JANE EYRE

JANE EYRE

  • Genre Musical
  • Bühne Musikbűhne
  • Premiere23. Oktober 2021
  • Vorstellungsdauer2:50 hod.
  • Anzahl der Wiederaufführungen27
  • Preis 670 - 720 Kč

Musical nach dem berühmten Roman

Charlotte Brontë (1816–1855), eine bedeutende Repräsentantin der klassischen englischen Literatur, war die Tochter eines Vikars und verbrachte den größten Teil ihres Lebens in Haworth in der Grafschaft Yorkshire. Als dritte von fünf Schwestern musste sie miterleben, wie nach und nach alle ihre Geschwister – auch ihr einziger Bruder – von der Tuberkulose dahingerafft wurden. Nach dem Tod der Geschwister blieb sie noch eine Zeitlang zu Hause bei ihrem Vater, um dann aber nach London zu ziehen, wo sie in besserer Gesellschaft den Erfolg genießen wollte, welchen ihr der Roman Jane Eyre eingebracht hatte. Im Jahr 1854 heiratete sie, doch schon ein Jahr darauf verstarb sie, wahrscheinlich schwanger, an einer der damals grassierenden Krankheiten – Typhus oder Tuberkulose.

In ihrem berühmtesten Roman aus dem Jahr 1847 verarbeitete sie nicht nur ihre Erlebnisse aus dem Internat in Cowan Bridge. Die Geschichte von Jane Eyre, einem Waisenmädchen, das sich durch ein Leben voller Leid und entsetzlicher Ereignisse zum Glück emporkämpfen muss, faszinierte bereits von Beginn an ihre Leser. So kann es nicht verwundern, dass das Werk zahlreiche Film-, Fernseh- und schließlich auch Bühnenadaptionen erlebte. Auch die Musicalversion erzählt die romantische Liebesgeschichte zwischen Jane und Edward Rochester zusammen mit all den weiteren Handlungslinien des bekannten Werks, die teils an Horrorerzählungen gemahnen. Die heranwachsende Jane verliert durch den Tod von Helen ihre engste Freundin, von der sie jedoch gelernt hat, das man auch den größten Ungerechtigkeiten mit Vergebung begegnen kann. Indem sie diesem Lebensmotto folgt, findet sie am Ende zum verdienten Glück.

Das Musical hatte seine Weltpremiere 1996 in Kanada, an den Broadway gelangte es vier Jahre später, um fünf Nominierungen für die Tony Awards zu erhalten und mehr als zweihundert Aufführungen zu erleben. Die Musik und die Songtexte sind das Werk des erfahrenen amerikanischen Komponisten Paul Gordon, das Libretto schrieb der englische Dramatiker und Regisseur John Caird, der unter anderem bereits 1987 einen Tony Award für seine Regie von Les misérables verbuchen konnte. Bei uns wird das Musical als tschechische Premiere unter der Regie und in der Übersetzung von Petr Gazdík zu erleben sein.

Autor

  • Paul Gordon
  • John Caird

Regie

Regieassistent

Übersetzung

Libretto

  • John Caird

Kostüme

  • Eliška Ondráčková Lupačová

Dramaturg

Bühne

Musik

  • Paul Gordon

Musikeinstudierung

Chorleiter

Choreographie

Choreographieassistent

Umělecký záznam a střih představení

  • Dalibor Černák

Poster

  • Petr Hloušek, Tino Kratochvil

Sound Direction

  • Vojtěch Hájek

Music adaption

  • Petr Gazdík

Klavírní výtah a úprava textu

  • Karel Škarka

Produktion

  • Zdeněk Helbich

Sound supervision

  • Jiří Topol Novotný

Úprava orchestrálního aranžmá

  • Caspar Richter

Licht

  • David Kachlíř

Spartace orchestrálního materiálu

  • Milan Kolář

Mladá Jane

John Reed

Pan Brocklehurst/Farář farnosti Thornfield

Slečna Scatcherdová

Helen Burnsová

Adele

Edward Fairfax Rochester

Blanche Ingramová

Bertha Masonová

Lady Maud Ingramová

Mary Ingramová

Amy Eshtonová

Plukovník Dent

Paní Clare Dentová

Školačky

JANE EYROVÁ (Jane Eyre) - Das Musical

Michaela Springer 27. Februar 2022 zdroj www.musicalcocktail.info.at

Im tschechischen Městské divadlo Brno (Brünner Stadttheater) stand am 27. Februar das nur selten aufgeführte Musical JANE EYRE, nach dem Buch von Charlotte Bronte, auf dem Spielplan. Musik und Liedtexte stammen von Paul Gordon, das Buch von John Caird.

JANE EYRE ist ein Klassiker der Weltliteratur und gehört zu den am meist gelesenen Werken in England. Die Autobiographie wurde erstmals 1847 unter dem Pseudonym Currer Bell veröffentlicht. Es ist die Geschichte einer außergewöhnlichen Frau, die willensstark und unabhängig ihr Leben bestreitet. Sie bleibt sich immer selber treu, egal welche Konsequenzen damit verbunden sind. In der Viktorianischen Zeit ist dieses weibliche Rollenbilder untypisch, da die Möglichkeiten für Frauen zur Selbstbestimmung äußerst eingeschränkt waren und sie zeitlebens von Männern als Vormund abhängig waren. Kein Wunder, dass diesem revolutionären Buch von Beginn an, ein großer Erfolg beschert war.

Im Grunde ist JANE EYRE eine romantische Liebesgeschichte zwischen zwei starken Persönlichkeiten unterschiedlicher sozialer Schichten, deren Charaktere sich anziehen. Jedoch greift die Story mehrere Themen auf. Die eben erwähnte Beziehung zwischen den sozialen Klassen und Geschlechtern, in der Religion den eigenen Standpunkt zu finden und die Liebe und Verantwortung für sein eigenes Leben zu übernehmen. All dies beinhaltet die beeindruckende Geschichte, deren Wendungen oft surreal wirken. Charlotte Bronte versteht es jedoch, diese geschickt im ICH-Form  zu schildern ohne jemals ins kitschige abzugleiten.

Die Story:

Jane Eyre wächst in einem Waisenhaus auf, in die sie ihre Tante gesteckt hat. In diesem kalten und rauen Umfeld findet sie eine beste Freundin. Diese erträgt, im Gegensatz zu Jane, stoisch die Schikanen der damaligen Erziehungsmethoden im Waisenhaus. Doch die Freundschaft wird durch den Tuberkulosetot der Freundin auf schmerzhafte Weise zerrissen.

Nach einer schweren Kindheit findet Jane eine Stelle als Gouvernante in einem reichen Haus. Edward Rochester ist der mürrische Hausherr, eine imposante Persönlichkeit, deren herbe Charakterzüge Jane in seinen Bann ziehen. Sie verliebt sich in ihn und es scheint für beide ein Happy End zu geben. Das Glück ist aber nur von kurzer Dauer und endet bevor es richtig begonnen hat. Denn bei der Hochzeitszeremonie kommt heraus, dass er bereits verheiratet ist. Seine Frau, vom Wahnsinn in ewig geistiger Umnachtung gegeißelt, lebt eingesperrt am Dachboden. Janes Moralvorstellung zwingt sie ihn zu verlassen, obwohl ihr Herz droht, daran zu zerbrechen.

In einem neuerlichen Anfall zündet die vom Wahnsinn geplagte das Anwesen an und stirbt in den Flammen. Edward wird dabei schwer verletzt und erblindet. Eine innere Stimme treibt Jane zu Edward zurück, denn ihre Liebe zueinander ist zu stark, um getrennte Wege zu gehen.

So fesselnd die Geschichte ist, so gefühlvoll ist die Musik. Das Orchester unter der musikalischen Leitung von Caspar Richter vermochte es, das Publikum auf eine emotionale Reise mitzunehmen. Mit über 30 Musikern war es ein imposantes Hörerlebnis. Da weder Übersetzungen in englischer oder deutscher Sprache vorhanden waren, liegt die Konzentration als nicht tschechisch verstehender Zuschauer auf der Darstellung, dem Gesang, der Musik und dem Bühnenbild. Wer sich zudem ein wenig eingelesen hat, sollte keine Probleme mit dem Verständnis haben.

Der komplette Cast versteht es die Emotionen durch Spiel und Gesang eindrucksvoll zum Ausdruck zu bringen. Vor allem die beiden Hauptprotagonisten bewiesen eine unglaubliche Bühnenpräsenz. Lukáš Vlček als Edward Rochester war eine Idealbesetzung. Mit seiner starken Stimme, die für Gänsehaut sorgte und imposantem Auftreten, begeisterte er die Zuschauer*innen.

Kristýna Daňhelová als Jane war sich ihrer Rolle als Gouvernante bewusst. Dennoch zeigte sie sich nicht unterwürfig, sondern stark und zugleich sensibel. Sie verfügt über eine klare und feste Stimme. Auch in den Höhen waren die Töne nie gepresst oder gar geschrien.

Das Bühnenbild von Petr Hloušek war eher karg und schlicht gehalten, wurde jedoch äußerst kreativ und effektiv eingesetzt. Das Ensemble musste da schon mal mit großen Ästen ausgestattet als Wald fungieren. In einer anderen Szene dienten diese als Besen. Die drehbare Bühne brachte Brückenelemente in verschiedene Positionen und erzeugte so für unterschiedliche Raumsichtweiten. Verschiedene Lichtstimmungen, teilweise unterstützt durch Trockeneisnebel, sorgten für fröhliche Stimmung oder bedrohende Atmosphäre.

Regisseur Petr Gazdík war sich der Stärken seiner Leute bewusst. Wenn einem ein erstklassiges Bühnen-Ensemble zur Verfügung steht, das schauspielen und singen kann und einen Caspar Richter, der mit seinen Musiker*innen die Orchestrierung peinlichst genau einstudiert, dann braucht es keine großkotzige Inszenierungen und sündhaft teure Bühnenbauten, Lichteffekte, Projektionen und dröhnende, von mächtig Beat überlagerte Musik, um von der Mittelmäßigkeit der Sänger*innen und Musiker*innen abzulenken. Die Abstimmung zwischen den Sänger*innen auf der Bühne und dem Orchester war meisterhaft. Man hörte jeden Ton, jedes Instrument, jede Note. Verstärker wurden nur sehr sparsam eingesetzt.

JANE EYRE, das Musial über eine starke Frau, die ihren Weg findet, ist ein ideales Stück für große Theater mit großem Orchester. Es bleibt zu hoffen, dass dieses in absehbarer Zeit auch in Österreich aufgeführt wird. Doch da müsste erst mal ein Umdenken anfangen. Weg von technischem Schnickschnack und ein Besinnen auf die eigentlichen Werte für eine hochwertige Musicalinszenierung: Schauspiel, Gesang, und musikalische Umsetzung.

In nur knapp über 90 Minuten erreicht man von Wien aus das Městské divadlo Brno. Hier bekommt man alles, was das Theaterherz begehrt – und das zu erschwinglichen Preisen von unter 30 Euro.

Wer also Qualität statt Quantität sucht, der wird in Brünn fündig.

 

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