DER KAUFMANN VON VENEDIG

DER KAUFMANN VON VENEDIG

  • Genre Schauspiel
  • Bühne Musikbűhne
  • Premiere5. April 2014
  • Vorstellungsdauer3:00 hod.
  • Anzahl der Wiederaufführungen30
  • Derniére11. Januar 2019

beunruhigend aktuelle klassische Komödie

Dieses bekannte Stück des großen elisabethanischen Dramatikers aus dem Ende des 16. Jahrhunderts wird als romantische Komödie bezeichnet. Dieser Bezeichnung entspricht doch nur eine Handlungslinie – die quasi Märchengeschichte über die Bassanios Brautwerbung und über seine Hochzeit mit der reichen Erbin aus Belmont, Portia. Die zweite grundlegende Verwicklung ist die Geschichte des habgierigen jüdischen Wucherers Shylock – dieser trägt den Keim der Rachentragödie in sich. Der verhasste und hassende Shylock rächt sich dafür, was er von seinen christlichen Mitmenschen in höchstem Maße bekommt – für ihren alltäglichen Hass, Verachtung und Bespotten. Zu diesen Christen gehört auch der Kaufmann von Venedig, Antonio; er leiht sich von Shylock Geld aus, um seinem Freund Bassanio, der sein Vermögen verschwendete, zu ermöglichen, sich um die reiche Portia zu werben. Shylock belastet das Darlehen doch mit keinen Wucherzinsen, sondern mit einer vertraglich bestätigten Bedingung: falls Antonio das Geld nicht rechtzeitig zurückgibt, ist der Jude berechtigt, ein Pfund Fleisch, aus einem beliebigen Körperteil von Antonio ausgeschnitten, zu verlangen. Antonio begleicht sein Darlehen wirklich nicht rechtzeitig und der Wucherer ist steif: „Ich habe von ihnen Niederträchtigkeit gelernt und ich werde mich danach richten. Es wird hart auf hart gehen!“ In dem bekannten Gerichtsduell denkt dann die kluge Portia, als Richter verkleidet, einen klugen juristischen Trick aus, dank dem Antonio gerettet ist und Shylock beinahe um seinen Hals, doch jedenfalls um sein Vermögen kommt und in Misskredit gerät. Romantische Komödie und spannender Gerichtsthriller in einem Stück? Bei Shakespeare nichts Unmögliches! Stück voll von seltsamen Paradoxen und Spiegelungen, Stück, das nicht eine Frage auslöst. Ist der Jude Shylock ein blutdürstiger Wucherer, der ein Pfund Fleisch aus dem Körper seines Gegners mitleidlos verlangt, oder ist er ein unglückliches Opfer des christlichen Hasses, Opfer, das nur mit gleicher Münze zahlt und die allgemeine Heuchelei entlarvt? Und was ist die schöne und reiche Portia, um deren Hand man in einer geheimnisvollen Probe mit drei Kästchen spielt – ist sie ein Beispiel der Barmherzigkeit und Gnade, an die sie bei Shylock appelliert, oder ist sie in der Rolle falschen Richters eine harte Unterhändlerin, die den Mensch um seine eigene Würdigkeit ohne Augenwink bringt? Warum bleibt nach unseren Taten ein übler Beigeschmeck? Aus der heutigen Sicht gesehen ist dieses Shakespeares Stück äußerst „politisch unkorrekt“ – aber wem gegenüber? In der Gestalt von Shylock stellt sich Boleslav Polívka vor.

Autor

  • William Shakespeare

Regieassistent

Übersetzung

  • Jiří Josek

Dramaturg

Musik

Licht

  • David Kachlíř

Asistent asistenta režie

  • Patrik Bořecký

Produktion

  • Zdeněk Helbich

Theatrical backdrop projections

  • Petr Hloušek, Dalibor Černák

Sound Direction

  • Milan Vorlíček

Technologická asistence scénografie

  • Lubomír Spáčil

Benátský dóže

Marocký princ

Aragonský princ

Antonio, benátský kupec

Bassanio, jeho přítel a Porciin nápadník

Salerio, Antoniův a Bassaniův přítel

Solanio, Antoniův a Bassaniův přítel

Graziano

Lorenzo, zamilovaný do Jessiky

Šajlok, bohatý Žid

Tubal, jiný Žid, Šajlokův přítel

Lancelot Gobbo, Šajlokův sluha

Starý Gobbo, Lancelotův otec

Leonardo, Bassaniův sluha

Baltazar, služebník Porcie

Stefano

Porcie, bohatá slečna

Nerissa, její komorná

Jessika, Šajlokova dcera

Benátští šlechtici, úředníci při soudním dvoře, sloužící a družina

Der Kaufmann von Venedig

Jiří P. Kříž 29. Mai 2014 zdroj Xantypa

Was soll ich bei dem Shakespeares Kaufmann von Venedig in der ausgezeichneten Übersetzung von Josef Josek früher loben? In Brno wird er auch mit den Monologen gespielt, die woanders ausgelassen werden. Sie werden sich nicht für eine Sekunde langweilen. Die Hauptgeschichte des Streites um ein Pfund Fleisch aus dem Körper des Kaufmanns von Venedig Antonio als die Sicherheit für ein Darlehen vom reichen jüdischen Geldverleiher Shylock, falls dieses in festgelegter Frist nicht bezahlt wird, brachte Boleslav Polívka ins Stadttheater Brno wieder zurück. Dieser wurde ganz sicher die bedeutendste Akquisition der Inszenierung. Er stellte Shylock schon in der Übersetzung von Hilský (und Feldek) und in der Regie von Roman Polák bei den Shakespeare-Festspielen auf der Prager Burg dar. Der Kaufmann wurde damals – 2005 – auch auf der Farm von Olšany, damals noch im Eigentum von Bolek, zum Gast. Sein neuer Shylock übertrifft doch jenen alten auf eine einzigartige Weise, einschließlich des Teils mit der Strafe des Juden für seinen Hass – erzwungener Taufe.  In Brno wird er wie bei den alten Christen bei dem Jordan getauft – durch Versenkung des ganzen Körpers ins Wasser. Es ist nicht gesagt, ob in einen Kanal oder in die Laguna. Aber in Canal Grande in Venedig widerspiegeln sich im Wasser die Menschen sowie ihre Schicksale. Über die schauspielerische Leistung von Polívka kann man Oden schreiben, und nur wenn sein Mageri in der Ballade für einen Banditen von Uhde, Štědroň und Pospíšil nach dem Buch von Ivan Olbracht erlebte, zum Glück auf ein Filmband durch Vladimír Sís für ewig aufgenommen, weiß, dass Shylock schon sein zweiter Jude ist. „Herr Kommandant, Herr Kommandant… Die Herren kommen und gehen weg, aber der Mensch… der Mensch bleibt.“ Nicht nur deswegen ist seine Gestalt des Geldverleihers in Dem Kaufmann von Venedig nicht dominant. Das ist die reiche Erbin von Belmont, Portia, in der Darbietung der größten Schauspielerin der gegenwärtigen Szene in Brno Svetlana Janotová; in der Rolle der vielleicht meist emanzipierten, geistvollen und klugen Frau des weiten Werks von William. Perfekte, souveräne Leistung! Und noch dazu die szenische Musik von Zdenek Merta – eine kompakte Gesamtheit, die dem Schnittcharakter der Inszenierung entspricht. Manchmal evoziert sie die süße Venezia, ein anders mal begleitet sie die exponierten Schicksale. Hut ab vor aller dieser Inszenierungssouverenität!

Geschichte des alten Shylock

Marcel Sladkowski 13. Mai 2014 zdroj Divadelní noviny

Der berühmte Schauspieler ist nicht die einzige Devise der Vorstellung, zu diesen gehört die effektvolle Szene oder wirkungsvolle Beleuchtung. Der Bühnenbildner Christoph Weyers entwarf eine hohe Dreistockkonstruktion, deren kalter Metallraster die Bühne auf Seiten und hinten limitiert. Der Regelmäßigkeit des streng symmetrischen Baus widersprechen sich manchmal die geöffneten Jalousien in Stockwerken, die die Fassaden der Mittelmeerhäusern visuell andeuten und auf die Störung der Ordnung metaphorisch hinweisen, die die dramatische Handlung des Stücks entwickelt. Die Umgebung von Venedig wird doch vor allem durch die vor den Kulissen situierte Wasserfläche mit einer Brücke und mit Gehsteige-Inseln evoziert. Dank dieser Lösung war es möglich, die Handlung in den Straßen von Venedig in Bewegung zu setzen, was im Vergleich mit den Szenen in Belmont, die auf die leere Vorbühne vor dem Vorhang situiert sind, gut hervorragt; nicht nur die Kraft des Shakespeares Dialogs weiß sie vor einer gewissen Statik zu schützen.

Diese Statik wird in der Inszenierung auch durch markante typologische Unterscheidung und durch komische Stilisierung der Gestalten verhindert. Es ist nicht nur für die Bewerber der reichen Portia gültig (raubeiniger marokkanischer Prinz in der Darbietung von Jakub Zedníček, transvestitisch weichmütiger aragonischer Prinz in der Darbietung von Patrik Bořecký), sondern auch für die Gestalten aus Venedig: Milan Němec und Alan Novotný in den Nebenrollen von Salerio und Solanio stellen einen der Dialogen als parodistische Diktion der Moderatoren in Fernsehnachrichten dar. Durch seine brillante Studie des geriebenen Dieners zieht die verdiente Aufmerksamkeit der Zuschauer Lancelot in der Darbietung von Michal Isteník. Komische Züge sind auch in der erotischen Sehnsucht der Geliebten zu sehen, deren weibliche Hälfte vor allem dank der markanten Zielsterblichkeit über den Männern dominiert. Durch diese werden nicht nur die trachtende, doch disziplinierte Portia (Svetlana Janotová) und ihre ähnlich konzipierte Gefährtin Nerissa (Eliška Skálová) charakterisiert, sondern auch Shylocks Tochter Jessika, die von Andrea Březinová nicht als ein unglückliches, durch griesarmigen Elternteil unterdrücktes Wesen dargestellt wird: ihre Jessika ist frech geradlinig und der Schmerz, den sie ihrem Vater durch ihre Flucht mit einem christlichen Jungen und durch die Konversion zu seinem Glaube beibringt, ist ihr offensichtlich egal.

Die Tatsache, dass Shylock seine Tochter nicht so kennt, entspricht den Charakterzügen, die der Hauptgestalt des Stücks durch Bolek Polívka gegeben wurden. Sein alter jüdischer Kaufmann war vielleicht irgendwann ein befürchteter Händler, die Zeit ist doch unbarmherzig und entdeckt seine Schwächen, die er bisher zu verstecken wusste. Shylock in der Darbietung von Polívka weiß es und deshalb ist er wachsam wie ein verletzter Hund: ab und zu knurrt er an die Menschen um ihn herum an, was das Publikum gewöhnlich mit Lachen belohnt. Shylock nutzt doch den komischen Ton wie absichtliche Mimikry aus, wodurch er die Aufmerksamkeit ableitet und falls nötig warnt. Immer wenn er lügenhaft, schmeichlerisch oder entweichend ist, handelt er in Übereinstimmung mit der Notwendigkeit, in der feindlichen Umgebung zu überleben. Der Verlust der Tochter scheint den Selbsterhaltungsinstinkt von Shylock gedämpft zu haben: er verlangt starrköpfig und mit verbitterter Hochmut, dass ein Pfund Fleisch aus dem Körper von Antonio (in der traurig ruhigen Darbietung von Petr Štěpán) ausgeschnitten wird; es scheint, dass er bei dem Gerichtsverfahren alles auf die Karte der Rache setzte. Boleslav Polívka entwickelt Shylocks Verwandlungen und Ambivalenz mit Bravur, er weiß in die kompakte Leistung auch die zeitweiligen Residuen derselben Gestalt einzuordnen, die er vor neun Jahren im Rahmen der Shakespare-Festspiele auf eine unterschiedliche Weise darstellte. Shylock von Boleslav Polívka zieht verdienstweise die Aufmerksamkeit des Publikums, darüber hinaus ist er auch der Protagonist der stärksten Szene des Abends, wann nach dem verlorenen Gerichtsstreit die Anforderung von Antonio sofort durchgeführt wird; und zwar die Taufe durch Versenkung ins Wasser im Kanal. Das Effektelement von plätschernden Wellen diente bisher nur zum idyllisch pittoresken Spiel von Lichtspiegelungen auf den Kulissen, eventuell die Diener kühlten in ihnen ihre müde Beine. Shylock wird vom Spiegel doch verzehrt. Unmittelbar darauf gibt er einen beinahe ertrunkenen, offensichtlich nass gewordenen und innerlich zerbrochenen Mann heraus. Einfache, brutal wirkungsvolle Szene ist der Gipfel der Inszenierung.  

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