Eine gute Partie

Eine gute Partie

  • Genre Schauspiel
  • Bühne Schauspielbühne
  • Premiere11. Dezember 2010
  • Vorstellungsdauer2:30 hod.
  • Anzahl der Wiederaufführungen28
  • Derniére19. Januar 2012

brillante Konversationskomödie

Was kann man tun, wenn Ihr Vater ein griesgrämiger Kriegsveteran, verbitterter, alt werdender Witwer ist, der nicht imstande ist, sich mit jemanden zu verständigen, ausgenommen des alten Freunds Walt, der ihn schon dreißig Jahre lang jeden Donnerstag besucht, um mit ihm eine Schachpartie zu spielen? Leonard Kowinski verzichtete schon längst auf seinen Kampf um das Einverständnis mit dem Vater Fred – ausgenommen den Hausfrauen, die er ihm immer strebsam liefert und die im Freds Haushalt nie länger als eine Woche aushalten. Weil Fred ein Wesen ist, mit dem nicht möglich ist zu leben. Erst eines Tages erschüttert sich sein Leben in seinen Grundfesten – die energische italienische Hausfrau Rosalie findet mit seinen mürrischen Manieren nicht ab und beginnt, mit ihm nach ihren eigenen Regeln zu spielen. Und was für ein Wunder, es scheint dem Fred zu gefallen. Bis darauf, dass Rosalie das Geheimnis der Partie von Fred und Walt entdeckt – und am Ende wird gerade sie zu jener Dame, um die man in dieser Partie spielt. Die brillant geschriebene und tief menschliche Konversationskomödie des gegenwärtigen, österreichischen, in Lichtenstein lebenden Autors liefert ganz außerordentliche schauspielerische Gelegenheiten, von denen jene zentrale der ersten Dame des tschechischen Theaters vertraut wurde – der Frau Zdena Herfortová!

Autor

  • Stefan Vögel

Regie

  • Stano Slovák

Übersetzung

  • Magdalena Štulcová

Musik

Bearbeitung des Textes

Fred Kowinski, penzista

Rosalinda Hundsheimerová, hospodyně

Dívka, nová hospodyně

Das unauffällige Konversationsstück wurde zum brillanten schauspielerischen Konzert

Vít Závodský 3. Februar 2011 zdroj Kam – Anlage

Das unauffällige Konversationsstück wurde zum brillanten schauspielerischen Konzert
Der vorurteilsfreie Besucher des Stadttheaters Brno weiß auf seinen beiden Szenen, Schauspiel- sowie Musikbühne, die systematische Ausgewogenheit des Spielplans zu schätzen, der anspruchsvolle Titel sowie Erholungstitel (vor allem aus Ausland) enthält. In dem letzt genannten Fall werden wir hier während eines längeren Zeitabschnitts eine ziemlich große Serie von erfolgreichen französischen oder angloamerikanischern Verwicklungskomödien finden, wie z.B. die „unsterbliche Komödie“ (seit dem Jahre 1996 ununterbrochen aufgeführt) Floh im Ohr von Feydeau, Erst sein ist alles von Oscar Wilde, Nicht jetzt, Darling! der Autoren Cooney-Chapman, Der Florentiner Hut von Labich, Honeymoon Suite von Bean, Charles Tante von Brandon Thomas, Die Kunst von Yasmina Reza,  Spinner für Dinner von Veber oder die Posse Ein Traum von Hochzeit von Hawdon. Zu diesen ordnete sich mit den Dezember-Uraufführungen (jene zweite wurde am Silvesterabend aufgeführt) auch das Erstlingswerk von Stefan Vögel Eine gute Partie (erste Aufführung 2002 in Stuttgart) zu.
Der in Liechtenstein lebende Österreicher mittlerer Generation absolvierte den Weg eines Schauspielers – Kabarettisten, Theaterunternehmers (unter anderem gründete er das prosperierende Volkstheater in Götzis in Vorarlberg) und eines mit mehreren Preisen geschätzten Autors von etwa zehn Theaterstücke, die meistens dankbare Interpretationsgelegenheiten anbieten. Mit ihrer Beliebtheit im deutschsprachigen Gebiet steht die Tatsache im Kontrast, dass er bei uns nicht so viel bekannt ist: als sein einziger Text wurde im Jahre 2008 von Lída Engelová im Prager Theater ABC einstudiert, und es war gerade Eine gute Partie.
Das ziemlich einfache Sujet erinnert frei an die ältere Komödie des populären Amerikaners Neil Simon The Sunshine Boys über das Ende der ausgedienten, einst ausgezeichnet eingespielten doch dann sich starr ignorierenden, engherzlich zankenden und dann mit unerfreulichen, greisenhaften Schicksal verbundenen Varieteekünstler, die schon seit zwei Saisons im Theater Mahen mit Erfolg  aufgeführt wird. Bei Einer guten Partie handelt es ich um ein solides, auch wenn um kein überdurchschnittliches Konversationsstück in drei Akten mit Boulevardstimmung, welches über interessante Darstellung der Charakter von gegnerischen männlichen Seniortypen, witzige Dialoge und sogar Monologe auf der leeren Bühne verfügt. In einer nicht zu viel gemütlichen Londoner Mietswohnung der siebziger Jahre, der das große fotographische Porträt von Winston Churchill dominiert, treffen sich regelmäßig schon seit viel Jahren zwei Freunde – Kriegsveteranen, der Brite polnischer Provenienz, Fred, und der Schotte Walt, um ohne jedwede Ambition zusammen eine Schachpartie zu spielen. In diese allwöchentliche Stereotypie fällt wie eine positive Naturgewalt der dritte Gipfel des Dreiecks – engagierte energische Hausfrau Rosalinde Hundsheimer, Deutsche mit italienischen Wurzeln. 
Die Übersetzung von Magdaléna Štulcová wurde von Klára Latzková und Jan Šotkovský ein bisschen bearbeitet und dramaturgisch vorbereitet (einschließlich des obligaten soliden Programmdrucks), und zwar für den geschickten jungen Schauspieler und Regisseur Stanislav Slovák, der sich zunächst im Musicalbereich (Jánošík, Schneewittchen und sieben Zwerge) und dann auch in den dramaturgischen Stücken (die schon erwähnte Komödie Ein Traum von Hochzeit) etablierte. In diesem Fall begriff er richtig, dass die Vorlage eine erwünschte Gelegenheit, beinahe „Benefizgelegenheit“ für reife, auf der Bühne gut eingespielte Protagonisten anbietet, die vom Regisseur anderer Generation, der imstande und bereit ist, seinen eigenen Beitrag in ihren Kreationen zu schmelzen, nur zart korrigiert werden. Eine solche glückliche Konstellation erschien, wenn man gelang, die drei Starschauspieler zu gewinnen, die alle seinerzeit die Janacek Akademie der musischen Künste absolvierten und ihren künstlerischen und mit Preisen geschätzten Weg (unter anderen in den neunziger Jahren mit zwei Thalia-Preisen) mit den führenden Theatern in Brno verbanden: den ältesten Ladislav Lakomý, Jaroslav Dufek und die jüngste Zdena Herfortová.
Eine ausführlichere Analyse der ausgezeichneten schauspielerischen Komponente der Einstudierung von Slovák würde den Umfang dieser Glosse überschreiten und wird wahrscheinlich in jeweiligem Kapitel des jede Saison herausgegebenen Jahrbuchs des Stadttheaters Brno ihre Stelle finden. Der Hausherr der einfach ausgestatteten Mietswohnung (bei der Kostümzusammenarbeit von Andrea Kučerová wechseln hier dank dem Zutun des Bühnenbildners Jaroslav Milfajt – und hinsichtlich zum Zeitabstand der einzelnen Akten – die nicht aufgeräumte sowie jene aufgeräumte Variante des Wohnzimmers ab) ist der siebzigjährige Fred Kowinksky, der schon seit sechs Jahren als vereinsamter und vernachlässigter Witwer lebt, der manchmal seine Frau Marylin rührend erinnert. Jaroslav Dufek stellte den robusten, griesgrämigen und verbitterten Pedanten dar, der kapriziös, alles auf sich beziehend und zu häufigen cholerischen Ausbrüchen anfällig ist. Er lässt meistens ungerecht die immer wieder „liquidierten“ Hausfrauen“ (eine von jenen, die es bald aufgaben, wurde von Hana Kováříková als Mädchen dargestellt) und auch seinen vierzigjährigen Sohn Leonardo, Staubsaugerverkäufer (Tochter Margaret ist in Australien verheiratet) seine Wut fühlen. Dem letzt genannten wurde das Image sowie die Gesten eines sorgfältigen Verkäufers, und auch ambivalente Beziehung zu Vater (von Sorgsamkeit bis Eifersucht), dem er mit seinen bis übertriebenen neurotischen Ausdrücken ähnelt, von Viktor Skala verliehen.
Der Gegenpol Freds Charakters ist sein ehemaliger Waffenbruder Walt in der Darbietung von Ladislav Lakomý, den wir zuerst im schottischen Kilt gekleidet sehen. Dieser subtile, stille und innere Demut ausstrahlende zerbrechliche Mann mit Brille hat auch bei gewöhnter Konfliktlosigkeit oder gewisser Submissivität und wehrlos machendem Blick seine natürliche Stolz, er weiß sich mit langzeitiger Verletzung des freundschaftlichen Schachabkommens seitens Fred nur schwierig abzufinden und besteht konsequent auf seiner Entschuldigung. Die Jubilarin Zdena Herfortová in der Gestalt des älteren Fräuleins Rosalinde bringt laut der Erwartung neue Töne in die Geschichte. Dieser energischen, durch Leben belehrten und praktischen lächelnden Frau ist nicht nur Autorität, sondern auch diplomatische Nichtanzüglichkeit, Schnelligkeit in Meinung sowie Wechseln von Empathie oder Koketterie mit feiner Ironie eigen. Sie weiß Fred nicht nur zähmen und „vermenschlichen“ sondern auch die Beziehung zu seinem Freund zu beeinflussen.
In dieser Komödie ohne dramatische Handlung handelt es sich neben dem plastischen Bild des unkommunikativen Alters auch z.B. um das Thema des auf einem Betrug bestehenden Glücks oder um das Motiv der unnötigen nationalistischen Vorurteilen und Kriegsnachklängen. Der einfallsreiche Regisseur, der von den älteren Schauspielern völlig respektier ist, erfrischte sie – mit Hilfe von Musikrefrains von Karel Cón geschmackvoll und ohne erdrückende Vulgarität mit einer Reihe von unauffälligen, doch Bedeutung tragenden szenischen Details, welche die Veränderung der anschaulich üblichen Charakters unterstreichen. In diesen Kleinigkeiten pulsieren nämlich fein und temporhythmisch die konkreten Situationen: automatisch ausgeübte private „Rituals“ (vgl. Ankunft der Besucher), Froschmäusekriege und kleinliche Streite (z.B. über Lage des Bestecks auf dem Tisch), Schmollen und wiederholte Versöhnung. Der Bühneneinklang der erfahrenen, zuverlässigen schauspielerischen Barden (die Ansprüche auf das Gedächtnis lassen wir beiseite) bildet einen außergewöhnlichen Abend, den das zufriedene aufmerksame Publikum mit Applaus zu Recht schätzt.

        

Schauspielerisches Konzert

Šalina – časopis MHD Brno 3. Februar 2011

 
Schauspielerisches Konzert
Der gegenwärtige österreichische Autor Stefan Vögel schrieb das Stück Eine gute Partie. Es wird vom Stadttheater Brno auf seiner Schauspielbühne und in der Regie von Stano Slovák aufgeführt. Diese tief menschliche Komödie über die Freundschaft von zwei Senioren liefert den Raum für das schauspielerische Konzert von Jaroslav Dufek und Ladislav Lakomý, denen Zdena Herfortová in der dritten der Hauptrollen nicht weniger brillant sekundiert.

Lob der reifen Schauspielkunst

Vít Závodský 25. Januar 2011 zdroj Týdeník Rozhlas

In der freien Anknüpfung an die Linie der angloamerikanischen Boulevard-Vorlagen entstand eine ziemlich einfache, auf witzigen Dialogen sich stützende Geschichte der in ihren Charakteren unterschiedlichen Seniore, Kriegsveteranen, die sich in einer ungemütlichen Mietwohnung in London unter Porträt von Churchill schon jahreslang bei langwierigen Schachpartien treffen. Für die Einstudierung der Konversationskomödie in der ein bisschen bearbeiteten Übersetzung von Magdalena Štulcová gewann der geschickte junge Regisseur Stanislav Slovák das Startrio der ausgereiften Schauspieler, die ihren mit Preisen bekränzten professionellen Weg mit zwei führenden Theater in Brno ständig verknüpften. Der robuste Hausherr, Brite Fred Kowinski in der Darbietung von Jaroslav Dufek ist zuerst ein griesgrämiger verbitterter Witwer, der seinen Sohn Leonard (Viktor Skála) erniedrigt und das freundschaftliche Abkommen mit dem mehr subtilen, submissiven aber nicht weniger stolzem Schotte Walt in der Darbietung von Ladislav Lakomý immer verletzt. In den alltäglichen Stereotyp bringt eine Aufregung die energische sowie empatische Hausfrau Rosalinda Hundsheim (Zdena Herfortová), Deutsche mit italienischen Vorvätern. Die Vorlage, in der nicht zu viel Handlung ist und in der wir uns mit dem Motiv der nationalistischen Vorurteilen und Schwärmen des Alters treffen, erfrischte der Regisseur mit vielen unauffälligen, doch Bedeutung tragenden szenischen Details. Es ist wirklich ein Vergnügen für den Zuschauer, die plastische Darstellung der Verwandlung der scheinbar üblichen Charaktere, die feine Pulsierung von einzelnen Situationen – gewöhnliche Rituale, banale Konflikte und kleinliche Streite, Schmollen und Versöhnung - zu beobachten. Das Verständnis der erfahrenen Protagonisten auf der Bühne bildet einen außerordentlichen Abend, wo die Bezeichnung „schauspielerisches Konzert“ kein gehaltloses Klischee, sondern ein verdienter Anhänger hoher Qualität ist.

Eine gute Partie

Jiří P. Kříž 25. Januar 2011 zdroj Xantypa

Zwei alte Kumpane treffen sich schon seit siebenunddreißig Jahren unter dem Überlebensgröße-Porträt von Winston Churchill, um eine Schachpartie zu spielen. Ein englischer Witwer und sein Gegner, Schotte. Und nach mehreren vernichteten Hausfrauen auch eine neue. Temperamentvolle Deutsche, die von diesen zwei jemals im Krieg besiegt wurde. Eine gute Partie von Stefan Vögel. Und auf der Szene des Theaterhoheitsgebiets von Moša drei Legenden des Brünner Theaters: Jaroslav Dufek, Zdena Herfortová und Ladislav Lakomý. Nach der Premiere applaudierten ihnen diesmal auch die Kritiker stehend. Aus den feindseligen Situationen zauberten diese drei die Verzeihung von menschlichen, vielleicht auch durch gesellschaftliche Unterschätzung motivierten Schwächen aus. Und stürzten auch die Geschichte um. Nach dem Zusammenbruch der Kampfmoral der Allianzveteranen Fred Kowinski und Walter – nicht nur bei kleinen und großen Rochaden betrugen sie sich einander – wurde zur Siegermacht doch der Dritte Reich, durch Frau Rosalinde Hundsheim vertreten, die sich die zwei Herren um den Finger wickelte. Man soll bemerken, dass es nicht einmal Winston an der Wand, mit sowjetischer Maschinenpistole mit Tellermagazin bewaffnet, stört. Hoffentlich sind diese drei nicht zum letzten Mal zusammen auf der Bühne. Es passt ihnen sehr gut!

Drei Legenden spielten die Partie auf rührende Weise und mit Humor

Lenka Suchá 6. Januar 2011 zdroj Brněnský deník

Drei Legenden spielten die Partie auf rührende Weise und mit Humor
Die Inszenierung Eine gute Partie bietet ein Erlebnis aus den schauspielerischen Leistungen von Jaroslav Dufek, Ladislav Lakomý und Zdena Herfortová an
Schon lange vorher versprach das Stadttheater Brno für seine letzte Premiere des Jahres 2010 - Konversationskomödie Eine gute Partie - die große Rückkehr drei schauspielerischen Legenden. Jaroslav Dufek, Ladislav Lakomý und Zdena Herfortová in der Inszenierung des gegenwärtigen österreichischen Dramatikers Stefan Vögel bewiesen wirklich, dass sie nicht einmal nach den Jahren etwas aus ihrem gemeinsamen Zusammenspiel auf der Bühne verlieren. Der Geschichte aus dem Leben von drei Rentnern mit unterschiedlichen Charakteren verliehen sie ihre jahrlange Erfahrungen, zwanglosen Zivilausdruck sowie richtiges Timing der flinken Repliken.
Der Regisseur Stano Slovák förderte meistens gerade aus ihren schauspielerischen Leistungen, so dass er die Aufmerksamkeit der Zuschauer auf die Dialoge und Handlung der Gestalten konzentrierte. Die funktionsgemäß strenge Bühne von Jaroslav Milfajt evoziert genau das Zimmer eines siebzigjährigen Murrkopfs. Der Kriegsveteran Fred Kowinski lebt in ihm nach dem Tod seiner Frau allein, er lehnt ab hinauszukommen und mit anderen zu kommunizieren, und seine Zeit verbringt er vorwiegend mit seinen Kriegserinnerungen unter einer riesigen Fotographie von Winston Churchill an der Wand. Eine unerwartete Verwandlung erlebt er erst bei der Ankunft der energischen Hausfrau Rosalinda Hundsheimer, die auch das Geheimnis der Schachpartie von Fred mit seinem alten Freund Walt ungewollt entdeckt.
Jaroslav Dufek formte aus der Gestalt des immer schlecht gelaunten Alten keine übertriebene Karikatur, er ist natürlich und bei seinen griesgrämigen Ergüssen ist er oft bis unwiderstehlich lächerlich. Zdena Herfortová, die ihre Rolle als ein Geburtstagsgeschenk zu ihrem Jubiläum vom Theater bekam, verlieh ihrer Rosie den energischen „Hausfraueneinsatz“, Charme sowie Ironie bei den funkelnden Dialogen mit Fred. Der „Hochmeister der verlagsamten Zügen“ Ladislav Lakomý wusste auch in seinen bloßen drei Auftritten den zerbrechlichen Charakter Walts Seele auszudrücken und mit Witz einige Unsitten des Alters (Schwerhörigkeit, Senilität) darzustellen.
Die Mosaik der Gestalten wurde auch vom unglücklichen Freds Sohn in der Darbietung von Viktor Skála und von der temporären Hausfrau in der Darbietung von Hana Kováříková gut vervollständigt. Die zwei Stunden lange Inszenierung Eine gute Partie bietet eine empfindliche Geschichte der alt werdenden Menschen mit humorvollen Dialogen sowie bitteren bis melancholischen Passagen an. Den älteren Zuschauern wird sie wahrscheinlich einige Momente ihres Lebens erinnern und auch eine positive Botschaft geben, dass auch im Rentenalter ist es wert zu leben. Und als Bonus wird sie den Freunden des Stadttheaters Brno auch das Erlebnis aus dem Zusammentreffen von drei schauspielerischen Legenden bringen, deren Schicksale sich in den vergangenen Jahrzehnten im Theater Gebrüder Mrštík sowie im Theater Mahenovo divadlo begangen.

Perfekte Partie der schauspielerischen Barden

Iveta Macková 1. Januar 2010 zdroj Kult

Perfekte Partie der schauspielerischen Barden
Die Premiere Einer guten Partie von Stefan Vögel in der Regie von Stano Slovák wurde im Dezember auf der Schauspielbühne des Stadttheaters Brno aufgeführt. Diese Konversationskomödie ist das erste Stück des gegenwärtigen österreichischen Autors und anerkannten Kabarettisten Stefan Vögel, der für den Spezialisten auf die Themen der zwischenmenschlichen Beziehungen gehalten wird. Diesen widmet er sich auch in seinen anderen Komödien. Die Handlung der Partie ist in die siebziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts in England situiert. Das Stück verfügt über durchgearbeitete und mit Pointen beendete Dialoge (Übersetzung von Magdalena Štulcová), welche die individuellen Charaktere der einzelnen Figuren treffend ausdrücken.
Die Hauptgestalt, verschlossener bis tyrannischer englischer Witwer Fred (Jaroslav Dufek) ist ein wirklicher Schrecken für seine Umgebung. Eines Tages erscheint hinter seiner Tür die temperamentvolle und autoritative Rosalinda, Deutsche mit italienischen Wurzeln, und das Leben des Seniors wird so auf den Kopf gestellt. Rosalinda wird von der Jubilarin Zdena Herfortová (im Jahre 1945 geboren) dargestellt - gerade für diese war dieser Titel gewählt. Der dritte Akteur ist der nicht weniger ausgezeichneter schauspielerischer Nestor Ladislav Lakomý, der als Walt zu Fred regelmäßig kommt um mit ihm Schach zu spielen. Auch die bravouröse Leistung von Gustav Skála muss erwähnt sein, der Freds Sohn Leonardo darstellte.
 
Schon die Besetzung selbst der Komödie garantiert die ausgezeichneten schauspielerischen Leistungen, welche auf perfekter Bühnensprache, Gefühl für Wortdynamik, Ausdruck und Geste basieren. Das alles führten die Schauspieler bei der Premiere vor und sie wurden von den Ovationen des zufriedenen und sich unterhaltenden Publikums belohnt. Auch die bravouröse Leistung von Gustav Skála muss erwähnt sein, der Freds Sohn Leonardo darstellte. Man spielte in den Dekorationen einer funktionsgemäßen Szene von Jaroslav Milfajt, in den Kostümen von Andrea Kučerová, die die Gestalten charakterisieren, und aus den Lautsprechern war die die Atmosphäre untermalende Musik von Karel Con zu hören.
,  Januar 2011

Eine gute Partie und ein wirklich gutes Theater

Luboš Mareček, 30. Dezember 2010 zdroj Mladá fronta DNES

Eine gute Partie und ein wirklich gutes Theater
Im Stadttheater Brno wurden die führenden Schauspieler älterer Generation engagiert. Trotzdem handelt es sich um keinen Star-Ausverkauf, sondern um einen Exkurs in die Zeit der Meisterschauspielkunst
Dieser Einfall ist das Vermögen wert. Mit dem Abstand von mehr als zwei Dekaden drei führende Schauspieler aus Brno auf die Bühne zu bringen, wie es im neuen Stück des Stadttheaters Brno geschah. Die flinke Konversationskomödie von Stefan Vögel hat den Titel Eine gute Partie. Und sie wird von den durch Zdena Herfortová (1945), Ladislav Lakomý (1931) und Jaroslav Dufek (1934) dargestellten Gestalten getragen.
Die Komödie des gegenwärtigen österreichischen, in Lichtenstein lebenden Autors bietet eine gut geschriebene Geschichte von zwei Kriegsveteranen an, die schon seit Jahren miteinander Schach spielen. Der griesgrämige Witwer Fred Kowinski, dem sein Sohn immer wieder neue und immer wieder vernichtete Hausfrauen sendet, weiß sich nur mit seinem alten Freund Walt zu vertragen. Sie raten gut. Alte Ordnung gilt nur bis zum Tag, wann die Tür der Wohnung dieses abgenützten Siebzigers die energische italienische Hausfrau mit deutschen Wurzeln Rosalinda Hundsheimer aufwirft. Die nationalistische Gehässigkeit des zweiten Weltkriegs und schwarze Wolken des vereinsamten Alters sind durch die Vitalität dieser Frau plötzlich überbrückt.
Die Regie von Stano Slovák ist zum Schein abwesend. Das heißt aber nicht, dass die erfahrenen Matadore des tschechischen Theaters hier machen, was sie wollen. Das heißt nur dass jeder von ihnen die Originalität und Einmaligkeit seines Ausdrucks, seiner Sprache sowie seines schauspielerischen Charismas mit Leichtigkeit und entwaffnender Selbstverständlichkeit in das Publikum wirft. Hier sind sie einfach in der Welt des ehrlichen tschechischen Theaters, das nicht überspielt oder unnütz und leer exhibiert. Das perfekt bewältigte Handwerk ist hier gerade mit der Authentizität geschmückt, dank der alle drei genannten Schauspieler an die höchsten Stufen des inländischen Theaters katapultiert wurden.
Und dabei war hier die Gefahr, dass diese Wette auf die Sicherheit nicht klappt. Beide Herren sind schon Seniore, mit allem, was es im Theater- sowie Lebensbetrieb bedeutet. Die Menge des von Dufek einwandfrei bewältigten Textes wäre auch bei einem um eine Generation jüngeren Schauspieler bewundernswert. Die Inszenierung von Slovák fiel zu keinem pietätvollen Tanzbein Schwingen der Alten. Sie hat perfektes Tempo, ausgezeichnet gezeichnete und temperierte Gestalten, die Dialoge sind bis zum letzten Wort ziseliert. Und bekennen wir, dass es sich wirklich „nur“ um ein geschicktes Konversationsspiel handelt, das die Grenze der dramatischen Kunst nicht extra vorschieben wird. 
Das neue Stück in Brno Eine gute Partie wurde zu keinem Ausverkauf von „Old Stars“. Es ist eine für die Zuschauer äußerst dankbare und anziehende Angelegenheit (die Zuschauer begrüßten ihre Schauspieler bei dem Uraufführungsapplaus stehend). Und es ist paradoxvoll auch ein interessanter Exkurs in die Zeit der Meisterschauspielkunst (und nicht nur jener von Brno).

Partie für drei Legenden im Stadttheater Brno

Pavel Gajdoš 21. Dezember 2010 zdroj České noviny

Partie für drei Legenden im Stadttheater Brno
Eine gute Partie setzt auf die schauspielerischen Leistungen von drei wirklichen Legenden des Brünner Theaters, deren Schicksale sich miteinander wiederholt begegneten, nicht nur im Theater „Gebrüder Mrštík“, sondern auch im Theater Mahenovo divadlo.
Fred Kowinski ist ein immer schlecht gelaunter Alte, der unter einem riesigen Bild von Winston Churchill vorwiegend mit seinen Kriegserinnerungen lebt. Dieser wird von Jaroslav Dufek, schon seit Jahren Mitglied des Ensembles des Theaters Mahenovo divadlo, dargestellt. Sein Fred ist nicht imstande sich mit jemandem zu vertragen und bringt die Hausfrauen, die für ihn sein Sohn sucht und finanziert, zur Grenze des Nervenzusammenbruchs und zu schneller Flucht. Eine einzige Ausnahme, die Fred neben sich verträgt, ist sein alter Freund Walt, der schon seit dreißig Jahre jeden Donnerstag kommt um mit ihm Schach zu spielen.
Walt in der Darbietung von Ladislav Lakomý ist zerbrechlich, anerkannt alt doch nicht senil oder dumm oder überempfindlich. Lakomý verlieh seiner Gestalt Vitalität, er rutschte nicht einmal in Andeutung in Karikatur des Alters als der Senilität. Ebenso Dufek überspielt nicht unnötig, er formiert seinen alten Miesmacher natürlich und mit Grazie. Eines Tages werden aber die Ruhe und die Sicherheiten von Fred von einer anderer Person, von einer Frau umstürzt. Von der neuen Hausfrau mit deutschen und italienischen Wurzeln, was für den Kriegsveteran eine tödliche Kombination ist. Oder im Gegenteil Leben spendend? Rosalinda, von der tierischen, doch geschmackvollen Zdena Herfortová dargestellt, findet sich mit dem Charakter von Fred nicht ab und allmählich und unauffällig beginnt sie ihn umzuformen und gestalten.
Ein starker Sekundant dieser drei Hauptprotagonisten ist Viktor Skála als unglücklicher, verkannter Sohn des Kriegsveteranen Leonard Kowinski. Das Mädchen – temporäre Hausfrau ist eine angenehme Erfrischung dank der Neuerbesetzung von Hana Kovaříková aus dem Singspielensemble in diese dramatische Rolle. Die Regie dieser brillanten Konversationskomödie des gegenwärtigen österreichischen, in Liechtenstein lebenden Autors Stefan Vögel ist die Arbeit von Stano Slovák, in der Dramaturgie von Klára Latzková und Jan Šotkovský. Er brachte in das Theater in der Straße Lidická eine andere geistreiche moderne Komödie.
, , 21.Dezember 2010

Eine gute Partie – schauspielerisches Konzert des Brünner Trios

Kateřina Šebelová 17. Dezember 2010 zdroj Velká Epocha

Die schauspielerischen Leistungen in Einer guten Partie sind in der Darbietung des Stadttheaters Brno wirklich ausgezeichnet. Die Situationskomik spielt mit den Schicksaalen der Hauptprotagonisten ziemlich mitleidslos und sie schont sie wirklich nicht. Die Geschichte ist gerade dank dem Startrio der Hauptgestalten stark. Jaroslav Dufek war eine richtige Wahl für den unerträglich niedlichen Rentner und Schachbetrüger und im Tandem mit Walt in der Darbietung von Ladislav Lakomý bilden sie beide ein sich ausgezeichnet verstehendes Paar. Alles wird vom weiblichen Element vortrefflich bewertet – von der Hausfrau Rosalinde in der Darbietung von Zdena Herfortová. Das Dreieck von diesen drei Schauspielern ist zweifellos ein schauspielerisches Konzert. Als Zuschauer glauben Sie an Jaroslav Dufek seine niedliche Unerträglichkeit ziemlich leicht und darüber hinaus haben Sie daraus ein großes Spaß. Der Gegner des unerträglichen Rentners Fred Kowinski ist der ruhige und geduldige Walt mit bezaubernder Stimme von Ladislav Lakomý, der die Explosivität seines Mitspielers effektiv dämpft. Zdena Herfortová, die am Ende jene wird, um die die beiden Männer kämpfen, ist in ihrer Rolle unwiderstehlich und charmant und man kann ihr nichts vorwerfen. Ihr Temperament ist einfach unglaublich. Der verzweifelte Sohn Leonard, von Viktor Skála dargestellt, sprüht von Emotionen, vielleicht bis zu viel, das schadet aber dieser Gestalt nicht.

Eine gute Partie bietet witzige Vorstellung für die ganze Familie an. Scharfes Humor, witzige Dialoge, ausgezeichnete schauspielerische Leistungen und Einsatz – das ist ein Cocktail, der graduiert und sich seine witzige und dramatische Linie sowie Schmiss bis zum Ende hält. Man sagt: je älter und reifer der Wein ist, desto besseren Geschmack hat er. In Einer guten Partie gilt es dreifach. Ein Beweis dessen ist es, dass Eine gute Partie die feierliche Silvesterabendvorstellung des Stadttheaters Brno ist.

Dreimal Bravo! oder nie gesehenes schauspielerisches Konzert

Jiří P. Kříž 14. Dezember 2010 zdroj Právo

Jaroslav Dufek, Zdena Herfortová und Ladislav Lakomý in Einer guten Partie
Banales Schema: schon seit siebenunddreißig Jahren treffen sich zwei alte Kumpane jede Woche zusammen, um eine Schachpartie zu spielen: englischer Witwer und sein Gegner, Schotte. Und nach mehreren vernichteten Hausfrauen jetzt auch eine neue. Deutsche. Eine gute Partie von Stefan Vögel. Zu den besten Ideen gehört jene, auf die Bühne des Stadttheaters Brno drei Legenden der Brünner Szene einzuladen. An Jaroslav Dufek, Zdena Herfortová und Ladislav Lakomý applaudierte man nach ihrer Guten Partie stehend.
Der Krieg ist noch nicht am EndeEs gehört sich zu erinnern, dass diese drei Meister-Schauspieler vom Regisseur Stanislav Slovák geleitet wurden und dass ihr schauspielerisches Konzert noch von Viktor Skála in der Gestalt des frustrierten Sohns des Wittwers, von Hana Kovaříková als eine andere Hausfrau und auch vom Prahlen – Winston Churchill auf dem Porträt in der Lebensgröße ergänzt wurden.
Diese drei Protagonisten zauberten aus feindseligen Situationen Verständnis und Verzeihung von menschlichen, vielleicht auch durch gesellschaftliche Unterschätzung motivierten Schwächen aus. Niemand soll doch fürchten, nach dem Besuch Einer guten Partie über die Vorurteile der Kriegsgeneration nachdenken zu müssen. Engländer, Schott und Deutsche mit italienischer Herkunft sind wunderschön lebendig. Jaroslav Dufek: grätiger und schlecht gelaunter Patriot Fred Kowinski, der alle Hausfrauen sowie den nicht gelungenen Sohn, auch wenn erfolgreichen Staubsaugerverkäufer, zermürbt, der von seinen polnischen Vorfährten den Sinn für slawischen Schwindel erbte. Dufek führt seinen Fred auf der Bühne in permanenter Vorinfarkt-Finsternis. Es blieb doch in ihr auch Stelle für Trauer. Bravo! Ladislav Lakomý: sparsame und in der Gestalt von Walt wunderschön gemilderte Diktion sowie Gesten stellen seine ewige schauspielerische Devise dar. Auch auf ihn hat die Hausfrau Rosalinde Hundsheimer einen wohltuenden Einfluss. Er verzichtet sogar auf den Nationalstolz – Rock mit Würfelmuster. Er verlieh seinem miserablen Schachspieler bestechende und stolze Anzüglichkeit. Die Zuschauer fühlen mit ihm. Bravo!
 
Wenn spielt Thalia Zdena Herfortová als Frau Hundsheimer weiß auch im Choleriker Fred Anstand zu erwecken, ihn beinahe auf Darwin-Weise zu vermenschlichen und immer die Oberhand über Männer zu haben. Eine alte Vettel, sie weigert doch nicht sich zu versöhnen. Nicht einmal in dieser Rolle ist sie einseitig, auch wenn sie könnte. Eine Jubilarin des nicht erinnerten Alters?! Nun – Thalia. Bravo. Und wir können uns nur wünschen, dass diese drei zu ihrem gemeinsamen Mitwirken auf der Bühne nicht überredet sind und dass wir sie nicht zum letzten Mal sehen. Es steht ihnen sehr gut!

Eine gute Partie bekam im Stadttheater Brno den verdienten Applaus-Schach matt

Alena Kopečková 14. Dezember 2010 zdroj www.topzine.cz

Bei Gelegenheit des bedeutenden Lebensjubiläums der Schauspielerin Zdena Herfortová führte das Stadttheater Brno die Komödie Eine gute Partie auf.

Als absolut perfekt würde ich die Leistung des wirklichen Rentners Ladislav Lakomý als Walt, Freds Kriegsfreund und gleichzeitig sein Schachgegner, sehr witzig als Großmeister von verlangsamten Zügen bezeichnet, schätzen. Zdena Herfortová strahlte während der ganzen Inszenierung und sprühte von jenem richtigen Hausfraueneinsatz. Jaroslav Dufek stellte seinen Rentner haargenau dar. Eine gute Partie in vier Akten und mit ausgezeichneter Besetzung ist sicher das Richtige für kalte Abende, nicht nur im Dezember. Wer Lust hat sich auszulassen und eine ein bisschen übertriebene Realität zu sehen, der soll das Stadttheater Brno besuchen um Eine gute Partie zu sehen. Er wird es sicher nicht bedauern.

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