Oliver!

Oliver!

  • Genre Musical
  • Bühne Musikbűhne
  • Premiere24. September 2005
  • Vorstellungsdauer2:50 hod.
  • Anzahl der Wiederaufführungen51
  • Derniére9. Februar 2008

Musical

Die Welt von Charles Dickens und seiner Romane muss unserer Öffentlichkeit nicht besonders vorgestellt werden. Mit dem Musical Oliver! schuf der britische Librettist, Texter und Komponist Lionel Bart eine brillante Theaterbearbeitung des berühmten Oliver Twist.

Sofort nach seiner Uraufführung in London im Jahre 1960 fand es einen starken Widerhall (2618 Wiederaufführungen) und reihte sich unter die einzigartigen Musicalwerke seiner Kategorie ein und drei Jahre später wurde es am Broadway (1963) aufgeführt und dann verfilmt (1968). Für die Musik – die äußerst melodisch und bis angenehm leicht zu merken ist - bekam der Autor den prestigen Tony Award.

Die Geschichte eines Jungen aus dem Waisenhaus, der die Londoner Unterwelt durchgeht um schließlich in den wärmenden Arm seines Großvaters zu geraten, fand einen enormen Anklang bei dem Publikum. Seine Kraft besteht in der Unmittelbarkeit der Kinderhelden, die auf der Bühne einen erheblichen Raum haben, in der gewissen Naturalroheit der Umgebung in der Konfrontation mit der Menschlichkeit und Gunst des Schicksals.

Autor

  • Lionel Bart

Übersetzung

  • Jiří Josek

Dramaturg

  • Pavlína Hoggard

Choreographie

Oliver! ist Delikatesse

ib 19. Januar 2006 zdroj Květy

Was die Musicals betrifft, erbrachte sich das Stadttheater Brno schon längst den Ruf der führenden, sogar vielleicht der besten heimischen Szene. Es bestätigte ihn auch mit der unlängsten Uraufführung des berühmten Musicals Oliver! nach dem Dickens` Roman Oliver Twist. Es handelt sich um kein neues Stück – in London fand seine Uraufführung schon im Jahre 1960 statt. Die Brünner Inszenierung in der Regie von Stanislav Moša riecht nach der archivarischen Patina oder Kitschsentimentalität, deren Gefahr sonnenklar ist, gar nicht. Die Geschichte eines achtjährigen Waisenkinds (ausgezeichneter Marek Hurák) ist hier mit den Mitteln des modernen Musiktheaters für die ganze Familie dargestellt: flinke Aktionen, witzige Texte, große Chorszenen und ergreifende Sololieder... fehlen nicht.

ÜBER TSCHECHIEN „VERTWISTET“ MAN

Peter Stoličný 20. Oktober 2005 zdroj Divadlo.SK

Ich habe ein interessantes Wort erfunden, nicht wahr? Die erste Nachricht über dieser Erscheinung erschien schon im Sommer 2005. Ihr Gehalt war die Information, dass in Prag im Herbst 2005 die Welturaufführung des Films Oliver Twist vom bekannten polnischen Regisseur Roman Polanski stattfinden wird. Er wählte Prag aus, weil er einen großen Teil der Exterieure gerade dort andrehte. In Prag fand er dunkle Schlupfwinkel, Quai, Gässchen mit Eklektikarchitektur und er fand dort, erstaunlicherweise, auch die Atmosphäre von London des 19. Jahrhunderts.

Die zweite Nachricht ist neuer: das Stadttheater Brno führte am Sonnabend 24. September das weltbekannte Musical von Lionel Bart Oliver! in der tschechischen Uraufführung auf. Der Direktor und erfolgreiche Theaterautor sowie Manager Stanislav Moša vorbereitet regelmäßig für seine Zuschauer die hochwertigen Vorstellungen. Aber das, was das ganze Realisierungsteam diesmal vorführte, ist wirklich auch in einem so guten Theater, wie das Stadttheater Brno ist, ohnegleichen.

Der bekannte Barde des Musiktheaters, Dr. Ivo Osolsobě, schrieb jemals: „Wenn es nicht mehr möglich ist, in einem Dialog die Geschichte zu erzählen, muss sie gesungen werden. Wenn es nicht mehr möglich ist, sie zu singen, muss sie getanzt werden und wenn es nicht möglich ist, sie nicht einmal mit Tanz auszudrücken, dann muss man zum Dialog zurückkehren“. Diese Notwendigkeit der unterschiedlichen Dreiaussage wurde schon im gut geschriebenen Libretto von Lionel Bart gestellt. Die Übersetzung des erfahrenen Jiří Josek machte die Texte wahrscheinlich noch mehr geschmeidig, als sie ursprünglich waren. (Kein Wunder, der Übersetzer unterschrieb sich schon unter fast alle Inszenierungen von Shakespeare, welche im Tschechien gespielt werden; er übersetzt auch die Spiele von Saroyan, Albee, Simon; er übersetzte die Musicals Cabaret, Hair sowie West Side Story.)

Dem Regisseur Moša gelang es, dieses „Theater, das spricht, singt und tanzt“ mehr einfach und ausdrucksvoll zu machen. Es gelang ihm, sich in hoheitlichen Theater- und Musicalsymbolen auszudrücken, wo jedes Detail wie beinahe auf Apothekenwaage gewogen ist und dabei das Ganze lebendig bis monumental und gleich danach zerbrechlich und wie ein Kammerspiel wirkt. Die Vorstellung geht unglaubliche Sinuslinien durch und der Zuschauer, immer wieder von einfacher Lesbarkeit und Bravour überrascht, sagt sich nur: „So etwas habe ich am heutigen Abend gebraucht…“.

Ein getrenntes Kapitel ist die Gesang-, Schauspiel- sowie Bewegungskunst der Interpreten. Vom achtjährigen Oliver in Darbietung von Marek Hurák bis zum Pfiffikus von Lukáš Kantor (Wenn einer wirklich aus Gummi ist, dann ist es einfach zu spielen…). Der Weisenhausbesitzer, Herr Sowbery in Darbietung von Erik Pardus und auch seine Frau in Darbietung von Květoslava Ondráková waren nicht nur komisch sondern auch drohend. Und der Verbrecher Bill Sikes in Darbietung von Stano Slovák – es war wirklich eine Delikatesse. Er bestätigte wieder, dass er zu den besten Schauspielern des Ensembles gehört und dass er sich auch in rohen, sarkastischen Lagen auskennt, welche er ohne unnötige Expression bewältigt. Eine eigene Beschreibung würde die Rolle des Führers der kindlichen Diebsbande Fagin in Darbietung von Jan Apolenář verdienen. Sicher auch dank der Darlegung des Regisseurs Moša ist es eine beinahe komische Figur, Karikatur des ursprünglichen Helds des Romans von Dickens, ein gewisser Jude Schailoch alla Moliere.

Die ganze Konzeption des Musicals rechnete sicher (und mit Erfolg) mit weitem Zuschauerwiderhall. Von Theaterfeinschmeckern bis zu Kinderzuschauern. Ein gewisser „Cross Visual“, wo jeder sein eigenes Blickwinkel findet und zufrieden sogar begeistert ist. Sicher, es ist auch die Folge der raren Einheit des ganzen Werks. Von der Szene von Jaroslav Milfajt, Kostümen von Andrea Kučerová, bis zur Choreographie von Vladimír Kloubek und empfindlichen Musikeinstudierung vom jungen

Dirigent Jiří Petrdlík

Wenn ich lese, was ich geschrieben habe, denke ich nach, was ist hier zu kritisieren, damit alles nicht so eindeutig, wie eine Ode klingt. Ich denke erfolglos nach. Abgesehen vom Problem, wo möglichst nah an die Musicalszene zu parkieren, finde ich an der Inszenierung von Oliver wirklich keinen Fehler.

Also liebe slowakische Theaterliebhaber, der erfolgreiche Oliver aus Košice, soviel ich weiß, steht im Repertoire des Staatstheaters Košice nicht mehr. Jetzt haben sie also die Möglichkeit, dieses gelungene Werk in Brno zu treffen. Und falls sie die Musikszene des Stadttheaters Brno noch nie besuchten, wagen sie nicht und fahren sie hinter den Fluss Morava. Es ist heute das modernste Musicaltheater in Mitteleuropa. Peter Stoličný, Brno. P.S.: Die Bewohner von Košice erinnern sich sicher an die wunderschöne Inszenierung dieses Musicals in der Regie von Jozef Bednárik aus dem Jahre 1997. Es ist interessant, dass nach einem solchen Ruf des hochwertigen Werks kein anderes slowakisches Theater Oliver in den Spielplan setzte.

Es bleibt nichts anderes übrig, als ich arbeiten gehe

Jiří P. Kříž 3. Oktober 2005 zdroj Právo

… Und der zur höchsten Vollendung gebrachte Schauspielausdruck der Akteure. Aus dem vielköpfigen Team treten wie Solitäre in Karikaturen der bösen Männer und Damen aus London des 19. Jahrhunderts Ján Jackuliak (alterniert von Petr Gazdík) in der Rolle des Weisenhausbesitzers Mr. Bumble, Jan Apolenář (Ladislav Kolář) wie schleimiger Fagin, wieder ausdruckvoller Geliebte der Thalia Dušan Vitázek (Stano Slovák) wie Verbrecher Bill Sikes oder Jana Musilová (Helena Dvořáková) in der Rolle der Witwe Corney.

Die Rosen riechen nicht.

Sie werden von brillanten Solos von Markéta Sedláčková (Ivana Vaňková), welche armes leichtes Mädchen Nancy darstellt, und von Mária Laľková (Radka Coufalová-Vidlák) in der Rolle ihrer Gefährtin Bet ergänzt.

Im äußerst anspruchsvollen Titelpart bewährt sich mutvoll in seiner Kinderrolle Marek Hurák (Daniel Jirků, Karel Jeniš). Der Diebpartner von Oliver wird von der geborenen Komödiantin Klára Šťastná mit Lukáš Kantor gespielt...

Moša pointierte richtig die Inszenierung mit dem im Titel der Rezension zitierten Fagins Ausspruch. Monumentales Musicalfinale schob er in Danksagung weg. Eine weitere Musicaldelikatesse aus Brno!

Das neue Musical des Stadttheaters Brno

Vladimír Čech 2. Oktober 2005 zdroj Kultura

Moša bietet Oliver! wie einen höheren Prinzip an

Beim ersten Blick kann es scheinen, dass Oliver Twist eine ein bisschen sentimentale Geschichte ist, „wie ein armes und zurückgesetztes Weisenkind das Glück fand!“. Der Roman von Dickens verleugnet diese Lage nicht und sein Autor rechnete sicher auch mit einer Träne des empfindlichen Lesers. Als sich der britische Komponist Lionel Bart entschied, diesem klassischen Werk ein Musicalkleid zu geben, konnte er die Romantiklage der Vorlage nicht ganz bestreiten. Mit dem Aufrufszeichen im Titel seines Opus Oliver!, unter dem er als Komponist und Librettist unterschrieben ist, ermahnt er gleichzeitig: schauen sie mehr aufmerksam, dieser Imperativ ist die Aufforderung zum Anstand in jeder Umgebung, auch wenn der Betroffene dafür zuerst nur Hohn bekommt.

Dieser Gedanke wird auch von Stanislav Moša, Regisseur der ersten tschechischen Aufführung von Oliver! hervorgehoben, dessen Uraufführung auf der Musikszene des Stadttheaters Brno am vorigen Wochenende stattfand. Moša findet diese Aufforderung gerade in der gegenwärtigen Zeit, wann jeder die Ellbogen zu gebrauchen weiß und wann der räuberische Egoismus den inneren Edelsinn allzu oft dämpft, aktuell. In dieser Hinsicht hält dann Moša die Peripetien des verlassenen neunjährigen magren Kinds für die Aufforderung zum Nachdenken über höheres Prinzips des Lebens selbst. Deshalb bleibt Oliver Twist immer aktuell, obwohl die Welturaufführung der Musicalversion schon vor einem halben Jahrhundert stattfand – am 30. Juni 1960 im New London Theatre.

Oliver! in Brno ist eine sehr gelungene

Inszenierung im großen Stil. Es wurde auf der Zahl der live spielenden Instrumentalisten und im allgemeinen auf dem Komparse gar nicht gespart, was auch von der Tatsache bezeugt wird, dass es im Großbritannien Verwunderung fand, als sich Brno die Rechte für die Verwendung der großen symphonischen Partitur und nicht für ihre Kammerform ausbat. Attraktiv ist auch die Szene von Jaroslav Milfajt, welche, zum Beispiel in der Fagins Wildhöhle, ausführliche Miniaturgemälde nicht ablehnt, ein andermal mit belüfteten Symbolen der Großstadt auskommt. Andrea Kučerová entwarf die Kostüme, in denen die Atmosphäre des viktorianischen Englands sicher zu fühlen ist. Der Choreograf Vladimír Kloubek brachte das Gewimmel von allen erdenklichen Menschen in ein hinreißendes Tanzwirbel, sodass die beinahe drei Stunden lange Inszenierung Schmiss und Schneid während der ganzen Zeit hat. Die Inszenierung überrascht mit jugendlicher Vitalität, vielleicht auf jedem von den Darstellern ist die Lust zu sehen, mit Maximaleinsetzung zu spielen, singen und tanzen Um ordentlichen Abstoßen und Gesamtschmiss sorgte sich bei der zweiten Sonntagsuraufführung hinter dem Dirigentenpult mit dem ihm von Natur eigenen Enthusiasmus Karel Cón, so dass seine Anvertrauten mit Saft und Kraft spielten. Mit Genuss hört man auch der Übersetzung von Jiří Josek zu, der ab und zu solche Perlen bringt, dass aus dem Zuschauerraum lautes Lachen zu hören ist.

Sehr kräftige sind die Schauspielleistungen, auch wegen dem Grund, dass die Gestalten bedeutend stilisiert sind – Ziviltonart ist hier schwierig zu treffen, jeder muss im richtigen Sinn jenes Wortes spielen. Die negativen Gestalten – vielleicht nur mit Ausnahme von Bill Sikes (ausgezeichneter Dušan Vitázek) – gewinnen Verständnis des Zuschauers oder sogar sein Mitleid. Ihre lächerliche Exaltiertheit bekommt plötzlich die Züge einer Parodie oder Karikatur von Charakteren und ein solcher Spiegel beweist manche negative Seelen zu vermenschlichen, schon deswegen, dass sie Lachen hervorrufen. Das ist auch der Fall von Jan Apolenář als Fagin, im Grunde genommen eines berechnenden Blutsaugers. Der Zuschauer ärgert sich über ihn doch nicht, denn er gleichzeitig unwiderstehlich komisch ist. Es ist in allen Aspekten die sehenswürdigste Leistung.

Aus ähnlicher humorvoller Vogelperspektive profilier Ján Jackuliak seinen Mr. Bumble, Erik Pardus seinen Sowerberry, Jana Musilová ihre Witwe Corney oder Vladimíra Spurná ihre Frau Sowerberry. Was den Gesang betrifft, ist vor allem Ivana Vaňková in der anspruchsvollen Rolle von Nancy hervorragend. Die jüngsten Darsteller sind zwar diszipliniert, aber gleichzeitig bleiben sie kindisch spiellustig. Das ganze Leben wird an ihren Bühnendebüt in der Rolle des Pfiffikus die junge Klára Šťastná erinnern, sowie der erst achtjährige Marek Hurák an seine Titelrolle von Oliver.

Welches Musical besuchen? Oliver!

Karla Hofmannová 27. September 2005 zdroj Rovnost

Die Kinder werden zu Haupthelden, zu einer spontanen kompakten Einheit im Waisenhaus und im Diebsgang, sie haben ihre eigene Welt sowie Gerechtigkeit. Sie bewundern Offenheit und Mut des kleinen Oliver, der in Darbietung des achtjährigen Marek Hurák äußerst gebrechlich ist. Er ergreift durch seine Wehrlosigkeit, Seelenreinheit und Unmittelbarkeit. Sein Bühnendebüt war durch Trema bezeichnet, aber die technischen Mängel seines Ausdrucks hoben die emotionale Wirkung auf den Zuschauer noch mehr hervor. Zu einem Schauspielstar des Abends wurde Jan Apolenář in der Rolle des Kindersgangsführers Fagin. Er geht im Typ des niederträchtigen Kerls ganz auf, mit professioneller Aufsicht und Witz spielt er sein Schauspieler- sowie Singkonzert. Nancy in Darbietung von Ivana Vaňková ist aufrichtig, ihr Singausdruck hat Rauheit in sich, sie wirkt voll und farbig. Die Gestalt von Nancy geht wie die einzige Gestalt eine gewisse Entwicklung auf der Bühne, von einem leichtsinnigen Mädchen, über liebende und leidende Frau bis zu einer sich opfernden Beschützerin eines wehrlosen Kinds. Aus einer ganzen Menge weiterer Figuren der Londoner Unterwelt kann das komische Paar von Mr.Bumble in Darbietung von Ján Jackuliak und Jana Musilová als Witwe Corney nicht unterlassen werden. Ihr Humor entspricht mit seiner Rauheit und Gewalt perfekt der Umgebung. In den Kinderrollen glänzte die ausgezeichnete Klára Šťastná in der Rolle des Pfiffikus.

Die Regie von Stanislav Moša nutz alle Mittel, welche den Zuschauer attackieren können. Intimität, Dramatik, Kontrast von Düsternis und Schmutz mit der Reinheit und Liebheit. Das effektvollste Element ist doch die Szene von Jaroslav Milfajt, welche von den Illustrationen von Georg Cruikshank ausgeht. Sie ist rein und funktionellen, was ihren Stil betrifft, sie kombiniert den Stil der Londoner Strasse mit der wirtschaftlichen Teilung der Szene durch die Bühnenwagen. Effektvoll ist auch das Überblenden der gemalten Bilder nach Motiven aus Romanillustrationen mit den live Bildern, welches in die weitere Handlung kontinuierlich übergeht. Die Szene wird von den Kostümen im denselben Stil von Alena Kučerová vervollständigt. Diese sind frisch und dabei heben den Naturalismus der Regie hervor.

Oliver! Oder Aktionsmelodrama

Luboš Mareček 26. September 2005 zdroj Mf dnes

Das Stadttheater Brno führte am Wochenende den alten Musicalhit auf

Das berühmte englische Musical Oliver!, das am Wochenende wie die tschechische Uraufführung vom Stadttheater Brno aufgeführt wurde, gehört schon zu den Großvätern seines Generes. Dem Musiktitel, der die Welt herumflog, applaudierte die britische Königin schon im Jahre 1960. Das klassische Musical nach dem berühmten Roman von Dickens Oliver Twist entstand also in der Zeit, wann solche Schmuckstücke des Musiktheaters wie My Fair Lady, West Side Story oder Funny Girl zur Welt kamen. Schon deshalb ist es interessant und eigentlich auch verdienstvoll, dass die tschechische Galerie der „verdienten Werke“ gerade in Brno erweitert wurde.

Oliver! bietet doch die Ingredienzien an, von denen das Publikum angezogen wird. Die hervorragende Musik von Lionel Bart wird vom Aktionsmelodrama über ein kleines Waisenkind ergänzt, welches das verdiente Familienglück findet. In der Inszenierung in Brno werden diese Devisen von der biegsamen und humorvollen Übersetzung von Jiří Josek und ebenso von der geschmeidigen und opulenten Musikeistudierung vermehrt.

Zum Glück ertränkte der Regisseur des Werks Stanislav Moša den herzgreifenden Titel in keiner kitschigen Sentimentalität. Er schuf eine solide Musikinszenierung, welche alle wichtigen Merkmale der Familienschau hat: herzgreifende Aktionsgeschichte, donnernde Massenszenen sowie rührende, mit hervorragender Musik begleitete Solosongs. Dazu ist noch der achtjährige Marek Hurák in der Titelrolle anzurechnen, dessen wehrloser und kindlich ungehobelter Ausdruck auch die Punkte und erwünschtes Mitgefühl gewinnt.

Es wird doch nicht nur ein kleiner Junge sein, der auf sich die Aufmerksamkeit automatisch zieht und dessen ungeübter Gesang noch wenige Korrepetionen brauchen würde. Das Ensemble des Theaters in Lidická Strasse hat seine eigene Musicalstars, welche das Gefühl eines angenehm verbrachten Abendes besorgen werden. In der Rolle des sympathischen Führers von Kinddiebchen Fagin glänzt wirklich Jan Apolenář. Die völlig ausgenutzte komische Rolle bestätigt die alte Wahrheit, dass ein vollblütiger Schauspieler auf der Bühne nichts braucht. Es ist vor allem in jenem Augenblick wahr, wenn Apolenář nur mit einer Truhe der Schmuckstücke auf der völlig leeren und enorm großen Bühne das Lied „Ich denke meine Situation durch“ singt. Die weiteren Stars sind Markéta Sedláčková in der ein bisschen pathetischen Rolle der sich opfernden Prostituierte Nancy und Lukáš Kantor als durchtriebener Pfiffikus, der, was Gesten sowie Stimme betrifft, wörtlich wie aus Gummi ist.

Oliver! in Brno bietet nicht nur ein interessanter Ausflug in die Schonung der alten, richtigen Musicals an. In der Zeit, wann das tschechische Musical mit schlechter Qualität schon alles rezykliert hatte, handelt es sich noch dazu um eine kultivierte Unterhaltung.

Oliver!

David Kroča 1. Dezember -1 zdroj Český rozhlas 3/Vltava

Das Musical Oliver! auf der Bühne des Stadttheaters Brno bekam mehrere Geschmäcke als Angebinde. Eines von diesen ist die Süßigkeit der melodramatischen Geschichte über ein kleines Waisenkind, das in die freundlichen Familienarmen zurückkehrt. Gleichzeitig schmeckt es aber nach salzigen Tränen, welche die Helden manchmal unbarmherzig verschlucken müssen. Der Regisseur Stanislav Moša erzählt die Geschichte eines qualvollen Wegs des legendären Helds ohne Beschönigung und falsche Sentimentalität. Von der Anfangsszene im Weisenhaus an, in der Oliver wagt, um Zugabe der Brei trotzköpfig zu bitten, ist es klar, dass er den Haupheld auf keinen Fall schonen wird. Mühevoller Dienst in einer Begräbnisanstalt und folgender Aufenthalt im Taschendiebegang wurden für ihn die Gelegenheit, eine Aktionsschau zu spielen, welche sich der hinreißenden Massenszenen sowie reiner Singsolos im Lichtkegel auf der leeren Bühne rühmen kann. Das Schlüsselthema des wehrlosen und verlassenen Kinds, das in der Handlung wiederholt zurückkehrt, lässt den aktuellen Übergriff in die Gegenwart zu merken. Der Bühnenbildner Jaroslav Milfajt hält sich zwar an den Zeitdekorationen, welche in die Form der alten Romanillustrationen stilisiert sind, aber der Widerspruch zwischen der Lieblichkeit des Salons und der Ausdruckslosigkeit der Stadtstrasse drückt er ganz klar aus. Ein unbestrittener Vorteil der Einstudierung ist doch auch die untraditionelle Choreographie von Vladimír Kloubek, welchem es gelang, nicht nur die Mitglieder des Ensembles, sondern auch zwanzig, was Tanz und Gesang betrifft, hervorragend disponierte Kinder natürlich in die Bewegung zu bringen.

Unvergesslich bleibt vor allem die Leistung des achtjährigen Marek Hurák in der Titelrolle. An der Uraufführung zog die Aufmerksamkeit vor allem sein richtiger Schauspielerausdruck, welcher durch seine Unmittelbarkeit entwaffnet. Eine souveräne Sing- und Tanzleistung bat Klára Šťastná an, welche ihre Gelegenheit in der Gestalt des pfiffigen Diebs Pfiffikus bekam. Zum wirklichen Star der Uraufführung wurde doch der Mitglied des Hausensembles Jan Apolenář als der Diebbandeführer Fagin. Seine entspannte und temperamentvolle Schauspielkunst fand beim Song „Ich denke meine Situation durch“ ihren Gipfel, wann Jan Apolenář als komisch zerrissener Geizhals die leere Bühne wörtlich beherrschte. Effektvoll waren auch die Singnummern von Ivana Vaňková, welche die Rolle der opferwilligen Prostituierte Nancy darstellte: insbesondere der Song „Ich möchte zu deiner Seite stehen“ trug in die sonst fast märchenhaften Erzählung ein Stück wahren Lebenerlebnisses.

Oliver! auf der Brünner Bühne bringt ein angenehmes Treffen mit hinreißender Geschichte, ausgezeichneten Musiknummern sowie mit Leistungen der wirklichen Musicalprofessionalen. Dem Regisseur Moša gelang es so, eine weitere Familienschau einzustudieren, bei der keine der Zuscheurgenerationen sicher Langweile haben wird.

Oliver! Wo versteckt sich die Liebe?

Jana Svozilová 1. Dezember -1 zdroj Kult

Das Musical Oliver! von Lionel Bart, dessen Londoner Uraufführung im Jahre 1960 stattfand, begrüßte am 24. September 2005 die Zuschauer der Musikszene des Stadttheaters Brno. Der Schlusseffekt dieses beinahe Märchenmusicals, das nur was die Geschichte betrifft, vom Roman von Charles Dickens Oliver Twist ausgeht, entstand unter der Regieführung von Stanislav Moša.

Am Konkurs für die Besetzung der Kinderrollen, die in diesem Musical viele sind, nahmen etwa 80 kleine Wagehälsen teil. Dreißig von diesen versuchen jetzt, sich in ihre Rollen einzufühlen. Das Theater hat sogar drei Oliver zur Verfügung, von denen jeder seine Aufgabe mit einem ein bisschen anderen Einsatz auffasst. Von den Kinderrollen erinnere ich mich doch am meisten an die Gestalt des Pfiffikusses, das von der zwölf Jahre alten Klárka Šťastná dargestellt wird, und zwar dank ihrer Natürlichkeit und professioneller Einstellung. Ihr Pfiffikus ist nicht so gemein, wie das des alternierenden Lukáš Kantor, die Hinterhältigkeit der Gestalt wird von der Wärme und kindlichen Naivität unterdrückt.

Die negativen Figuren werden mit Übertreibung aufgefasst – es werden von ihnen die komischen Panoptikumpuppen. Zum Beispiel Fagin in der Darbietung von Jan Apolenář bringt sie öfters plötzlich zum Lachen. Aber der leichte Charakter der Theaterproduktion ist durch die Szene gestört, in der Bill Sikes (Stano Slovák / Dušan Vitázek) mit einem Holzstab die Prostituierte Nancy (Markéta Sedláčková / Ivana Vaňková) erschlägt. Wie Ausgleichung dieser Schwankung aus der gemäßigten Handlung ist seine Tat am Ende bestraft.

Die Märchengeschichte, voll von Hinterhalt des Bösen, welcher am Ende niedergeschlagen ist, ist allem Anschein nach eine typische Familieninszenierung. Die Lieder, welche während des Abends ertönen, sind einschmeichelnd und einfach im Gedächtnis behaltlich. Die Zuschauer werden sicher von den sog. Live-Bildern gefesselt, welche bis zum letzten Detail durchgearbeitet sind. Das Stadttheater Brno hat das Ensemble, das imstande ist, sich beinahe jeder beliebiger Aufgabe zu entledigen. Und bei dem Musical Oliver! kann man nur feststellen, das diese Worte wieder bestätig wurden.

Oliver! in Brno achtet auf sein Ausrufezeichen

Vladimír Čech 1. Dezember -1 zdroj Kam

Ein Ausrufezeichen an das Ende eines Kunstwerkstitels zu stellen, es ist immer ein bisschen riskant – gewöhnlich droht es, dass es dann vom Rezensent übersehen wird. Aber das Stadttheater Brno, das auf seiner Musikszene Oliver! in der tschechischen Uraufführung (24. und 25. September dieses Jahres) aufführte, achtet offensichtlich auf dieses Interpunktionszeichen. Es hängt dann von jedem Bewertenden dieser Inszenierung oder von der Sorgfältigkeit der Redaktion ab, ob das Ausrufezeichen bleiben oder verschwinden wird. Als sich der britische Komponist Lionel Bart entschied, den berühmten klassischen Roman von Dickens Oliver Twist in ein Musicalkleid anzuziehen, konnte er zwar die sentimentale Lage des Originals „wie das arme Waisenkind sein Glück fand“ ganz bestreiten, aber hinter der ganzen bis unwirklich wirkenden Happyend-Geschichte machte er durch den Imperativ die Aufforderung, sich in jeder Umgebung anständig bis aristokratisch zu benehmen. Einschließlich der Londoner Unterwelt der Zeit der Königin Victoria. Ein solches Verhalten ist sicher im großen Maß schon in Genen verschlüsselt, aber noch wichtiger ist es, dass es in weitere Generationen des Betreffenden projiziert und verzinst werden kann.

Gerade dieser Gedanke wird auch vom Regisseur Stanislav Moša hervorgehoben, für den er vor allem in der Gegenwart aktuell ist, wann jeder die Ellbogen zu gebrauchen weiß, wann der Raubegoismus oft den edlen Geist unterdrückt oder auch ganz vernichtet. Aus dieser Sicht versucht Moša das Schicksal des verlassenen, abgehungerten, neun Jahre alten Verlorenen im Sinne des höheren Prinzips des Lebens allgemein zu sehen. Anderseits machen wir uns keine Illusionen, dass die meisten Zuschauer seine Inszenierung mit ähnlich eingestellten Augen sehen werden, dass ein Egoist ohne Skrupel bei der Vorstellung aufwachen wird.

Sicher möchten wir die Aktualität der Absicht von Moša keinesfalls vermindern, in diesem Sinne bleibt Oliver! bis heute aktuell, obwohl die Musicalversion ihre Welturaufführung schon vor etwa einem Halbjahrhundert - am 30.Juni 1960 in New London Theatre stattfand, wobei Oliver! durchaus ein Kind von Bart ist – er zeugte es wie Komponist und auch Librettist in einer Person. Die Musik ist einschmeichelnd, manchmal sogar sehr einschmeichelnd, auch wenn wir ihre Melodien nach dem ersten Hören schwerlich selbst singen werden. Die Operettefreunde werden dann sicher begrüßen, dass die Partitur gerade von ihren Essenzen gewürzt ist.

Oliver! ist kein Kammermusical. Was die Akteure auf der Bühne betrifft, kann man schwerlich irgendwie sparen. Es könnten nur vielleicht die Instrumentalisten im Orchestergraben reduziert werden. Für diese Lösung gibt es auch die „offizielle Version“. Trotzdem vereinbarte Brno im Großbritannien die Verwendung des Originals, was dort angeblich Erstaunung weckte. So gönnt sich die Südmährische Hauptstadt dreißig Musikante, welche bei der zweiten Uraufführung am Sonntag von Karel Cón so geführt wurden, dass es auch aus dem Orchestergraben ordnungsgemäß rauscht. In den Schauspielleistungen ist eine große Stilisierung offensichtlich. Die negativen Gestalten werden dank der manchmal lächerlichen Exaltation, sogar Parodie mit Operettenstich, in den Augen der Zuschauer vermenschlicht, weil diese solche Karikaturen eher belächeln als sie wirklich verurteilen. Die Ausnahme ist der größte Unhold Bill Sikes in der Darbietung des voll entsprechenden Dušan Vitázek, der von fast niemandem im Zuschauerraum bedauert wird, wenn er mit der Kugel eines Polizisten am Ende fällt. Die ausdrucksvollste Gestalt des Musicals Oliver! ist doch der Gelderpresser Fagin in der bewundernswürdigen Darbietung von Jan Apolenář. Er wird schmeichlerisch sein, er wird sich nach seinen Kräften schlängeln und alles Mögliche tun, um das verdiente Schicksal zu vermeiden. Seine Bestrebung ist in dieser Richtung so gespannt, so komisch, dass er bei den Zuschauern das maximale Verständnis und Widerhall in der Form eines bis lauten Lachens bekommen muss. Mit einer sehenswürdigen Menge der Honigfalschheit, welche absichtlich mit den Andeutungen der Operettenschmiere gespickt ist, profiliert Ján Jackuliak (wer würde es über ihn sagen!) seinen Mr. Bumble und auch die anderen - Erik Pardus als Sowerberry und Vladimíra Spurná als Mrs. Sowerberry und auch Jana Musilová in der Rolle der Witwe Corney – halten sich an diese bewährte Schablone mehr oder weniger fest. Der Gesangpart von Nancy ist sehr anspruchsvoll und wenn sich Ivana Vaňková für die Bewältigung von ihm eine große Anerkennung verdient, kann sie sich nur schwierig etwas mehr wünschen.

Ein Grund, weil Oliver! relativ wenig inszeniert wird, sind die Anforderungen an die Größe des Kinderchors und die Ansprüche an die Kinderprotagonisten. Sie können Tausende von hochwertigen Fagin haben, wenn sie doch keinen einzigen entsprechenden Darsteller von Oliver haben, kann der Titel nicht gespielt werden. Von achtzig Kindern, welche am Konkurs teilnahmen, war es doch möglich auszuwählen. Letztlich sind hier sogar drei Oliver, im Alter von 8, 10 und 12 Jahren. Der jüngste von ihnen, Marek Hurák, schmückte mit seiner kindlichen Unmittelbarkeit auch die beiden Uraufführungen. An der zweiten Uraufführung bewältigte die anspruchsvolle Rolle des Pfiffikusses Klára Šťastná, die, wenn auch Debütantin, nicht nur in einem Augenblick wirkte, als ob sie die Unmittelbarkeit, sich auf der Szene zu bewegen, von den Schicksalsgöttinnen bekam.

Wenn die fast drei Stunden lange Vorstellung Schmiss und Verlauf nicht verleugnet, dann gelang es an Vladimír Kloubek, sämtliche jugendliche Vitalität des Ensembles zu verwerten und in seiner choreographischen Fassung zu verzinsen. Die Lust zu spielen, singen und tanzen ist vielleicht an jedem auf der Szene zu sehen. Und es spielen auf ihr mehr als 20 Kinder und 40 Erwachsenen. Obwohl Oliver!, insbesondere was die Kostüme betrifft, mehr oder wenig nur „Haderei“ bleibt, wie Stanislav Moša sagt, mussten die beiden Bildner auch die Hader und Wildlager „irgendwie mehr ungewöhnlich machen“, damit daraus kein langweiliges Grau entsteht, damit etwas zu schauen ist. Andrea Kučerová (Kostüme) drückte auch an diese Hader die Fasson des Englands aus der Zeit der Königin Victoria ein und ebenso der Bühnenbildner Jaroslav Milfajt gab der Londoner Unterwelt „den Duft“ derselben Zeit. Milfajt weiß manchmal pedantisch detailliert zu sein, aber auf einer anderen Stelle reichen plötzlich nur einige symbolische Züge oder Kurven und die richtige Atmosphäre springt ebenso gut in die Augen.

Oliver! in Brno ist auch dank Lionel Bart sehr liebevoll, nicht ohrenzerreissend, man spricht hier nicht vulgär und vielleicht manche Zuschauer werden am Ende sagen, dass es – trotz den sämtlichen edlen Gedanken – genau ein solches Stück ist, wann „das Lächeln mit einer Träne berieselt wird“.

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