) unter fast alle Mitglieder der Brünner Musicalsektion geteilt - Ondříček, Štěpán, Mazák, Jícha, Vitázek, Holišová, Sedláčková, Coufalová.... Die Charaktere der Gestalten sind durch die Zeitkostüme von Andrea Kučerová hervorgehoben (insgesamt entwarf sie mehr als fünfhundert Kostüme!) und um die zuverlässige Unterstützung der Schauspieler kümmerte sich auch das live spielende fünfunddreißigköpfige Orchester unter der Leitung von Jiří Petrdlík. Die sich einfach anbietende Abgleitung der Geschichte zu versüßtem Pathos und Sentiment wurde durch die bis naturalistisch rohe Ausstattung verhindert. Der deutsche Bühnenbildner Christoph Weyers behalf sich bei ihrer Darstellung nicht nur mit dreidimensionalen (im Filmstudio Barrandov nach Maß hergestellten) Kulissen, sondern auch mit Videoprojektionen und wirkungsvollen Lichteffekten (die Schlussszene der ersten Hälfte scheint, vom Regisseur Moša aus dem bekannten Bild von Delacroix "Die Freiheit führt das Volk auf die Barrikaden" ausgeliehen zu sein).
Mehrmals wurde hier auch die einfallsreiche Inszenierungsabkürzung verwendet, gleich ob bei spontaner Bildung der französischen Trikolore aus Herrenhemden und Frauenunterröcken, oder bei schnellem Zusammenbau der Schutzbarrikaden aus Tischen.
Was Evita, das erfolgsreichsten Weltmusical aus der Jahrzehntwende der siebziger und achtziger Jahre, betrifft, handelt es sich im Stadttheater Brno um die erst zweite Aufführung dieses Musicals auf den tschechischen Bühnen (die Premiere fand im Prager Theater Spirála im Jahre 1998 statt). Diese berühmte Rockoper von Tim Rice und Andrew Lloyd Webber mit dem unsterblichen Hit Don´t Cry For Me Argentina wurde in Brno vom deutschen Regisseur Pavel Fieber in Szene gesetzt, der mit dem hiesigen Ensemble schon mehrere Musikinszenierungen einstudierte.
Die Gestalt der scharmanten Ehefrau des Präsidenten Juan Domingo Perón teilten in Brno drei Schauspielerinnen untereinander. Für Radka Coufalová handelt es sich dabei um die dritte Hauptgestalt in dieser Saison (nach Lena in Der Höhle und nach Schneewittchen). Das größte Verdienst an dem schnellen Verlauf der Handlung hat doch die Gestalt Che, Evitas Alter Ego. Während bei einigen Weltproduktionen diese imaginäre Figur mit dem berühmten linksgerichteten Revolutionär Che Guevara identifiziert wird (von Herkunft ein Argentinier, der doch die reale Eva Perón nie traf), stellt Fieber diesen Che als einen Erzähler und Demonstrator der Handlung um Evita herum vor. Er ist mit ihrem Verhalten nicht zufrieden und kommentiert es mit bissiger Übertreibung. Und Dušan Vitázek in Brno schafft es ausgezeichnet! Er spielt souverän mit seiner Rolle, im Blitztempo wechselt er die Verkleidungen sowie die schauspielerischen Lagen und Stimmlagen, seine Gesten sind natürlich und gleichzeitig durchgedacht. Mit dem mit witziger Abkürzung kombinierten Zynismus füllte Fieber auch einige andere Auftritte ein. Zum Beispiel wenn sich Evita bei einer hinreißenden Tanznummer, die in der Darbietung der Company gerade auf der Bühne tobt, den Weg in die Mitte der Bühne macht und sich auf dem Modell einer schweizerischen Bank in aller Gemütsruhe einnistet.
Die zwei Stunden lange Inszenierung verläuft im atemraubenden Tempo, auf der vom Fieber selbst hergestellten Szene wechseln die Attrappen der polierten Autos mit effektvollen Tanznummern, es klingen langsame Balladen, schnelle lateinamerikanische Rhythmen sowie vom Chor gesungenen Choräle.
Das Musicalensemble des Stadttheaters Brno, während der letzten fünf Jahre durch die Hits Das Kabarett, Hair, Oliver!, Jesus Christ Superstar, Der Fiedler auf dem Dach oder Die Hexen aus Eastwick dressiert, bestätigte mit Den Elenden und Evita seine momentane Form, in der es für es kein Problem ist, praktisch jeden beliebigen Titel einzustudieren.
 
 

Die Revolution ließ er nur in den Köpfen der Zuschauer

(VŽ) 14. April 2009 zdroj Haló noviny

            Die letzte Premiere auf der Musikbühne des Stadttheaters Brno war das weltbekannte Musical Evita aus der Werkstatt des berühmten britischen Autorentandems Tim Rice und Andrew Lloyd Webber. Es wurde vom Regisseur Pavel Fieber einstudiert.
            Der Regisseur Fieber führte zur Einstudierung ein: "In Deutschland funktionieren die Musicals nach dem amerikanischen Modell - die Schauspieler singen und tanzen, sie können doch nicht spielen. In Brno sind sie darüber hinaus aus sehr gute Schauspieler, deshalb weiß ich die Zusammenarbeit mit dem Stadttheater Brno wirklich zu schätzen".
            Im Ausland erinnern ihn die Musicals ehr an Komödien an. Der Inhalt der neu aufgeführten Evita ist ein ernsteres Thema. "Die Zentralgestalt "Che" ist kein Che Guevara, aber ehr ein "Mann vom Volk". In Evita kämpfen alle gegen alle im Rahmen des Gesellschaftssystems. Evita macht dabei die Karriere bis zu ihrem traurigen Ende, wann sie als die Heilige verehrt wird. Durch die politische Entscheidung verschwand sie, damit kein neuer Wallfahrtsort entsteht, und ihr Körper wurde erst nach siebzehn Jahren gefunden. Dem Mann vom Volk - Che gefällt es gar nicht; auf der Bühne lässt er merken, dass es so wirklich nicht gemacht sein kann - also wie sich die Armee, Aristokratie sowie Evita benehmen. Am Schluss verändert sich dieser Mann vom Volk in Che Guevara und alles strebt der Revolution zu. Das aber außerhalb der Szene, nur in den Köpfen der Zuschauer, weil die Vorstellung zu Ende ist. Die an und für sich politische Geschichte wird von den hervorragenden, hinreißenden Tänzen begleitet", bemerkte Regisseur Fieber.
          

Die Noblesse von „Evita“ beeinflusst Brno auf die richtige Weise

Ondřej Doubrava 1. April 2009 zdroj Musical.cz

            Die diesjährige Musicalsaison kann ohne weiteres - besonders im Außerprager Maßstab - als die "Saison der Superlativmusicals" bezeichnet sein. Praktisch gleich nach dem Titel „Les Misérables - die Elenden" bereitete das Ensemble des Stadttheaters Brno, in einer Probezeit von etwa fünf Wochen, einen weitern legendären Titel vor, und zwar "Evita" des Autorenteams Andrew Lloyd Webber und Tim Rice.
            (Bei der öffentlichen Generalprobe und Premiere am 27. und 28. März gesehen, die Darsteller der Titelgestalten waren dieselbe).
            Mit dieser Premiere wurde im Stadttheater Brno eine für die Geschichte des modernen Musicals wichtige Trilogie komplettiert. Genau, alle drei öffentlich aufgeführten Werke des Teams Andrew Lloyd Webber - Time Rice wurden zu grundsätzlichen Meilensteinen und es wäre nur schwierig, ohne diese seine gegenwärtige Entwicklung vorauszusetzen, für viele Autoren stellen sie bis heute mindestens eine undirekte Inspiration dar. Sicher, es ist hier noch ihr erstes Werk „The Likes Of Us“, aus diesem gibt es doch nur eine neue Aufnahme aus dem Workshop (Testvorstellung) in Syndmonton, wo der Sitz von Lloyd Webber ist.
            Es erlebte auch eine außergewöhnliche Konzertausführung. Mit einer wirklichen Theaterinszenierung dieses Werks können wir aber wahrscheinlich nicht mehr rechen. Deshalb ist hier nur die Trilogie und "Evita" ist ihr Gipfel. Wahrscheinlich wäre es also gut, auf der Musikbühne ein kleines Festival zu organisieren und die Werke in einer Reihe, vielleicht in drei Tagen aufzuführen. 
            Dank dem genialen Einfall des Librettisten Tim Rice ist der Lebenslauf von Eva Perón originell ausgebaut, wodurch er ganz übersichtlich und verständlich auch für "zufällige" Zuschauer wird, die keine Informationen über die ehemalige erste Dame von Argentinien, Heldin und beinahe Heilige des Volkes voraus suchen werden (sie können sie im Programm lesen); gleichzeitig sind in ihm viele frisierte oder fiktive Sachen zu finden, aber immer zu Gunsten der Sache. Der feste dramatische Bogen wird hier von Che - Erzähler gesichert, der uns durch den Schicksal von Evita eingeweiht durchführt; übrigens, er war bei allen wichtigen Ereignissen anwesend. Er hat doch einen Fehler. Zu dieser Person fühlt er unwirkliche Bewunderung mit noch größerem Hass gemischt. Alles steuert auf gegenseitige Konfrontationen und Schlusswalzer auf dem Friedhof hin....
            Die Inszenierungsauffassung des deutschen Regisseurs und gleichzeitig Bühnenbildners Pavel Fieber ist zum mindesten interessant und bei der Beschreibung wird sie vielleicht auch ein bisschen verlockend aussehen. Übrigens, es handelt sich wirklich um eine Bühnenausführung; das Lied aus der ausgezeichnete Filmbearbeitung von Alan Parker „You Must Love Me“ finden sie in dieser Vorstellung wirklich nicht und sie erleben auch andere Änderungen. Die Handlung ist auf die minimalistische, dunkle Szene mit Seitentreppen und "unsichtbaren" Türen, mit markantem Balkon, auf dem das Volk die gesamte Bühnenhandlung beobachtet, situiert. Es ist hier die wunderschöne Musik von Lloyd Webber; darüber hinaus ist die Choreographie von Vladimír Kloubek äußerst energisch und effektvoll, die Kostüme von Andrea Kučerová sind schon traditionell wunderschön. Die Musikeinstudierung von Karel Albrecht, Jiří Petrdlík und Martin Procházka widersetzet sich dank den neuen Arrangements aus London zwar ein bisschen der originellen Genrebezeichnung "Rockoper", aber die "thematischen" latein-amerikanischen Rhythmen haben auch viel zu sagen. Und wie viel Temperament ist hinter diesen versteckt!
            Gelungen ist die Umdichtung von Michael Prostějovský, auch wenn sie für die Zuschauer ein bisschen schwieriger ist als seine anderen Werke. Die Kenner werden sie sicher mit der Prager Übersetzung des Werks von Jiří Bryan aus dem Theater Spirála vergleichen. Meine Rezension wird kein Vergleich machen, die Prager Inszenierung des Werks konnte ich damals leider nicht sehen und ich kenne nur ihre Fragmente. Hinsichtlich zum Minimalismus der Kulissen sind die Spielen mit Light-Design sehr interessant. Dieses trägt zu den Gipfeln des Abends bei, zu denen die Lieder „Buenos Aires“, „The Money Kept Rolling In (And Out)" und natürlich "Der Walzer für Evita und Che" gehören. Durchaus ausgezeichnet funktioniert dann die leichte Interaktion mit dem Zuschauer. So kann Evita den Zuscheuern in den ersten Reihen ihre Fotografien verschenken. Ein riesiges Erlebnis ist dann ihre letzte Rundfunkrede, wann sie schon schwach, im Rollstuhl sitzend, zu ihrem Volk zum letzten Mal spricht. Dadurch, dass bei dieser Szene die Leuchten im Saal schwach erleuchten, hat dieses Moment einen ungewöhnlichen Effekt; kurz gesagt, sie werden zu einem seinen Bestandteil und Eva Perón spricht direkt zu ihnen.
            Für die Vorstellung sind doch grundsätzlicher einige interessante Regieverschiebungen und Bearbeitungen. Jene größte betrifft gerade die Gestallt des Erzählers Che. Der ursprünglichen Idee von Tim Rice nach ist er hier als ein gewöhnlicher Mensch aus der Masse vorgestellt, der die ganze Zeit über auf die Fehler der anderen hinweist - der Aristokratie, Wehrmacht und vor allem auf jene von Evita. In der Interpretation von Fieber parodiert er ihren jeden Schritt (gleichzeitig trägt er damit zu der "Anbetung" der Hauptgestalt unbeabsichtigt bei) und zwar manchmal auch in den Übergriffen in die Gegenwart („The Lady’s Got Potential"). Einige Kenner des Werks könnten aber einige Erleichterungen zu markant finden, die Gestalt bekommt in ein Paar Szenen, zum Beispiel bei "Rainbow Tour", größeren komischen Ton, als es notwendig ist. Bei den Zuschauern wird sie doch sicher Erfolg haben, vielleicht wird sie auch zu größerem Verständnis dienen.
            Weil sich die ganze Handlung um fünf Hauptgestalten dreht, ist die Bewertung ihrer Leistungen ziemlich kurz.
            Ein riesiger Vorteil des Stadttheaters Brno besteht darin, dass es ein Repertoiretheater ist und dass so seine Stars die prinzipiellsten Charaktere des Genres treffen können. Zum Beispiel Dušan Vitázek traf im Verlauf der Zeit alle männlichen Hauptgestalten der "Trilogie". Aus Jesus wurde er in der nächsten Saison Joseph, der von seinem Vater einen "Technicolor Dream Coat" bekam, und jetzt kommt der meist komplizierte Charakter an die Reihe -- der freche Begleiter der Handlung und Glossator Che. Ohne Radka Coufalová, über die wir noch sprechen werden, wäre es seine "Oneman show", er verlässt die Bühne praktisch nicht. Was sein Gesang betrifft, ist er durchaus souverän, in den Charakter brachte er auch eine große Portion des notwendigen Charisma und der Strenge. Gut wusste er sich auch mit den oben erwähnten Regieverschiebungen in der Gestalt auseinanderzusetzen; auch wenn wir mit diesen nicht voll einverstanden sein müssen, klingen sie in seiner Darstellung ganz natürlich und selbstverständlich aus.
            An Radka Coufalová wurde schon vor zwei Jahren der Thalia-Preis für die Darstellung der Erzählerin in "Joseph and The Amazing Technicolor Dream Coat" erteilt. Eine äußerst schwierige Aufgabe, ehrlich gesagt. Evita ist die Aufgabe mit vergleichbarem oder noch höherem Schwierigkeitsgrad. Sie wusste sich doch mit ihr mit gehöriger Grazie auseinanderzusetzen; darüber hinaus weist sie drei Umwandlungen der Gestalt zu trennen: von einem naiven Dorfmädchen, über die berechnende Karrieristin, die mit den Menschen nicht gerade in Handschuhen umgeht, bis zu der ersten Dame von Argentinien. Und sie können glauben, wenn sie nach der berühmtesten Arie „Don’t Cry For Me, Argentina“ (Balkon des Volks wird sich in einen Bestandteil des Präsidentenpalast umwandeln) zum ersten Mal zu dem Volk sprechen wird, wird es ihnen eiskalt über den Rücken laufen!  
            Juan Perón in der Darbietung von Igor Ondříček wirkt nicht als ein strenger Diktator, sondern eher als ein durch die Herrschung ermüdeter Volksheld mit viel Verantwortlichkeit und darüber hinaus unter dem Druck seiner eigenen Offizieren sowie der Angst um die Zukunft des Volkes. Es kann nicht einmal sehr gute sängerische Leistung fehlen.
            Die für die Zuschauer dankbare Rolle des Tangosängers Augustin Magaldi - des ersten prinzipiellen Geliebten mit seinem Schlager „On This Night of the Thousand Stars" - stellte auf eine ausgezeichnete Weise Jiří Mach dar.
            Die letzte wichtige Minirolle ist die Geliebte von Perón, die wegen ihrem ein Paar Minuten langen Aufenthalt auf der Bühne wahrscheinlich nicht verdienen würde, erwähnt zu sein. Alles ist doch anders, weil es ihr der wunderschöne Song „Another Suitcase In Another Hall" zur Verfügung steht. Und Mária Lalková weiß ihn ausgezeichnet zu interpretieren.
            „Evita“ ist eine weitere, sehr gelungene Inszenierung mit souveränen Leistungen von allen Darstellern, einschließlich der Company, mit origineller Auffassung des Themas und mit elektrisierender Atmosphäre. Für einige Zuschauer könnte sie doch mehr anspruchvoller sein. Dennoch, wenn es ihnen diese Legende gefällt und wenn sie sie verstehen, werden sie die Inszenierung in Brno sicher zu schätzen wissen.    
 

„Evita“ - die Saison der Superlativmusicals setzt fort

Pavel Košatka 1. April 2009 zdroj Musical.cz

         "Evita" - Rockoper des berühmten Komponisten Andrew Lloyd Webber erlebte ihre zweite Aufführung in der Tschechischen Republik. Nach der Einstudierung im Theater Spirála im Jahre 1998 (Regie Petr Novotný) kehrt Evita auf die tschechischen Bühnen zurück, diesmal auf die Musikbühne des Stadttheaters Brno. Wie war die weitere Brünner Prämiere eines Welthits in dieser Saison?
            Ausgezeichnet! Die Musik von A.L. Webber ist schon beinahe legendär, jeder von uns hörte schon mindestens einmal das Zentrallied „Don’t Cry For Me Argentina“ - im Rundfunk, auf der Bühne oder in der bekannten Filmversion des Musicals. Evita war ursprünglich als die Rockoper bezeichnet; doch in der Musikeinstudierung unter der Führung der Dirigenten des Stadttheaters Brno geht der Rock ein bisschen beiseite und in den dynamischen Passagen bleiben meistens nur die latein-amerikanisch gestimmten Rhythmen, und zwar nach dem Vorbild der neusten Londoner Einstudierung. Keine Angst, E-Bass werden sie doch hören, aber nicht in solchem Maß, wie wir bisher gewöhnt waren. Noch die Zugabe der markanten Trommel, die zu überhören sind, verdient, erwähnt zu sein. 
            Diejenigen, die unsere Server aufmerksam lesen, wissen, dass für die Brünner Einstudierung von Evita eine neue Umdichtung verwendet war, und zwar von Michael Prostějovský (im Theater Spirála wurde die Übersetzung von Jiří Bryan aufgeführt). Viele von ihnen hörten sicher die Prager CD, so dass andere Texte zu hören, das kann eine Ungewohnheit sein, aber Michael Prostějovský lieferte wieder eine ausgezeichnete Arbeit und auch trotz einigen weniger gelungenen Passagen (unter Berücksichtigung der Übersetzung von Bryan) ist das tschechische Libretto brillant.
            Der Regie und gleichzeitig der Szenographie nahm sich Pavel Fieber an, der Evita schon zweimal einstudierte - in Dortmund und Karlsruhe. Jene szenische Auffassung hängt in diesem Fall mit der Regie zusammen. Die Szene von Evita ist nämlich ziemlich minimalistisch und außer dem Balkon finden wir hier keine andere Kulissen, ausgenommen Stühle, Bette, Truhe, usw. Und gerade durch diese leere Szene sind wir gezwungen, die Schauspieler ständig zu beobachten, die von Fieber erfahren so geführt sind, dass sie den leeren Raum auf der Bühne auszufüllen wissen. Und das gelang sich.
            Radka Coufalová in der Hauptgestalt von Eva Duarte de Perón war famos, anfangs hatte ich zwar Angst, aber währen den ersten Szenen kam sie vollkommen in ihre Rolle und lieferte eine riesige Leistung, und zwar nicht nur was ihr Gesang und ihre Schauspielkunst betrifft, sondern auch was ihr Tanzen betrifft. Haben wir in ihr vielleicht eine neue Adeptin an den Thalia-Preis? Der Rolle des Handlungsglossators, des ironischen Opponenten Che, nahm sich bei der Prämiere Dušan Vitázek an. Gerade an dieser Rolle arbeitete der Regisseur am meisten und jeder Auftritt ist bis zum kleinsten Detail durchgearbeitet. Das gemeinsame Duett mit Evita "Der Walzer für Evita und Che" stellt dann ein Gipfelmuster dar, wie das Musiktheater aussehen soll (mindestens in meinen Augen).
            In den weiteren Singerrollen stellten sich Igor Ondříček (Juan Domingo Perón), Jiří Mach (Augustín Magaldi) und Mária Lalková (Geliebte von Perón) vor. Alle lieferten ausgezeichnete Leistungen, ich persönlich würde gerade die Minirolle von Mária Lalková mit dem ausgezeichnet gesungenen Lied „Another Suitcase In Another Hall" hervorheben. Im Stadttheater Brno ist natürlich auch eine professionelle, vielköpfige Company, diesmal noch um einen Kinderchor ergänzt.
            Das Tempo der Vorstellung ist von den dynamischen Liedern (z.B. „The Money Kept Rolling In (And Out) oder „The Lady’s Got Potential") getrieben, bei denen ich wie schon mehrmals bemerkte, was für ein ausgezeichnetes Light-Design dem Stadttheater Brno zur Verfügung steht. In der Kombination mit der live Choreographie von Vladimír Kloubek werden dann diese Szenen zu den Gipfeln der Vorstellung (übrigens, diese dauert auch mit der Pause nur 2 Stunden und 10 Minuten) und sie haben Lust, zu der tanzenden Masse auf der Bühne beizukommen.
                        Auch ein Paar Einfälle, z.B. Interaktion mit den Zuschauern in den ersten Reihen, denen Evita ihre Fotografien verschenkt, oder Eva sitzend auf dem Gebäude einer schweizerischen Bank, verdienen, erwähnt zu sein. Sehr passend sind auch die Kostüme von Andrea Kučerová. Interessant ist wieder auch die Broschüre (Programm) zum Musical, in der nicht nur die ganze Geschichte des Musicals Evita beschrieben ist, sondern die uns auch die Lebensläufe der einzelnen Personen aus der Handlung vorstellt. Wir finden in ihr auch das exklusive Interview mit dem Autor des ursprünglichen Librettos Tim Rice und das komplette tschechische Libretto von Michael Prostějovský (sie können so die einzelnen Texte mit der Prager Aufnahme zu Hause vergleichen).        
            Evita im Stadttheater Brno überraschte mich wirklich viel und übertraf alle meine Erwartungen. Die geniale Musik von A.L.Webber mit neuen tschechischen Texten verliert nichts aus ihrer Qualität nicht einmal nach den Jahren. Ganz im Gegenteil, die ausgezeichneten Leistungen von allen Darstellern frischen sie auf. Die leere Szene wird von der dynamischen Regie, Choreographie und vom Light-Design kompensiert. Wagen sie nicht und besuchen sie Evita. Sie werden sicher nicht enttäuscht sein!
           
 

Evita ohne Heiligenschein

Michal Novák 28. März 2009 zdroj I-divadlo.cz

            Das Stadttheater Brno setzt seine Traumsaison fort. Mindestens für die Liebhaber der großen Open aus dem Genre, das Musical genannt wird. Nach der philosophisch gestimmten Höhle und der Familieninszenierung Schneewittchen und die sieben Zwerge (in den beiden Fällen handelt es sich um neue originelle tschechische Musicals) wurde das Programmschema der Musikbühne des Stadttheaters Brno um zwei legendäre Weltmusicals bereichert - Die Elenden und Evita. Und gerade Evita wurde von dem anerkannten deutschen Regisseur mit den tschechoslowakischen Wurzeln Pavel Fieber im Raketentempo einstudiert.
 
           Diese berühmte Rockoper des Librettisten Tim Rice und Komponisten Andrew Lloyd Webber hatte keine guten Voraussetzungen, erfolgreich zu werden. Aus dem Text ragen undichterische Ausdrücke wie "Gewerkschaften, Wahlen, Vicepräsident" hervor, zum Thema des Musicallibretto wurde das wirkliche Schicksal der kontroversen Persönlichkeit der neuzeitlichen argentinischen Geschichte und die ganze Handlung dreht sich um die Politik herum. Als dramatisch tragend können wir doch die Tatsache betrachten, dass es sich um die Politik handelt, die in den Augen der Öffentlichkeit eine Illusion des Ideals geschickt herstellt und die die für die Masse anziehenden Veranstaltungen ausnutzt.
   
         Die Inszenierung von Pavel Fieber beschreibt die im Stile "vor allem Image" geführte Regierung. Dazu gehören vor allem pompöse Gesten und Lächeln in Fotoapparatobjektive, die Fieber bis zu den Bildern des Zynismus zu führen weiß. Ihren Gipfel erreichen sie in der Szene mit Evitas Besuch bei kranken Kindern. Evita war keine Heilige, auch wenn wir uns - wie auch ihr dramatischer Opponent Che (oder gerade ihr Alter Ego) - dem Bekenntnis nicht erwehren, dem riesigen persönlichen Zauber dieser zerbrechlichen, doch energischen Frau stark zu unterliegen; der Frau, die von der Provinznaivität bis zur Seite des Diktators Perón und beinahe zu ihrer eigenen Vergötterung in den Augen der bezauberten Masse gelang. Wenn wir dazu noch Demagogie, schamlose Manipulation und persönlichen Opportunismus zugeben, zeigt die so viel charismatische Eva Perón eine beunruhigende Tatsache: die Zeit hob zwar den Vorhang ab, aber diese politischen Axiome scheinen ewig zu sein. Die Akzentuierung Evas Widersprüche gipfelt in der Inszenierung, meiner persönlichen Meinung nach, mit dem witzigen Auftritt, wann "Santa Evita" inmitten der Tanzmanie mit ihrem Hinterteil und in einer Geste des Hochmuts auf dem Modell einer schweizerischen Bank landet.
   
         Evita ist primär doch nicht über die Politik. Nach Den Elenden gibt das Stadttheater Brno zu den Fragen der elementaren Moral des Einzelnen eine andere, kennzeichnende Diskussion zu, diesmal über die Behandlung der Moral in der Abhängigkeit von der Gesellschaftsstellung. Auf der Bühne des Stadttheaters Brno resoniert also wieder ein den heutigen Tagen nahe sehendes Thema, und es ist dabei nicht sehr wichtig, dass es durch das Libretto und die wunderschöne Musik in der, in ihrem Genre führenden und für Zuschauer sehr attraktiven Produktion vorkommt.
   
         Wenn das Thema des Musicals nur bei dem Aufstieg und traurigen Ende der ersten Dame von Argentinien auf der Wende der vierziger und fünfziger Jahre des letzten Jahrhunderts bleiben sollte, würden wir darin nicht zu viel Theaterstoff finden; das Ganze wäre in die Geschichte aus den Liebesbüchern zermalt. Der Librettist Tim Rice stellte deswegen gegen Evita eine imaginäre Gestalt, Che genannt (die von einigen Weltproduktionen dieses Musicals in den Linkshändler, Revolutionär Che Guevara transportiert wurde). Dieser Ironiker, der auf die Komödie, in der die Mächtigen leben, zeigt, ist in der Inszenierung in Brno fast apolitisch, es handelt sich um einen Mensch aus der Masse und desto mehr tragt er zu der dramatisch hinreißenden Konfrontation zwischen ihm und Eva Perón bei. Der Regisseur Fieber arbeitet bravourös auch mit der Innenspannung von Che selbst, die zwischen Hass und Bewunderung zu Evita oszilliert. Weiterhin können wir beobachten, dass dieser Che mit gleicher Minze heimbezahlt: er stift Eva beinahe zu Verschenken von nachgemachten Lächeln und die Masse zu gehörigem Übermut an - um sich dadurch ausgezeichnet zu amüsieren. Unbewusst wird er so zu Macher der eventuellen Evitas Apotheose.
  
          Die Kenner werden sicher auch einen anderen Unterschied bemerken - andere Übersetzung der Texte. Falls sie die Texte von Jiří Bryan aus der Aufführung von Evita im Prager Theater Spirála gut kennen, wird die neue Übersetzung von Michael Prostějovský für sie ganz logisch ungewohnt sein; sie ist schwieriger für Auffassung, weniger geradlinig, sie hebt doch die Mehrdeutigkeit und Widersprüchlichkeit des Themas hervor.
     
       Es war nur die Frage der Zeit, wann dieses außerordentlich disponierte Ensemble (auch dank der Managerarbeit von Stanislav Moša) die auf die Interpretation anspruchvollen Musicals, wie Die Elenden oder gerade Evita, trifft. Die Schwierigkeit des Titelgestaltparts ist mit der Oper vergleichbar, die Rezitative haben mindestens ungewöhnlichen Charakter und die Änderungen der Intonation sind blitzschnell - das alles stellt eine schwierige Aufgabe dar. Radka Coufalová  ist doch ein Schatz des tschechischen Musicaltheaters. Die Gestalt von Evita beherrschte sie mit der ihr eigenen Souveränität und nicht einmal in den tückischen Höhen des Parts forciert sie und ihr Ausdruck bleibt voll verständlich. Sie verbindet die anspruchvolle Choreographie mit dem Gesang so, dass sie sich verwundern, woraus diese subtile Schauspielerin dazu den Atem bekommt; einige Nummern folgen unmittelbar nacheinander. Zusammen mit  Dušan Vitázek in der Gestalt von Che bildete sie ein perfektes dramatisches Paar aus. Ihr Duett "Der Walzer für Evita und Che" stellt den Gipfel der ganzen Vorstellung, wenn nicht des ganzen Musiktheaters. Che in der Darbietung von Vitázek ist ein unaufhörlicher Schatten von Evita, er kommentiert, brummt, parodiert, verspottet; unvergesslich ist das Moment, wann er von hinten des Spiegels als Evitas Widerspiegelung mit einer Grimasse austritt. Es kommen doch auch die Momente, wann auch er verstaunt und die ironischen komischen Illustrationen vergisst; diese können übertrieben gefunden sein, anderseits sind sie für Zuschauer sehr dankbar.  
       
     Juan Perón in der Darbietung von Igor Ondříček ist nicht in die Stilisierung eines Diktators gezwungen, es kommt ehr ein erfahrener und durch Verantwortlichkeit ermüdeter Politiker. Das Charisma der Gestalt wird doch durch die überwältigende Interpretierung der Lieder sicher hervorgehoben. Eine sehr gute Leistung liefert auch Jiří Mach in der Rolle des "Tangosängers" Augustino Magaldi, der Gestalt, die Eva in die "große Welt" brachte. Einen ausgezeichneten sängerischen Auftritt führte auch Mária Lalková in der kleinen Rolle der Perón Geliebten vor. Zu den weiteren Sicherheiten der Vorstellung gehört auch die Company des Musicals, gleich ob es sich um Tanz- oder Chormusiknummer handelt.
     
       Evita im Stadttheater Brno besteht in allen ihren Aspekten den Anforderungen der synthetischen Genres, zu denen das Musical gehört. Die Geschichte ist hier nicht nur erzählt und in die Musikform verpackt, sondern vollblutig gespielt und souverän interpretiert. Evitas Interpretierung von Pavel Fieber, einschließlich der ziemlich minimalistischen Auffassung, ist gewissermaßen originell und für viele, die vielleicht den Film mit Madonna sahen oder sich an die Prager Inszenierung erinnern, wird sie sicher überraschend sein. Eigentlich bremst sie auch die übertriebenen Erwartungen. Versuchen sie, Evita in Brno anders zu sehen: das in der Geschichte resonierende Thema, den Rhythmus, der die Geschichte entgegen der kalten Leere treibt, die Musik, die die Handlung kongenial bestimmt. Oder auch, wie Fieber die ausgezeichneten Interpreten und sparenden Szenelösungen oder auch kreatives Light-Design hervorzuragen lässt. Die perfekte Beschallung erhebt das Erlebnis noch...
       

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