Der Name der Rose

Der Name der Rose

  • Genre Schauspiel
  • Bühne Musikbűhne
  • Premiere19. Februar 2011
  • Vorstellungsdauer2:30 hod.
  • Anzahl der Wiederaufführungen23
  • Derniére21. Mai 2013

Mysteriendrama! Mysterienkrimi! Geheimnisvoller gotischer Thriller! Spannender historischer Krimi! Mystischer Horror! Aufregende Expedition in die ästhetische Denkweise des Mittelalters! / tschechische Premiere

Der auf jeden Fall weltbekannte Roman des berühmten italienischen Philosophen, Semiotikers und Schriftstellers Umberto Eco, der für den meist gebildeten, meist sophistizierten und kreativsten Autor der letzen Jahrzehnte gehalten wird, wird in der hervorragenden Dramatisierung des deutschen Schauspielers, Regisseurs und Dramaturgen Claus J. Frankl aufgeführt. Der Franziskanermönch William von Baskervilles zusammen mit seinem Schüller, jungem Novize Adson von Melk, suchen nach den Umständen der rätselhaften Todesfälle, zu denen während einiger Novembertage des Jahres 1327 in einer ungenannten Abtei in Italien kommt. Im Hauptgebäude der Abtei ist in einem anschlägigen und verwirrenden Labyrinth die größte Bibliothek der damaligen Christenwelt vor den Augen der Neugierigen verborgen. Und weil alle ermordeten Ordensbrüder etwas Gemeinsames mit der Bibliothek hatten, scheint es, dass die Verbrechen gerade mit ihr eng zusammenhängen. Und falls William von Baskervilles das Geheimnis durchblicken will, muss er sich der Autorität der Kirche und der Heiligen Inquisition empören sowie der dunklen Verschwörung der Mönche in der Abtei seine Stirn bieten; kurz gesagt, er muss sich nur auf seinen Scharfsinn und seine Intelligenz verlassen. Dank dieser leidenschaftlichen und magischen Geschichte dringt der Zuschauer in die Geheimnisse der mittelalterlichen Kultur sowie der mittelalterlichen Politik, in die Liebesekstasen, in den Wirbel von geistlichen Visionen sowie der Sinnenlust durch...

Autor

  • Umberto Eco

Regie

  • Petr Kracik

Bearbeitung

  • Claus J. Frankl

Regieassistent

Übersetzung

  • Václav Cejpek
  • Monika Kučerová

Dramaturg

  • Ladislav Stýblo

Musik

  • Dalibor Štrunc

dramaturgische Zusammenarbeit

Production adaptation

  • Ladislav Stýblo

Vilém z Baskervillu, františkán

Adson, benediktýnský novic

Abbo, opat

Jorge z Burgosu

Remigius z Varagine, cellerarius (správce) opatství

Salvátor, jeho pomocník

Venantius ze Selvemeku

Adelmus z Otranta, iluminátor

Malachiáš z Hildesheimu, knihovník

Berengar z Arundelu, jeho pomocník

Severin ze Sankt Emmeram, botanik

Ubertin z Casale

Michal z Ceseny, františkán

Bernard Gui, inkvizitor

Hejtman papežských lukostřelců

Mnich v klášteře, Chudina z vesnice, Francouzský lukostřelec Bernarda Gui, Zjevení ve viděních, Františkánská delegace Michala z Ceseny

Ewiges Streit der Vernunft mit dem Dogmatismus

Vít Závodský 12. April 2011 zdroj Týdeník Rozhlas

Ewiges Streit der Vernunft mit dem Dogmatismus
Eine äußerst anspruchvolle Aufgabe gab sich das Stadttheater Brno, wann es nach sorgfältiger dramaturgischer Vorbereitung seine eigene Bühnenbearbeitung einer der weltberühmtesten modernen Prosa in der tschechischen Premiere aufführte – es handelt sich um die Bearbeitung des umfangreichen sophistizierten Romans Der Name der Rose (1980) des italienischen Polyhistors Umberto Eco.
Der Prager Regisseur Petr Kracik konnte auf die Musikbühne mit vertikalen, düster monumentalen Kulissen eines mittelalterlichen Klosters mit Skriptorium und Bibliotheklabyrinth  (Jaroslav Milfajt, Projektionen Petr Hloušek) und mit der auszeichneten Partitur von Dalibor Štrunc nur einen Sujet- und Gedankenauszug aus dieses mehrschichtigen, mehrdeutigen „Hybridwerks“ übertragen. Bei der Einhaltung der grundlegenden Handlungsachse mit attraktiver Serie von geheimnisvollen Morden der Benediktinermönche, die im Jahre 1327 vom weisen Franziskaner William von Baskerville (Viktor Skála) zusammen mit dem Novizen Adson (Vojtěch Blahuta) untersucht werden, und bei der Einhaltung von einigen ihren historischen, theologischen, apokalyptischen oder symbolischen Momente versuchte er, die Gestalten der Ordenskommunität schauspielerischen zu erfassen (Ladislav Kolář, Stanislav Slovák, Igor Ondříček, Miloslav Čížek, Martin Havelka). Die überwiegenden verbalen Disputationen wechseln hier mit bildnerisch anmutigen Aktionsauftritten, die Detektivuntersuchung vermischt sich mit geschmackvoller Demonstrationen der leidenschaftlich natürlichen sowie unterdrückten Erotik. In den Intentionen der Bühnenabkürzung von Kracik präsentiert die in ihren allen Bestandteilen solide Inszenierung eine Reihe von zeitlosen und gerade heute aktuellen Problemen: Bemühung um die Wiedereinstellung der Gottesordnung in der moralisch devastierten Welt, starre Bestrebung der ideologischen Dogmatiker, die „ketzerischen“ Ansichten für immer zu verbieten, Treffen der toleranten Stellung mit blindem Fanatismus, Beziehung zwischen aufrichtiger Glaube und pragmatischem Opportunismus.
In Brno entstand wieder eine Parabel, die die Vernunft sowie das Gefühl der empfänglichen Zuschauer anzusprechen weiß.

Ecos Mittelalterthriller in der tschechischen Theaterpremiere

Peter Stoličný 4. März 2011 zdroj www. divadlo.sk

Ecos Mittelalterthriller in der tschechischen Theaterpremiere
Umberto Eco ist einer der bedeutendsten gegenwärtigen Repräsentanten der Semiotik (Wissenschaft über das Zeichensystem) und der postmodernen Philosophie in Europa. Professor der Universität in Bologna, Ehernmitglied von vielen anderen Universitäten... Er würde doch keine bekannte und populäre Persönlichkeit geworden sein, wenn er sich dem Schreiben von Romanen nicht gewidmet haben würde und wenn schon sein erster Roman Der Name der Rose, Horror aus dem Mittelalter oder Krimi, zu einem der mehr gelesenen Werke des 20. Jahrhunderts nicht geworden sein würde.
Herr Professor ist wirklich eine Renaissancepersönlichkeit. Mit gleichem Einsatz widmet er sich dem Schreiben von witzigen und spitzigen Feuilletons, dem Kommentieren des gesellschaftlichen Lebens in seiner Heimat, Italien, sowie der Zivilisation in aller Welt und auch der Semiotik oder Geheimwissenschaften. Er sammelt unterschiedliche Bücher über Kabbala, über Freimaurerei, über Taoismus, Buddhismus oder Schintoismus, über jene seltsamsten paranormalen Ereignisse, mit denen sich die schwarze und weiße Magie beschäftigt. Das bedeutet nicht, dass er diesem allen glaubt. Im Gegenteil, es freut ihn über die Ursachen der menschlichen Gedankenabweichungen kritisch nachzudenken. Als ein linksgerichteter Intellektueller denkt er natürlich materialistisch, er sucht im Gedächtnis der Menschlichkeit die Kausalzusammenhänge der Entwicklung der gesellschaftlichen Bewegungen und der menschlichen Gedankenweise. Er hat doch ein gewisses Recht, kritisch zu sein, weil er vieles kennt. Er ist gebildet. Alles, worüber er schreibt, hat er gründlich studiert. Und vielleicht gerade deswegen kann er sich den Luxus der kritischen Obenansicht gestatten. Wer sein Werk aufmerksam liest, findet dort auch Selbstironie sowie humorvolle Obenansicht über die Sucht der Menschheit nach Erkenntnis, das in der christlichen Bibel kurz erläutert ist: Quo Vadis domini....

Schon im Jahre 1959 schrieb der junge Eco ein seiner grundlegenden Wissenschaftswerken, Aufstieg der mittelalterlichen Ästhetik. Der Roman Der Name der Rose (1980) war eigentlich eine natürliche Fortsetzung seines Gedankenprozesses. Und es war ein glücklicher Schritt für Eco. Dank diesem sehr gut und interessant geschriebenen Roman mit Krimiverwicklung gelang es ihm sein Bestreben zu medialisieren. Herr Professor trat aus dem Grau der Bibliotheken aus, mit denen die Wissenschaftler der gesellschaftlichen Disziplinen umringt sind, und machte den dunklen Zeitraum unserer Zivilisation, das christliche Mittelalter in Europa, populär.
 
Wenn ich ein puristischer Vertreter der christlichen Ideologie wäre, wäre ich wegen dem Roman Der Name der Rose sehr sauer. Er entdeckt nämlich etwas, was zwar für die menschliche Zivilisation charakteristisch ist, aber worüber man lieber nicht spricht. Machtkämpfe, menschliche Habgier, Religionsblindheit, die bis zu absurden Abschlüssen führt. Machen des Bösen im Namen des Guten. Im Sozialismus war ein Witz populär: wir werden für Frieden kämpfen, auch wenn wir alle deswegen sterben müssten! Daran erinnerte ich mich, als ich den Roman Der Name der Rose las. Der Fanatismus zeigte schon mehrmals, wie grauenhaft die menschlichen Taten sein können. Und wie unbelehrbar die Menschheit ist.
Umberto Eco ist – ich glaube, dass unbeabsichtigt, denn er sich um die Substanz der Sachen und nicht um die äußerliche Zweckmäßigkeit interessiert – ein sarkastischer Kritiker der katholischen Kirche. In jener mittelalterlichen Sucht, wann ein Papst seinen Sitz in Rom und der zweite Gegenpapst in Avignon hatte (14. Jahrhundert), ist wirklich nichts Vornehmens. Auch wenn die kirchlichen Väter bisher kein einziger Traktat, keine einzige Enzyklika ausgaben, in dem sie zu diesem dunkeln Mittelalter voll von mörderischen Inquisition, Marter, Ketzerverbrennung eine kritische Stellung einnehmen würden. Es sagte anstatt ihnen der Antichrist Umberto Eco. Und er sagte es so souverän und glaubwürdig, dass den Glauben nicht nur eines Christen ins Wanken brachte, dass der Gott weißt, was er macht, wenn er seine Schäfchen auf dem Weg zum Erkenntnis der einzigen Wahrheit so führt. Nicht einmal die Propagatoren des Marxismus-Leninismus fanden eine bessere ideologische Diversion gegen Christentum, auch wenn sie sehr versuchten, die Wurzeln des Glaubens zu untergraben. Der Philosoph Eco machte es doch auf eine ganz andere Weise als die oberflächlichen Propagatoren des Atheismus. Er untersuchte und sammelte die Fakten, er verglich sie und bewertete sie objektiv. Er machte einfach nur seine wissenschaftliche Arbeit. Und dass es daraus auch eine mitleidlose Kritik der mittelalterlichen Christenheit ausging? Einfach deswegen, dass die damalige Gesellschaft so wirklich war. Und dass es die Ideologen des Christentums bisher nicht imstande waren, sich damit auseinanderzusetzen? Das ist schon ein anderes Problem. Umberto Eco weist darauf nicht hin. Er muss nicht. Jeder urteilsfähiger Mensch wird sich die Abschlüsse selbst machen. Eco überredet niemanden, ein Atheist zu werden. Wenn es der Gott doch wollte, würde er es nicht gestatten...  
Ich fühlte mich gezwungen diese ein bisschen ausführliche Einleitung zu schreiben um nachfolgend erklären zu können, wie die Dramatisierung des Romans ist. Die formalen Elemente sowie die Handlungslinie blieben erhalten. Wir sehen komplizierte politische Verwicklungen und Zerrissenheit der Machtkämpfe. Wir lernen das Buch von Aristoteles Über Lachen und die puritanischen Ansichten des Humorskennen. Wir sehen in die Geheimnisse der Botanik ein und überleben auch die sinnliche sexuelle Sehnsucht, die den Mönchen verweigert ist. Wir erleben das Grauen der Marter und falsches Zeugnisses, Angst vor Schmerz, die größer als Angst vor Tod ist. Wir sind Zeuge von vergeblichen Versuchen unterschiedliche Interpretationen von Gottesabsichten nahe zu bringen, wo der Antagonismus der fanatischen Mönche mit Meuchelmördern enden kann. Das alles ist in der Dramatisierung zu finden, ebenso wie in dem ausgezeichneten Film nach dem Roman des Regisseurs Jean-Jacques Annaud mit Sean Connery in der Hauptgestalt des Benediktinerermittlers, der versucht die Mörder im Kloster auszulösen. Aber wie im Film so auch in der Theaterdramatisierung von Claus J. Frankel (Bearbeitung für das Stadttheater Brno Ladislav Stýblo) ließen viele Ecos Gedanken nicht völlig ausgesprochen. Das Theater hat nicht so viel Raum um auf der Bühne alles oder fast alles sagen zu können. Um die Wahrheit zu sagen, einst hörte ich die Dramatisierung (2002) des Romans Der Name der Rose im Tschechischen Rundfunk. Diesmal habe ich sie ausgesucht oder „gegooglt“. Der Autor der Dramatisierung war Michal Lázňovský und Regisseur Ivan Chrs – es war ganz sicher die beste Bearbeitung des Romans, wann auch die Details in Äther kamen, die in anderen Dramatisierungen fehlen. Es ist aber vielleicht das Phänomen der akustischen Aufnahme, des gesprochenen Worts, das den Gedanken einen größren Raum gibt. Das Ergebnis meiner Empathie mit dem Namen der Rose ist, dass ich nach mehreren Jahren zu dem Roman sicher zurückkehren werde, diesmal als Sucher nach den Gedanken, die mir in den Dramatisierungen fehlten. Wenn aber die Inszenierung im Stadttheater Brno auf die anderen Zuschauer dieselbe Wirkung wie auf mich hatte, dann erfüllte sie sicher ihre Aufgabe.
Widmen wir uns jetzt der Inszenierung, deren Premiere vor kurzer Zeit auf der Musikbühne des Stadttheaters Brno stattfand. Der erfahrene Bühnenbildner Jaroslav Milfajt nutzte den ganzen Raum der Bühne und des Portals aus und baute ein wirklich suggestives dunkles Kloster – mit einigen einfachen Umbauten, die die perfekte Technik der Musikbühne ausnutzen. Dem Bau entsprechen auch die mittelalterlichen Mönchskutten der Bildnerin Andrea Kučerová und die ganze Atmosphäre ist durch die Beleuchtung sowie Musik unterstrichen (Komponist Dalibor Štrunc, Musikregie Karel Cón, Miloš Makovský – nebenbei, die mittelalterlichen Männerchore waren außerordentlich suggestiv).
Der Regisseur der Inszenierung Petr Kracik schuf die glaubwürdige Atmosphäre des 14. Jahrhunderts im Kloster. Vielleicht auch mehr suggestiv als in jener berühmten Filmversion. Das Theater ist lebendig, Zelluloid bleibt immer Zelluloid. Und er führte die Schauspieler zu gründlicher Erfassung der Gestalten – es kommt mir der Kommentar bei: Stanislavskij würde sich freuen. Die glaubwürdige Schauspielkunst war nämlich der Hauptattribut, mit dem der Regisseur arbeitete; er konnte sich so die nicht stilisierte, erlebte schauspielerische Führung gestatten, weil das Ensemble des Stadttheaters Brno für solche Aufgabe wirklich vorbereitet ist. Benediktinerermittler William von Baskerville in der Darbietung von Viktor Skála sowie sein Novize Adson in der Darbietung von Vojtěch Blahuta (er führte wunderschöne Szene der Sehnsucht nach physischer Liebe mit Andrea Březinová vor – von Hana Kovaříková alterniert). Auch die anderen Protagonisten – Männer aus dem Franziskanerkloster sowie Besucher – Benediktiner - spielten musterhaft. Abt von Zdeněk Junák, Sendbote des Papstes von Martin Havelka, Klosterverwalter von Rastislav Gajdoš oder wahnsinniger Salvatore, der von Stano Slovák (auch Regieassistent der ganzen Inszenierung) mit großer Freude dargestellt wurde.
Man kann sagen, dass sich die Inszenierung Der Name der Rose im Stadttheater Brno in die Reihe der erfolgreichen Titel einordnen wird, die „die Kasse füllen“ und gleichzeitig „Unruhe“ in den Zuschauern hinterlassen. Ich weiß nicht, wie die praktizierenden Gläubigen die Inszenierung aufnehmen werden – vielleicht wird sie in ihnen eine größere Unruhe erwecken als in anderen Zuschauern. Bei allen wird sie doch sicher jene aristotelische Anagnoris – Reinigung durch Erkenntnis – erwecken. Und das ist, glaube ich, der Zweck dieser Geschichte aus dem dunkeln Mittelalter.

Umberto Ecos Roman Der Name der Rose in 130 Minuten

Markéta Stulírová 25. Februar 2011 zdroj Brněnský deník

Umberto Ecos Roman Der Name der Rose in 130 Minuten
Der geheimnisvolle gotische Thriller Der Name der Rose  in der Regie von Petr Kracik ist eine gelungene Bühnenbearbeitung des umfangreichen Romans des Semiotikers Umberto Eco. Der Roman hat beinahe 500 Seiten, die Inszenierung von Petr Kracik 130 Minuten. Trotzdem ist die Bühnenbearbeitung des Buchs Der Name der Rose eine hinreißende Vorstellung, die durch durchgearbeitete schauspielerische Leistungen, emotionelle Musik und umwerfende, die mondernsten Theatertechniken ausnutzende Szene beeindruckt.
Der Name der Rose wurde in der tschechischen Premiere vom Stadttheater Brno aufgeführt, wo Kracik schon zum vierten Mal eine Inszenierung in Szene setzt – sein erster Titel auf dieser Szene war Die Maskerade von Lermontov, dann folgten die Musicals Der Zigeunerlager zieht in den Himmel und Nana. Diesmal hatte Kracik nur ein Ziel: er wollte den Roman oder die kommerziell aufgefasste Filmbearbeitung Ecos Textes nicht kopieren, sondern in den Grenzen der Dramatisierung von Claus J. Frankel seine beste Form suchen, die auf gründliche Arbeit der Schauspieler beruhen wird. Und das gelang ihm sehr gut – auch wenn er aus dem originellen Text des italienischen Semiotikers nur einen Torso behielt. Auf der Bühne ist doch alles Wichtige gesagt und die Zuschauer sehen eine fesselnde Geschichte mit neuem, visuell-musikalischem Übergriff.
Die Inszenierungsbearbeitung von Kracik respektiert die Grundlinie der fiktiven Geschichte über William von Baskerville und jungen Schreiber Adson von Melk. Diese lösen in einem norditalienischen Kloster geheimnisvolle Morde und entdecken das Geheimnis der größten christlichen Bibliothek, die vom blinden Jorge von Burgos bewacht wird – dieser will durch Geheimhaltung der kostbaren Handschriften den Zerfall der alten Welt verhindern. Für besonders verwerflich hält Jorge den zweiten Teil der Poetik von Aristoteles, welcher die Kunst der Komödie behandelt. Nach Jorge ist nämlich das Lachen die Arbeit des Teufels, es macht aus Menschen Irren und bringt sie vom echten Glauben ab. Die Eingriffe des Regisseurs Kracik und des Dramaturgen Ladislav Stýblo in die deutsche Version von Frankel verliehen der Inszenierung auch weitere authentische Zitierungen aus der mittelalterlichen Literatur, die in Ecos Roman fehlen.
Auch wenn in der Einstudierung von Kracik die Zahl der Gestalten und Dialoge auf ein Minimum reduziert ist, wird der Charakter von einigen Figuren (im Unterschied zur Romanvorlage) mehr entdeckt. Die Hauptrolle von William von Baskerville wird von Viktor Skála mit Noblesse dargestellt, der als der gelehrte Franziskaner das Mittelalter intellektuell sowie menschlich übergreift und die Verstöße seines Schülers Adson (Vojtěch Blahuta) mit Verständnis toleriert. Blahuta in der Rolle des Benediktiner-Novizen ist ein gemütvoller Junge. Er geht alle Verwandlungen glaubwürdig durch: er liebt um die Liebe unmittelbar darauf zu verlieren, er verehrt den Gott um auf ihn später, in Einsamkeit versenkt zu verzichten. Was den Typ betrifft, gelang es dem Regisseur fast alle Gestalten richtig zu besetzen (Michal Nevěčný als korpulenter Berengar von Arundel, Miloslav Čížek ist Botaniker Severin, Jiří Mach entschlossener Franziskaner Michael von Cesena und Zdeněk Junák loyaler Abt). Ausgezeichnete Schauspielkunst zeigen auch Ladislav Kolář (Jorge von Burgos), Rastislav Gajdoš (Kellermeister Remigius) und vor allem Erik Pardus mit Stano Slovák, die in der Rolle von Salvatore alternieren. Jeder von ihnen stellt diesen abscheulichen Helfer auf seine eigene Weise dar, beide spielen mit bewundernswertem Einsatz mit jeder ausgesprochenen Silbe und mit jeder Grimasse.
Die geheimnisvolle Atmosphäre wird der Inszenierung durch die Szene von Jaroslav Milfajt geliefert, welche die modernen Bühnenmechanismen völlig ausnutzt. Der Effekt von den einzelnen Bildern wird vom zweckmäßigen „Spiel“ von Lichten und Schatten unterstrichen, das ab und zu mit Nebel und realem Feuer vermischt ist. Nur durch farbige Beleuchtung verwandelt sich die Kälte in Hitze, die Düsternis des Skriptoriums in durchleuchteten Hof. Die Plastizität der Kulissen wird durch einfach, doch glaubwürdig dargestellte Bibliothek unterstrichen. Die Dominante der Bühne ist eine Rundöffnung in der höchsten Klostermauer, durch die Sterne, Mondlicht sowie Traumvisionen der Gestalten abwechselnd durchleuchten. Die Zeitpausen zwischen den Bühnenumbauten sind zwar länger, die zusätzlichen Sekunden lassen doch jene Dialoge auszuklingen, die es verdienen. Der Name der Rose ist dabei erst der zweite dramatische Titel, der auf der Musikbühne des Stadttheaters Brno aufgeführt wird, deshalb ist es paradoxvoll, dass es nicht möglich ist, sich ihn nach dem Besuch in einem andern (und kleinerem) Raum vorzustellen.
Der bildnerischen Lösung entspricht völlig die Musik von Dalibor Štrunc. Die Töne von Geige, Orgel, Kontrabass und Zimbel helfen die Handlung zu graduieren, die emotionellen Melodien vermischen sich mit Chorgesängen. Aus den akustischen Effekten sind Glockengerassel, Straßenverkehr während des Gottesdienstes oder Schweinequietschen bei Schlachten zu erwähnen – Details, die - auch wenn sie aus einer Theaterbühne zu hören sind - die Zuschauer nicht vergessen lassen, dass es der frostige Dezember 1327 ist.
An Kracik gelang es, den äußerst anspruchvollen Stoff in eine fesselnde dramaturgische Abkürzung einzupressen, in der sich – wie auch im Roman von Umberto Eco – die Realität mit der Phantasie, die Freude mit der Grausamkeit und die hohe Kunst mit jener „populären“ vereinen.
, , 25.Februar 2011

Der Nome der Rose in der Theaterbearbeitung im Stadttheater Brno

Karla Hofmannová 24. Februar 2011 zdroj www.zivotnistyl.cz,

Der Nome der Rose in der Theaterbearbeitung im Stadttheater Brno
Die Theaterbearbeitung von Claus J. Frankel fördert aus dem umfangsreichen Stoff nur das Tragende und Dramatische, sie belastet die Handlung mit keinen unnötigen Verwicklungen und bringt nur die wichtigen Gestalten auf die Bühne. Sie befreit die Handlung von Historisieren und Moralisieren, der Streit der Benediktiner mit den Franziskanern ist als ein logischer Bestandteil der Handlung dargestellt.
Der Regisseur Petr Kracik war durch die schwere Szene von Jaroslav Milfajt beschränkt. Dieser verwandelte die düsteren Klostermauern durch Drehung in das Labyrinth der Bibliothek; die Effekten der visuellen Deformationen und Flammen sind dann von der Projektion von Petr Hloušek gesichert. Das Verhalten der Mönche ist auf den immer gleichen und nicht zu großen Raum mit festgestellten Ankünften und Abgängen beschränkt. Trotzdem läuft die Handlung flink ab und hat eine Gradation. Die Aufnahmen der Musik von Dalibor Štrunc sind eine Paraphrase der liturgischen Choräle und rufen manchmal eine grauenhafte Atmosphäre hervor. Die Akustik der Musikbühne ist für das unakustische Wort nicht vorgesehen, die Schauspieler konnten sich also den Mikroports nicht ausweichen. Zauberhaft und dabei natürlich und geschmackvoll ist die Szene der Liebesvereinigung des Mädchens mit Adson.
Die Schauspieler sind in ihren Rollen exzellent. Die Leistung von Viktor Skála in der Gestalt von William von Baskerville ist maßvoll, in Übereinstimmung mit der Seele eines Wissenschaftlers, und dabei vollblütig. Der junge Vojtěch Blahuta in der Gestalt von Adson von Melk ist berührend, dynamisch und souverän. Die absolute Gipfelleistung führt Stano Slovák in der Gestalt von Salvatore vor, bewundernswert hält er die Rolle in naturalistischer Aufführung und in energetischer Ladung. Ladislav Kolář als Jorge von Burgos ist in seinem Fanatismus hart. Martin Havelka als Bernard Gui ist schlüpfrig und übergeordnet und dem Botaniker Severin in der Darbietung von Miroslav Čížek fehlt der Humor nicht einmal in seiner Tragik. Die Aufmerksamkeit fesselten auch Igor Ondříček als Ubertin von Casale, und zwar durch seine tragische Aufrichtigkeit und Bitterkeit, und Zdeněk Junák als Abbo, Abt des Kloster, der den Schein der Ordnung um jedem Preis erhalten will.
Die Inszenierung Der Name der Rose ist ein suggestiver und dramatischer gotischer Thriller, in dem jeder Zuschauer etwas findet, was seine Aufmerksamkeit fesselt und was ihn hinreißt, und der das Interesse um die Geschichte und um den Kampf des menschlichen Geschlechts um seine Existenz erweckt.

Die Weisheit verhindert die Ankunft des Antichrist nicht mehr

Jiří P. Kříž 23. Februar 2011 zdroj Právo

Die Weisheit verhindert die Ankunft des Antichrist nicht mehr
Der Name der Rose  im vornehmen und kultivierten „großen Stil“ der Übersetzung von Václav Cejpek und Monika Kučerová wurde auf die Bühne des Stadttheaters Brno von Petr Kracik gebracht. Die entscheidende Qualität der Vorstellung ist die Musik von Dalibor Štrunc, die von Männerkirchenchoren zu lockerer rhythmisierter und durch Saxofone, Fagotte, Orgel sowie Zimbel unterstützter Komposition übergeht.
Die große Musikbühne des Stadttheaters Brno erlaubte dem Bühnenbildner Jaroslav Milfajt eine perfekte Illusion eines monumentalen Klosters mit dunklen Fluren und phantastischem, auf Elemente des gotischen Romans hinweisendem Bibliotheklabyrinth auszubilden. Drachentrugbilder, Engelserscheinungen und brennende Stöße wurden von dem Magier der szenischen Projektionen Petr Hloušek ausgebildet. Die Mönchsstrenge sowie das provokativ zerrissene Kleid der einzigen weiblichen Figur, Quelle der Unzucht, des missbrauchten Mädchens (Hana Kováříková oder Andrea Březinová) sind die Arbeit von Andrea Kučerová. Kracik hatte die Aufgabe, eine Inszenierung zu realisieren, die den großen Saal der Musikbühne voll füllen würde. Mit Ausnahme des unnachahmlichen Sean Connery in der Rolle des „Detektivs“ William von Baskerville, der in Brno mit denkerischen Kenntnissen über die Übelstandpraktiken der Kirche von Viktor Skála dargestellt wird, versuchte die Regie die einzelnen Gestalten den Charakteristiken Annauds Films nahe zu bringen.
Auch das Wissen kann missbraucht werden
Die Ähnlichkeiten sind vor allem bei dem Novizen und Schüler von William Adson zu finden, der von Vojtěch Blahuta dargestellt wird, und auch bei dem Wächter der Dogmen und wahnsinnigen Würdigkeit Jorge von Burgos in der Darbietung von Ladislav Kolář und bei dem Helfer des Bibliothekars Berengar in der Darbietung von Michal Nevěčný. Beste Leistungen: Stano Slovák oder Erik Pardus in der Gestalt des degenerierten Ungeheuers, Häretikers Salvatore. In Brno gibt es ein großes Zuschauerspektakel. Trotz der Akzentuierung der Detektivverwicklung bleibt Der Name der Rose eine Parabel über Missbrauch des Wissens und der Macht. 
                                                                                          

Name der Rose – mysteriöses Drama und Krimi in der tschechischen Theaterpremiere

Kateřina Šebelová 23. Februar 2011 zdroj Velká Epocha

Name der Rose – mysteriöses Drama und Krimi in der tschechischen Theaterpremiere
„Die Liebhaber guter Geschichte, Spannung und Geheimnisse werden hier sicher auf ihre Kosten kommen, und das ist das Wesentliche“
Die Autoren der Theaterbearbeitung Der Name der Rose hatten nicht zu Ziel, mit der Buchvorlage oder mit der Filmbearbeitung zu kämpfen. Den Vergleich des Stücks mit dem Buch oder Film vermeiden sie doch nicht. Einige der Szenen, die aus dem Buch oder Film bekannt sind, werden Sie in der Vorstellung nicht finden. Das Ziel ist nicht, die Buchvorlage streng zu respektieren, sondern das auf der Bühne hervorzuheben, was im Film oder Buch nicht so viel markant ist. Und das gelang sehr gut. Geheimnisvolle Atmosphäre im Leuchtkienlicht, Spannung in strengen Klosterzellen, grauliche Kulissen, die durch Mönchen gesungenen und durch ausgezeichnete Musik von Dalibor Štrunc hervorgehobenen Chore, die die gedrückte Atmosphäre noch mehr charakterisieren – das alles in der Kombination mit ausgezeichneten schauspielerischen Leistungen unterstreicht die spannende Geschichte bis zu ihrem Ende. Die Emotivität der männlichen Schauspieler zeichnet die Machtsucht und blinde Glaube gut aus, die manchmal zwar erheben, sondern auch sehr dämpfen können. Der feste Ordnen, der die Natürlichkeit um jeden Preis unterdrückt, trägt doch Risse in sich und diese wirbeln das stehende Wasser des Klosterlebens auf. Schrittweise wickelt sich das Knäuel von Beziehungen, Sehnsüchten und Emotionen ab, die weder die normalen Menschen noch die Mönche ausweichen. William von Baskerville weiß sich dank seiner Weisheit sowie Tapferkeit der Kirchenautorität und auch seinen eigenen Ängsten und Dämonen zu empören.
Die Schauspieler spielen auf vollen Touren
In der Rolle von William von Baskerville stellte sich Viktor Skála vor, der eine bravouröse Leistung liefert. Unter der Mönchskapuze ist seine reife Schauspielkunst merkbar, die notwendigen Pfiff und Oberansicht nicht vermisst. Sein Gefährte, junger Novize Adson in der Darbietung von Vojtěcha Blahuta bringt dann jugendliche natürliche Leistung, vielleicht zu viel naiv, aber in der Rolle des jungen Novizen ist es wahrscheinlich nur von Nutzen. Die Aufmerksamkeit der Zuschauer konzentriert sich auch auf Stanislav Slovák in der Gestalt des missgestalteten und wahnsinnigen Salvatore oder auf die einzige markante Frau in diesem rein männlichen Part Hana Kováříková als Muse oder verdorbene Frau in einer Gestalt. Der apokalyptisch grauenhafter Ladislav Kolář in der Gestalt von Jorge von Burgos weiß in seiner Rolle viele Emotionen zu verzinsen und Jaroslav Matějka als Bibliothekar Malachias weiß ausreichend geheimnisvoll bis zu seinem Theatertod zu sein. Kurz gesagt, die Schauspieler führten einen ausgezeichneten Part vor, in dem sie auf vollen Touren spielen.

Ein so schwieriges Thema, wie Der Name der Rose, einer der besten gegenwärtigen Romane, ist, verlangt eine Dosis von Mut und Kunst. Petr Kracik entledigte sich seiner Aufgabe mit gehöriger Noblesse. Es bleibt nicht anders als seiner Arbeit aufrichtig zu applaudieren. Der Name der Rose in der Darbietung des Stadttheaters Brno bietet eine spannende Handlung vom Anfang bis zum Ende an. Und er langweilt sicher nicht, die einzigen leeren Stellen sind die Zwischenzeiten bei der Änderung der Kulissen. Doch die ausgezeichnete Musik von Štrunc weiß dieses notwendige „Böse“ zu minimalisieren. Der Name der Rose stiftet den Zuschauer an, über den Sinn der menschlichen Existenz nachzudenken. Die Liebhaber guter Geschichte, Spannung und Geheimnisse werden hier sicher auf ihre Kosten kommen, und das ist das Wesentliche.

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